"Beautiful Criminals"
Neues Album von Dirk Darmstaedter

 
"Beautiful Criminals" von Dirk Darmstaedter ist eine verspielte Pop-Platte mit einem Schuss Melancholie geworden. Sie erzählt von den heilenden Kräften der "Pop Guitars" und den längst vergangenen Nächten mit den "Summer Camp Girls". Bild: Markus Wustmann

Dirk Darmstaedter ist sehr entspannt, was seinen mittlerweile eher überschaubaren Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit betrifft. Ach was, der Mann ist ganz allgemein entspannt! Und das hört man der Musik des 51-jährigen Hamburgers in jeder Note an.

Aber wer ist dieser Bursche mit dem etwas sperrigen Nachnamen? Zumindest den Über-40jährigen sollte der Schlaks mit dem verschmitzten Grinsen noch ein Begriff sein: Darmstaedter gründete 1988 mit vier eng befreundeten Spießgesellen die Band The Jeremy Days. Gleich zu Beginn seines Einstands in der Öffentlichkeit feierte der Fünfer beeindruckende Erfolge bei Radio-Einsätzen wie in den Charts, mit herrlich-harmonischen, an den Sound von Beatles oder David Bowie angelehnten Songs namens "Are You Inventive?", "Brand New Toy" oder "Rome Wasn't Build In A Day". Auch die ersten vier Alben des Quintetts enterten die nationale Hitparade.

In aller Freundschaft


Nur das letzte Werk von 1995, "Punk By Numbers", verfehlte die offizielle Verkaufsliste. "Doch das passierte völlig zurecht", meint Darmstaedter rückblickend, "denn zu diesem Zeitpunkt war die Luft raus, was die ursprüngliche Dynamik unserer Gruppe anging. Wir trennten uns im Anschluss an eine letzte Tour 1996 in aller Freundschaft - und halten übrigens bis heute äußerst freundschaftlichen Kontakt zueinander."

Der Hamburger Schlaks betrat fortan musikalische Solo-Pfade, veröffentlichte bereits ein Jahr nach dem Band-Split seine erste Platte in Eigenregie. 2002 gründete er zusammen mit Kumpan Gunther Buskies das alternative Plattenlabel "Tapete Records". Dieses existiert bis heute - allerdings seit gut zwei Jahren ohne Mitwirken von Dirk Darmstaedter. "Ich wollte mich endlich wieder ausschließlich um meine Karriere als Musiker kümmern können", erklärt der charmante Singer/Songwriter breit lächelnd seinen Weggang von der eigenen Firma, "das war aber am Ende bei "Tapete" nicht mehr möglich. Mein Partner und ich fingen mit drei Bands an, die wir unter Vertrag hatten. Als ich ging, waren es über 40. Unter solchen Umständen konnte ich meine Künstler-Karriere vergessen."

Darmstaedter fügt zu diesem Thema hinzu: "Das Beste am Älterwerden ist, "Nein" sagen zu können. Man ist sich mehr und mehr seiner Endlichkeit bewusst. Alles was ich heutzutage tue, mache ich zu 100 Prozent aus Überzeugung! Oder zu 100 Prozent eben nicht. Am Ende meiner Zeit bei "Tapete" - auf die Firma bin ich nach wie vor extrem stolz - konnte ich nicht mehr so agieren, wie ich gerne wollte. Zu viel Geschäft, zu wenig Kreativität. Deshalb musste ich mich von der Sache schweren Herzens befreien." Seither hat Dirk Darmstaedter zwei neue Alben veröffentlicht - das jüngste davon, "Beautiful Criminals" (Beg Steal & Borrows), ist gerade eben erschienen -, zudem steht er regelmäßig auf den Bühnen dieses Landes, gelegentlich gar auf welchen im Ausland. Die Charts hat er mit seinen Solo-Werken seit den seligen Jeremy Days-Tagen zwar nicht mehr von innen gesehen. "Aber das macht mir absolut nichts aus", meint er überzeugend, "denn für mich ist das Wichtigste, dass ich exakt das tue, woran ich im Leben glaube: Meine ureigene Musik zu spielen."

Relaxte Produktion


Demnach verwundert es nicht, dass "Beautiful Criminals" die relaxte Produktion eines relaxten Zeitgenossen geworden ist, irgendwo zwischen Jackson Browne, den Eagles oder Gram Parsons angesiedelt. Wie bei all diesen Größen der Rock- und Pop-Musik steckt nicht nur Entspanntheit in den Songs, sondern es weht auch ein kräftiger Hauch von Melancholie durchs Sound-Gebälk. "Melancholie besitzt in der Regel Größe", erklärt Darmstaedter, "und bedeutet für mich irgendwie eine diffuse Aufbruchsstimmung. Zudem mache ich so was wie hoffentlich wunderschönen und verspielten Songwriter-Pop. Ich bezeichne mich gerne als Jäger des großen Pop-Songs. Ich gehe demütig an die Aufgabe ran, Perlen der populären Musik zu komponieren. Die Stücke dürfen niemals zu lang sein, stattdessen müssen sie Geschmeidigkeit besitzen und schnell auf den Punkt kommen."

Die nächsten Monate wird sich Dirk Darmstaedter - gerne ohne musikalische Begleitung - wieder häufig an dem Ort aufhalten, an dem er sich laut eigener Aussage "am liebsten" befindet: "Auf der Bühne", strahlt er. "Im Programm habe ich bei meinen Konzerten dann einen Kessel Buntes aus rund 30 Jahren Karriere. Was gespielt wird, bestimmen Publikum und die jeweilige Atmosphäre spontan mit. Ich lasse mich bei jedem Gig voll aufs Geschehen ein! Wahrscheinlich bin ich eine Art charmante Rampensau..."

___



Weitere Informationen:

www.dirkdarmstaedter.com

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.