Brahms bringt Begeisterung in Basilika

Mit "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms wird der frisch renovierte Chorraum in der Basilika Waldsassen würdevoll eröffnet. Dabei interpretieren sowohl Solisten als auch Orchester und Chor unter Leitung von Andreas Sagstetter eindrucksvoll das Werk des Komponisten.

Waldsassen.Keine großen Gesten des Dirigenten, aber großartige Musik und ebensolchen Gesang erlebt das Publikum am Sonntagnachmittag in der voll besetzten Basilika. Andreas Sagstetter, seines Zeichens Regionalkantor in Waldsassen, bietet mit dem Festivalorchester der Basilikakonzerte und dem großen Gemeinschaftschor ein beeindruckendes Konzert. Ohne übertriebene Gebärden versteht es Sagstetter, Orchester und Chor zu dirigieren und dabei präzise Einsätze, Schlussakkorde und große dynamische Steigerungen zu erschaffen.

Reiner Gesang

Gleich zu Beginn wird den Zuhörern bewusst, dass sie ein besonderer Musikgenuss erwartet. "Selig sind, die da Leid tragen" wird von Chor und Orchester innig und ausdrucksvoll angestimmt. Besonders beeindrucken die Musiker im langsamen, marschmäßigen "Denn alles Fleisch ist wie Gras", in dem die tiefen Chorstimmen wunderbar unisono singen. Großartige dynamische Ausweitungen entlockt Sagstetter den Sängern mit minimalistischem Gestus bis hin zum Einsatz des Soprans, der den Gesang zur strahlenden Mehrstimmigkeit leitet.

Die beiden Solisten Nora Lentner (Sopran) und Thomas Stimmel (Bass) bestechen mit gut artikuliertem, reinem Gesang. Mit großem Klangvolumen und dennoch empfindsam singt Thomas Stimmel "Herr, lehre doch mich". Nora Lentner lässt Leid, Hoffnung und Freude in "Ihr habt nun Traurigkeit" mit großem Ausdruck hörbar werden. Sagstetter passt Chor und Orchester wunderbar an die Solostimmen an.

Zarte Harfenklänge und präzise Pauken sind zu hören. Auch das Blech und die Flöten schaffen überzeugende Klänge und Melodien. Die Streicher und wohlklingenden Celli tragen zu einem harmonischen Gesamtbild bei.

Einziges Kriterium

Man muss sich schon anstrengen, in der durchweg gelungenen Aufführung etwas zu finden, das so etwas wie Kritik verdient. Da ist die Artikulation des Chores. Ohne gedruckten Text hätte man wohl nur wenig verstanden. Der ansonsten gut aufgestellte Tenor kann nicht immer mit großer Lockerheit die höchsten Töne erreichen. Dem beeindruckenden Gesamtergebnis tut dies aber keinen Abbruch. So gibt es am Schluss auch völlig verdient stehende Ovationen und nicht enden wollenden Beifall des beeindruckten Publikums.
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