Biographie von Elvis Costello
Abenteuerliche Sprünge

  Berlin. Elvis Costello war seit Beginn seiner Karriere in den späten 1970ern von Punk über New Wave hin zu dramatischem Pop, moderner Klassik, Bluegrass-Country und gar Kooperationen mit der Easy-Listening-Legende Burt Bacharach "offen für alles, was ich spannend finde und was mich im Innersten berührt", wie er im Gespräch bekennt. "Jede neue Platte muss mich weiterbringen, muss aufregend sein, muss mich befriedigen. Wie die Öffentlichkeit über mein Zeug denkt, kümmert mich nicht. Ich bin arrogant genug, um der Menschheit etwas von mir hinzuwerfen, an dem ich hart gearbeitet habe. Und dann lautet die Devise: "Friss oder stirb!" Alles andere geht mich nichts an."

In den vergangenen Jahren hat sich der 61-jährige Londoner mit den irischen Wurzeln, der zivil Declan Patrick MacManus heißt und seit etlichen Jahren zusammen mit seiner dritten Ehefrau, der kanadischen Jazz-Sängerin und -Pianistin Diana Krall samt Zwillingen in New York lebt, weniger Drei-Minuten-Songs gewidmet, als vielmehr einer Bleiwüste von knapp 800 Seiten: Der Autobiografie "Unfaithful Music. Mein Leben" (29,99 Euro, Berlin-Verlag) . Es ist ein spannendes, streckenweise hinreißendes Buch geworden. Nicht nur deshalb, weil der Mann und seine unvermeidlichen Hornbrille eine Persönlichkeit mit den unterschiedlichsten Facetten ist - Aufschneider, Melancholiker, Kotzbrocken, Universalgenie und noch einiges mehr. Sondern auch aus dem Grund, weil Costello ein begnadeter Erzähler ist.

Costello erzählt in der Tradition von Autoren, die stets den Ur-Anspruch ihrer Geschichte im Auge behalten, sich dabei zur selben Zeit auf jede Menge verschlungener Pfade begeben, getrieben von der Lust, den Leser wie sich selbst auf eine aufregende Reise zu schicken. Denn "Unfaithful Music" ist nicht chronologisch erzählt, sondern gespickt mit gelegentlich abenteuerlichen Sprüngen, die aber meist geschmeidig gemeistert werden. Nur gelegentlich beschleicht den Außenstehenden das Gefühl, der Meister selbst hätte etwas den Überblick verloren. "Mein Gedächtnis ist eher unheimlich", verriet Costello dem Wochenmagazin "Freitag" im Interview. "Daten musste ich nachschlagen, und natürlich wird man Fehler finden, aber das ist unwichtig. Wichtig ist, wie sich die Dinge anfühlten. Wie absurd alles war. Der einzige Grund, über ein Leben im Showgeschäft zu schreiben, ist, zu zeigen, wie absurd es ist - wenig lässt sich da erklären."

Um nicht selbst irgendwann in den Strudel der Vergessenheit zu geraten, hat Costello sich die Kniffe der modernen Selbstverkaufs-Strategien zu eigen gemacht. So ist parallel, cleverer Schachzug, zum Buch auch eine Doppel-CD namens "Unfaithful Music" (Universal) in den Handel gekommen, für die der Meister Songs auswählte, die für ihn eine tiefe emotionale Bindung zu den Themen und Geschichten in seinem Buch bilden.

Trotzdem schwärmt der bleiche Mann aus London verzückt weiter von einer Kultur, in die er sich richtiggehend hinein gearbeitet hat. Um schließlich mit seinem ihm eigenen trockenen Humor festzustellen: "Nächstes Jahr - nächstes Album! Da kann schon wieder alles ganz anders aussehen. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist äußerst gering. Ich bin bereit zum Sprung zu ganz neuen Ufern. Wie immer in meinem Leben. Etwas anderes habe ich schließlich nicht gelernt."
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