Brit Dyrnes, Ursula Sepponen und Björn Riska sind die neuen Austauschkünstler im Oberpfälzer ...
Trauerfeierlichkeiten für einen Kirschbaum

Björn Riska (von links), Ursula Sepponen und Brit Dyrnes sind derzeit zu Gast im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf. Bild: Göttinger
Schwandorf.Ihr Freund der Baum ist tot - ermordet, gefällt, zerstückelt. Dabei hat Ursula Sepponen den Kirschbaum im Garten des "Oberpfälzer Künstlerhauses" in Schwandorf kaum gekannt. Als sie dort nämlich Anfang November mit ihrem finnischen Landsmann Björn Riska und der Norwegerin Brit Dyrnes ankam, war er gewissermaßen schon am Hinscheiden. Sepponen scheint trotzdem eine intensive botanische Beziehung zu ihm aufgebaut zu haben. Jetzt ist die Trauer groß. "Ich kann mir aussuchen, wohin ich gehe - der Baum konnte das nicht", sagt die 36-Jährige.

Anderer Blick auf die Welt

Zugegeben, der Pressetermin im Künstlerhaus II beginnt etwas gewöhnungsbedürftig. Haben die da gerade keinen anderen Themen, schießt es einem unweigerlich durch den Kopf. Erst recht, nachdem Künstlerhausleiterin Andrea Lamest zur Sicherheit betont, dass der Baum nicht etwa gefällt wurde, weil er dem Lichteinfall in den Aufenthaltsraum im Weg stand. Sondern weil er schlicht krank gewesen sei.

Andererseits ist der von seinem Leiden erlöste Kirschbaum natürlich eine Metapher. Sepponen macht daran fest, was sie umtreibt. Um Freiheit geht es ihr. Darum, Entscheidungen treffen zu können und eine Wahl zu haben, eben um all das, zu dem so ein Baum gerade nicht in der Lage ist. War das nicht immer schon eine der Grundvoraussetzungen des Künstlerseins - etwas in den Dingen zu sehen nämlich, das nicht offensichtlich ist, der andere Blick auf die Welt?

Den haben zweifelsfrei neben Sepponen auch Brit Dyrnes und Björn Riske. Mit dem Trio aus dem hohen Norden leben und arbeiten jetzt erstmals drei bildende Künstler gleichzeitig im "Oberpfälzer Künstlerhaus". Bislang war immer ein Schriftsteller oder ein Komponist mit dabei. Nach dem Weggang von Heiner Riepl steht nun ein drittes Atelier zur Verfügung und damit auch Platz für einen dritten Maler oder Bildhauer.

Ursula Sepponen malt zwar auch, bewegt sich dann aber doch eher an der Schnittstelle von Performance und Video-Kunst. Aus Herbstlaub hat sie sich ein Kleid gefertigt, es angezogen, um dann damit mehr oder weniger kunstvoll auf einem - na was wohl? - Baumstamm zu balancieren. Beim Pressetermin gab es von der Aktion nur ein paar Standfotos zu sehen.

Björn Riske wiederum hat sich in den letzten Tagen unter anderem intensiv mit den Wänden in seinem Atelier auseinandergesetzt. Die sind weiß getüncht, aber Riske entdeckt darin eben auch Rottöne, Spuren von Grau und Schwarz. In den aus dieser Auseinandersetzung heraus entstanden Bildern erforscht er den Raum neu, eröffnet so einen ganz eigenen Blickwinkel.

Miniatur-Geschichten

Brit Dyrnes schließlich erzählt Geschichten. Mit "Preiser"-Miniaturfiguren zum Beispiel, die sie in einem Schwandorfer Modellbahngeschäft entdeckt hat. Zwei Nackedeis sonnen sich nun auf Steine geklebt. Vom "femininen und maskulinen Prinzip" spricht Dyrnes, ist aber ansonsten gerade noch dabei zu erkunden, wohin sie diese Geschichte führen wird. Am Schluss dann das obligatorische Gruppenfoto. Es wird ein "Funeral Photo", wie Sepponen sagt, ein Begräbnis-Foto: Die Drei versuchen auf dem toten Kirschbaumstamm die Balance zu halten. Irgendwie pietätlos, oder?
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.