Bibliotheken
Mit Lounge und Café

Ein junger Mann überspielt in der Stadtbibliothek Köln Musik von Vinyl-Schallplatten auf seinen Laptop. Bild: dpa

Düsseldorf. Mal schnell die namibische Tageszeitung lesen, zum Computerspielen in den Jugendraum, in die Spanisch-Vorlesestunde für Kinder oder die Lernecke für Schüler - die Bibliotheken in deutschen Städten sind längst nicht mehr nur nüchterne Ausleihstationen wie einst. Ob in Bielefeld oder Stuttgart - neue und teils ultramoderne Bibliotheksbauten ziehen Besucher an. Sie laden ein zu schmökern, im Internet zu surfen, E-Reader-Kurse zu belegen oder sich auf die nächste Klassenarbeit vorzubereiten.

Bald mit Café


Die Stadtbibliothek ist auf dem besten Weg, für viele ein zweites Wohnzimmer zu werden. Auf gemütlichen Couches und Sesseln kann man chillen, W-LAN für Nutzer mit Bücherausweis ist oft inklusive. "Loungisierung" nennt das belustigt der Direktor der Bielefelder Stadtbibliothek, Harald Pilzer, der auch dem NRW-Landesverband der Bibliotheken vorsteht. Nächster Schritt sei, Cafés an Bibliotheken anzuschließen, wie es in einigen Städten schon der Fall ist.

Die Stadt Düsseldorf steuert inzwischen sogar auf ein Rekordjahr bei den Ausleihen zu. Schon Anfang Dezember verbuchten die Büchereien der nordrhein-westfälische Landeshauptstadt fünf Millionen Ausleihen, bis Ende des Jahres werde der Vorjahreswert von 5,2 Millionen übertroffen. Im bundesweiten Überblick steht Düsseldorf mit seinen Rekordausleihen allerdings ziemlich einsam da. In anderen Städten stagnieren die Ausleihen oder gehen sogar zurück.

"Sehr uneinheitlich" sei das Bild, sagt Klaus-Peter Böttger, Leiter der Essener Stadtbibliothek. Er hat den Überblick, denn er leitet im Deutschen Bibliotheksverband (dbv) die Sektion Großstädte. "Die Bibliotheken vor Ort werden stärker frequentiert, aber das führt nicht unbedingt zu mehr Ausleihen."

In Dresden gingen nach einer vorläufigen Übersicht Böttgers die Ausleihen dieses Jahr um 1,2 Prozent zurück und in Bochum um 7 Prozent, während sie in Leipzig um etwa 4 Prozent stiegen und in Frankfurt auf dem Vorjahresniveau lagen. Die Gründe für Anstieg und Abstieg seien vielfältig, sagt Böttger. In Münster etwa sind die Ausleihregeln mit Fristen und Obergrenzen strenger als in vielen anderen Städten. In Bonn war die Zentralbibliothek lange Zeit in einem Provisorium untergebracht und der größte Teil der Medien war im Magazin. Die Folge: weniger Bücher werden entliehen.

Andererseits steigt die Zahl der digitalen Leihen stetig an. Wurden 2010 in den öffentlichen Bibliotheken in deutschen Städten ab 100 000 Einwohnern erst insgesamt rund 110 000 Medien virtuell entliehen, waren es 2014 laut Verbandsstatistik schon fast 650 000 Ausleihen. Das ist natürlich wenig im Vergleich zu den insgesamt rund 148 Millionen "physischen" Ausleihen in den Stadtbüchereien im vergangenen Jahr. Aber während die konventionellen Ausleihen eher stagnieren, verzeichnen die Bibliotheken laut Böttger beim Herunterladen von E-Books oder E-Papern Steigerungen bis zu 40 Prozent.

Noch mehr freuen sich die Bibliotheken über steigende Besucherzahlen. In Düsseldorf wurde die Zahl der Plätze zum Arbeiten in der Zentralbibliothek von 218 auf 284 erhöht - und es reicht trotzdem nicht. Wie eine Bücherei auf Erfolgskurs kommt, zeigt Köln mit seiner "Bibliothek des Jahres 2015". Um 60 Prozent sprangen die Nutzungszahlen seit 2008 nach oben - die Zahl der Angestellten jedoch blieb gleich. Samstags haben die Kölner Stadtteilbüchereien geöffnet, die Gebühren wurden neu geordnet, das Angebot der Nachfrage angepasst. Die Kölner Stadtbibliothek hatte zudem schon 2013 einen 3D-Drucker angeschafft. "Eine Schlüsseltechnologie", sagt Direktorin Hannelore Vogt. Schüler als "Junior-Experten" zeigen Erwachsenen, wie man den Drucker bedient oder mit dem I-Pad Bilder malt.

Für die ganze Familie


Die Besucher bleiben länger, hat Vogt festgestellt. Auch Jugendliche träfen sich zum gemeinsamen Lernen in die Zentralbibliothek. "Die Bibliothek wird als Aufenthaltsort immer wichtiger. Auch ganze Familien kommen."

Für Flüchtlinge und Asylbewerber stehen die Büchereitüren natürlich ebenfalls offen. In Bielefeld, sagt Bibliothekschef Pilzer, kommen Flüchtlinge in die Bücherei, etwa um im Internet mit der Heimat zu kommunizieren. Viele Bibliotheken haben inzwischen spezielle Angebote für Flüchtlinge vom kostenlosen Büchereiausweis bis zum Sprachkurs.
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