Beachtenswerte Klavierlieder von Anton Beer-Walbrunn und Antonín Dvorak
Lieben und Leben in Liedern

Sopranistin Angelika Huber und Pianist Kilian Sprau (beide aus München) interpretierten Lieder aus der Feder von Anton Beer-Walbrunn, dessen Foto im Taufstein der Kirche aufgebaut war. Das Werk des großen Sohnes von Kohlberg soll nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb ist jetzt auch eine CD geplant. Bild: Donhauser
Nach der Premiere 2014 würdigt, fördert und feiert der Kunst- und Kulturverein Kohlberg (Landkreis Neustadt) zum zweiten Mal Anton Beer-Walbrunn (1864-1929). Die Begeisterung für die Musik des großen Sohns der kleinen Gemeinde wird maßgeblich angefacht vom Pioniergeist des Pfarrers Martin Valeske.

Waren es 2014 Streichquartett und Orgel so steht diesmal das Liedschaffen des Komponisten im Brennpunkt. Am Samstagabend brachen die Sopranistin Angelika Huber und der Pianist Kilian Sprau gleich mehrere Lanzen für das Schaffen des Professors an der Musikhochschule München.

Es sprudeln die Hormone

Doch zuerst werden die Liebeslieder op. 83 von Antonín Dvorák (1841-1904) aufgelegt. Ihre Entstehung geht zurück auf ein Erlebnis unglücklicher Liebe des 24-Jährigen zu seiner 16-jährigen Klavierschülerin Josefina. Die Texte von Gustav Pfleger-Moravsky kodieren Gefühle und Erfahrungen in Naturbilder und -symbolik. Lüftchen in lieblichen Maiennächten wehen, Wellen murmeln, weiße Schwäne schwimmen, heiße Herzensglut für das Süßliebchen entflammt. Sprudelnde Hormone wecken die Wonnen der Himmelsmacht Liebe.

Es war halt vieles noch in Ordnung damals. Auch heute wird einem da ganz blümerant zumute. Huber und Sprau gehen die Lieder mit einer adäquaten Mischung von emotionaler Wärme und erzählerischer Distanz an. Sie musizieren sie mit jugendlich-unbeschwerter, schnell aufflammender Leidenschaft. Aber sie runzeln nie die gedankenschwere, das bittere Ende reflektierende Denkerstirn. Schon hier überzeugt der wendige und wandlungsfähige Sopran von Angelika Huber. Rezitativische Klarheit, lyrischer Schmelz, hitzige Dramatik - sie beherrscht das Handwerk einer guten Liedsängerin , singt das Programm ohne Notenblätter und mit intensivem Publikumskontakt. Kilian Sprau kann begleiten wie führen. Er ist nie zu laut. Vielleicht kommen bei beiden mystisch-beklemmende Pianissimo-Passagen noch etwas zu kurz. Dafür stimmen auch die schwierigsten Sprünge. Das h2 in op. 12/6 steht strahlend-kraftvoll im Kirchenraum.

Großer Beer-Walbrunn

Die Lieder Beer-Walbrunns waren ausgesucht aus den Opera 12, 24, 37, 39 und den sprachlich delikaten, schwärmerischen bis tiefsinnig-weisen Shakespeare-Sonetten. Erst werden die Texte von Sprau vorzüglich rezitiert, dann von Huber ebenso gesungen. Der Tonsatz spielt mit Rezitativ, Lied und Arie und wirkt von luftig-frischer improvisatorischer Freiheit durchweht. Die Harmonik erreicht zwar seltener Max Regers frappierende Kühnheit, doch besitzt Beer-Walbrunn ein überragendes Gespür für Melodik: Der anspruchsvolle Klavierpart scheint allenthalben von klaren Motiven und Themen marmoriert, wer die Stimmungen der Texte spüren will, braucht sich nur auf diesen zu konzentrieren.

Wie konnte dieses qualitativ hoch stehende Liedschaffen so in Vergessenheit geraten? Eine CD-Produktion ist bereits in der Pipeline der beiden Musiker. Höchste Zeit dafür!
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