Bierkultur trifft Bierkultur

Seit Jahrzehnten zeichnet Michel Gölling für den Jahreskalender der "Original Hersbrucker Bücherwerkstätte" verantwortlich. Am kommenden Samstag gibt es noch "einige wenige Restexemplare" zu erwerben! Bild: Geiger

"Böhmischer Sprach- und Reiseführer": Die Original Hersbrucker Bücherwerkstätte pflegt das gutnachbarliche Verhältnis mit einem die Völker Bayerns und Böhmens verbindenden Kalender auf das Jahr 2015.

Hersbruck.Kalendergeschichten, das waren seit jeher kleine, den Tag, die Woche oder auch das Monat füllende Schilderungen bemerkenswerter Begebenheiten, die obendrein dem Leser eine Belehrung an die Hand geben sollten. Fein verpackte Weisheiten also, die bei der Beantwortung der Grundfragen des Lebens ebenso Orientierung vermitteln sollten wie bei der Bewältigung der alltäglichen Geschäfte. Wenn sich also die "Original Hersbrucker Bücherwerkstätte" heuer gemeinsam mit dem in Nürnberg ansässigen Übersetzer, Literat und Krimischriftsteller Elmar Tannert für ihren traditionellen Jahreskalender an diese Tradition heranmacht, ist das natürlich nicht nur erfreulich, sondern auch lehrreich.

Trefí mé slak!

Und so erfährt der Betrachter der zwölf Monatsblätter des "Böhmischen Sprach- und Reiseführers" in Wort und Bild, was es auf sich hat, mit den Eigenheiten der östlichen Nachbarn. Dass sie nämlich gerne Bier trinken, Schweinebraten essen und dazu Knödel in die Soße tunken. Ja, dass sie überhaupt gerne ins Wirtshaus gehen und neben allerlei bürgerschaftlichem (Feuerwehr!) und sportlichem (Schlittschuh!) Engagement sich auch den Freuden der körperlichen Liebe keineswegs verschließen. Und wenn man dann die Sache recht bedenkt und von allen Seiten besieht, so stellt man doch als Hiesiger, im Osten Bayerns ansässiger, recht bald fest: Der Unterschied zu Unsereinem ist gar nicht so groß.

Auch hier bei uns gibt es sie, die Biertrinker, die Schweinebratenesser, die Knödeldreher, die Wirtshausbesucher, die Feuerwehrhauptleute und die Eisläufer. Und natürlich auch die Liebhaber der Liebe! Und zwar in rauen Mengen! Das schönste aber ist, dass es Wörter wie Ahnung, Stammtisch, Flasche oder Gesicht auch im Tschechischen gibt. Und so fasst im eröffnenden Januarblatt Elmar Tannert - seines Zeichens Lernender der tschechischen Sprache und darüber in einem Blog des Centrum Bohemia Bavaria unter dem Titel "Tschechisch lernen - Mission impossible?" Klage führender - pointierend zusammen: "Der Wirt hat gesagt, ich soll nicht cimprlích sein und mich mit einer flaska Becherovka zum ksindl am stamtis setzen, damit ich mýrnixtýrnix eine ánunk vom Böhmischen bekomm, aber jetzt ist mein Auto srot und der Führerschein fu und ich kann bloß noch ein saudummes ksicht machen hinter meiner brýle. Trefí mé slak!"

Geschichte und Malerei

Und diese wunderbare kleine Geschichte wird begleitet von einer exzellenten zeichnerischen Arbeit von Fredder Wanoth, in der nicht nur Masskrüge über Tannenspitzen fliegen, sondern das abgebildete Personal vergeblich um die Kontrolle sämtlicher Schließmuskeln kämpft. Ja, so künstlerisch geht's zu, wenn Bierkultur auf Bierkultur trifft! Alles klar?

Da dieser kalendarische Sprachführer lediglich in einer nummerierten und signierten Auflage von 200 Exemplaren (Stückpreis 80 Euro) erscheint, mahnt Michel Gölling, der Spiritus rector der Bücherwerkstätte, für den kommenden Samstagnachmittag (20. Dezember) zur raschen Anreise nach Hersbruck in den Mauerweg 17a: Denn nur noch wenige Restexemplare sind verfügbar. Und wer zu spät kommt? Der kann ab 15 Uhr Elmar Tannert höchstpersönlich begegnen: Da liest er nämlich aus seinen bayerisch-böhmischen Kalendergeschichten.
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