Brückenbauer und Hoffnungsträger

Nuntius Dr. Hans Schwemmer wäre am heutigen Freitag, 11. September, 70 Jahre alt geworden. Er gilt als höchster kirchlicher Würdenträger der Region. Bilder: Archiv

"Erinnerungen sind ein Paradies, aus dem uns niemand vertreiben kann." Dieser wundervolle Spruch von Jean Paul, unserem nordostbayerischen Dichter, kommt uns in den Sinn, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Dr. Hans Schwemmer, heute 70 Jahre alt geworden wäre.

Er ist einer der großen Söhne dieser Oberpfalz, Apostolischer Nuntius von Papua Neuguinea und auf den Salomoninseln sowie Titularbischof von Ravello. Eine bis heute ungeklärt gebliebene Todesursache hat diesen kraftvollen und imponierenden Gottesmann am 1. Oktober 2001 aus einem erfüllten Leben gerissen.

Säule des Glaubens

Das Bild Hans Schwemmers steht vor uns: Lebensfroh und aufgeschlossen, humorvoll in seinem herzhaft jugendlichen Lachen, das stets so ansteckend und gewinnend wirkte. "La colonna", die Säule des Glaubens, hat ihn Papst Johannes Paul II. genannt. Fürwahr ein Mann der Tat, für den Christsein vor allem den hohen persönlichen Einsatz zur Bewältigung von Armut und Hunger, von Elend und Leid bedeutete: Ein volksnaher Beweger und Hoffnungsträger.

Bodenhaftig

Bei all seiner Bodenhaftigkeit hat Hans Schwemmer den Begriff der Freiheit beim Namen gerufen, als er ihn zu seinem bischöflichen Wahlspruch erkor. Vertröstung auf das Jenseits allein, das war Schwemmers Sache nicht. Hier sah er keinen Widerspruch zur chistlichen Botschaft: Macht Euch die Erde untertan!

Die Verankerung mit und in der Heimat hat ihm ein Leben lang Kraft und Stärke verliehen. Nach dem Abitur in Weiden und der Studienzeit in Regensburg war schon früh klar, dass sich dieser hochbegabte junge Mann im kirchlichen Bereich engagieren würde, mit einer starken sozialen und politischen Akzentsetzung.

Thomas Leonhardt, Anwalt und Freund in Buenos Aires , schrieb anlässlich des Todes von Schwemmer: "In den letzten dreißig Jahren war er der einzige Nuntiatur-Sekretär, an den man sich noch heute erinnert. Nach Rückkehr in seine Heimat anlässlich eines Urlaubs überraschte Schwemmer mit der Nachricht "Wir Oberpfälzer helfen". Der Aufruf im Advent 1987 an die Leser dieser Zeitung, in Verbindung mit dem Pfarramt St. Josef, erbrachte die erstaunliche Summe von 107 000 DM als "Bausteine für eine bessere Welt". In den Slums von Buenos Aires konnte deshalb in kurzer Zeit ein Schultrakt aus dem Boden gestampft werden.

Hilfe aus der Heimat

Zehn Jahre später wandte sich Hans Schwemmer mit unserer Hilfe als Botschafter des Vatikan erneut an unsere Leser: "Bitte, helfen Sie!" Eine verheerende Dürrekatastrophe hatte die Pazifikinsel Neuguinea heimgesucht. Dank Schwemmers großer Beliebtheit floss in seiner Oberpfälzer Heimat erneut ein Geldregen in Höhe von 170 000 DM. Nach dem Aufenthalt in Südamerika folgten neun Jahre im Vatikan als Diplomat im "Innenministerium", als Sekretär für die deutsche Sektion. In der Zeit der Wiedervereinigung hat sich Schwemmer um sein Vaterland hoch verdient gemacht, wie Insider nachdrücklich versichern. Schließlich organisierte er den erfolgreichen Besuch des Papstes in Deutschland.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.