Brüche in der Biografie
Uwe-Johnson-Preis geht an den Schriftsteller Jan Koneffke

In seinem Roman greift Jan Koneffke Widersprüche bei der Entwicklung von Persönlichkeiten auf. Dabei wird der Bogen von der NS-Zeit, bis nach dem Mauerfall 1989 gespannt. Bild: dpa

Von Winfried Wagner, dpa

Neubrandenburg. Der Schriftsteller Jan Koneffke erhält den Uwe-Johnson-Preis 2016. Der 55-Jährige bekommt die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung für seinen Roman "Ein Sonntagskind", sagte der Vorsitzende der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft (MLG) Carsten Gansel am Mittwoch in Neubrandenburg. Es sei die erste Ehrung für diesen Roman und die Entscheidung sei unter etwa 60 Bewerbungen gefallen. Der Preis von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft, dem "Nordkurier"-Verlag sowie einer Berliner Anwalts- und Steuerberaterkanzlei gestiftet, wird alle zwei Jahre vergeben und am 23. September in Neubrandenburg überreicht.

Faszinierender Bogen


Koneffke entwerfe ein Panorama, das vom Zweiten Weltkrieg über das Jahr 1989 bis in die Gegenwart führt, hieß es von der Jury. "Wie bei Uwe Johnson wird offenkundig, auf welche Weise der Einzelne im 20. Jahrhundert in die gesellschaftlichen Zeitläufte hineingezogen wurde und es zu Brüchen in der Biografie gekommen ist".

"Ein Sonntagskind" ist der dritte Teil einer Romantrilogie Koneffkes. Er ziehe so einen faszinierenden Bogen, der mit der Vertreibung aus Pommern einsetzt ("Eine nie vergessene Geschichte"), über den Zweiten Weltkrieg von Berlin ("Die sieben Leben des Felix Kannmacher) nach Bukarest führt und mit "Ein Sonntagskind" endet, in dem Koneffke das Leben seines Vaters aufgreift.

In dem 2015 erschienenen Roman geht es um einen linksliberalen Philosophieprofessor aus Frankfurt/Main, dessen Sohn nach dem Fall der Mauer Briefe des Vaters aus der Zeit 1944/45 findet. Darin hatte der Vater als junger Soldat, der das Eiserne Kreuz I. Klasse bekam, noch geprahlt und wiederum bei seinem Vater mangelnden Patriotismus ausgemacht. Später habe die DDR-Staatssicherheit das ausnutzen wollen. Der 1960 in Darmstadt geborene Koneffke ist nach Angaben seines Verlages mit einer Rumänin verheiratet und lebt in Wien und Rumänien.

Großer deutscher Autor


Der aus Pommern stammende Schriftsteller Johnson (1934-1984) zählt zu den großen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er wuchs im heute polnischen Cammin und in Anklam auf, lebte in Güstrow und Berlin, verließ die DDR, ging nach New York und starb 1984 in England. Sein Hauptwerk war "Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl", das vom Leben des kleinen Mannes unter den Entscheidungen der Machthaber zwischen dem Ende der Weimarer Republik und dem Jahr 1968 erzählt.
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