Billy Joel begeistert das Publikum in Frankfurt
„Piano Man“ mit Donnerhall

Billy Joel begeisterte in der Frankfurter Commerzbank-Arena bei seinem einzigen Deutschlandkonzert die mehr als 30 000 Zuschauer. Bild: dpa
 
Billy Joel gibt mit einer Fliegenklatsche den Takt an. Bild: dpa

Wir erinnern uns an den Automechaniker im Blaumann, der ein "Uptown Girl" bezirzen will, an den Barpianisten, der über das Leben der Kneipenbesucher singt. Bei älteren Musikern schönen schon mal nostalgische Szenen aus der Vergangenheit in den Köpfen der Fans ihre heutigen Auftritte. Billy Joel hat das nicht nötig. Der ist auf der Bühne ganz der Alte.

Frankfurt. Unverändert charmant, eine Fliegenklatsche wie einen Taktstock schwingend oder seinen Mikroständer umherwirbelnd gibt sich der New Yorker bei seinem ersten Deutschlandkonzert nach zehn Jahren so präsent und verspielt wie eh und je. Musikalisch ist der einzigartige klavierdominierte, jazzig-soulige Rock eine Urgewalt. Es ist ein Abend wie im Rausch, der nachwirkt.

Die mehr als 30 000 Fans in der Commerzbank Arena feiern, tanzen und singen die längst zu Klassikern gewordenen Titel aus vier Jahrzehnten mit. Das - neben einem Auftritt im Londoner Wembley-Stadion - einzige Europakonzert in diesem Jahr ist ein einziger zweieinhalbstündiger Liebesbeweis. Von Billy Joel an seine Fans. Von den Zuschauern aus ganz Europa an den 67-jährigen Superstar.

Spielfreude im Jubel


So unbändigen Jubel, der jedes Mal aufbrandet, wenn die Musik oder der Small Talk des Mannes am Klavier auch nur kurz pausiert, erleben Konzertbesucher selten. Joel dosiert bekanntlich die Zahl seiner Live-Auftritte streng, trinkt Tee auf der Bühne, pflegt seine Stimme. Bei den Auftritten gibt der am Ende meist schweißüberströmte Sänger aber alles.

Mit seinem um 360 Grad beweglichen Flügel sucht er den Blickkontakt zum Publikum. Er lässt es mehrmals abstimmen, welchen Song es lieber hören will - etwa "The Longest Time" oder "Say Goodbye To Hollywood". Die Wahl fällt auf Ersteren. Eine gute Entscheidung, denn der Song mit dem spritzigen Gesangs-Rhythmus ist neben der Gänsehaut-Ballade "Leningrad" und dem eingängigen "River of Dreams" der Höhepunkt des Abends.

Ein Abend, in dem alle im Hier und Jetzt sind und Spaß haben wollen. In dem die Zeit von Künstler und Zuhörern abfällt. Nur der teilweise extrem nachhallende Sound hat etwas von einer szenischen "Rückblende". Klar, es ist schwierig, ein Fußballstadion soundtechnisch auszusteuern, zumal am Samstagabend das Dach der Arena geschlossen bleibt. Es bleibt aber unverständlich, warum auf das Mikro Joels so viel Hall gelegt werden musste. Der Trick, einen Sänger damit zu unterstützen, geht bei vielen Songs nach hinten los.

Bei "Piano Man", dem legendären Titel, der so sehr mit Billy Joel verbunden ist, der dem Singer-Songwriter seine musikalische Identität verleiht, funktioniert es. Mit Mundharmonika und Klavier bringt der so vertraute Walking Blues - mit der gewohnten Referenz an das Publikum vor der Bühne - die Fans zum Kochen. Dagegen versinken die - zweifellos brillant interpretierten - "New York State of Mind" und "We didn't Start the Fire" in einer Soundsuppe. Stücke wie die Arien-Überleitung (Nessun Dorma aus Turandot) von Gitarrist Mike DelGuidice auf das stimmige "Scenes From an Italian Restaurant" und "The Lion Sleeps Tonight" gewinnen dagegen durch den Hall an Intensität.

Großer Auftritt eines Roadies


Auch sonst ist der Abend für Überraschungen gut: Die skurrilste ist der AC/DC-Exkurs "Highway to Hell", den ein Roadie - begleitet von Billy Joel an der Gitarre - stimmlich nahe an Brian Johnson schmettert. Dem Publikum gefällt es sichtlich.

Als Joel als Zugabe neben einigen Mittanz-Stücken auch "Uptown Girl" spielt, kommt zuletzt doch etwas Nostalgie auf. Ob der frisch verheiratete Vater einer einjährigen Tochter neben monatlichen Auftritten im Madison Square Garden und vereinzelten in den USA künftig die Strapazen einer Europa-Tour auf sich nehmen wird, ist unklar. Angesichts der Energie, die Billy Joel in Frankfurt auf die Bühne bringt, bleibt aber zumindest etwas Hoffnung.
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