Brühl.
Kulturnotizen Schriftsteller DieterKühn gestorben

(dpa) Dieter Kühn schrieb Biografien, die manchem Historiker die Haare zu Berge stehen ließen. Anstatt sich an die Fakten zu halten, schickte er Beethoven mit dem Sohn eines afrikanischen Sklaven auf eine Schiffsreise oder ging der Frage nach, warum Napoleon nicht Schriftsteller geworden ist. Am Samstag ist der Schriftsteller, der zuletzt in Brühl bei Köln lebte, im Alter von 80 Jahren gestorben.

In seinem Buch "Ich war Hitlers Schutzengel" trieb Kühn den Ansatz auf die Spitze: Nun malte er sich aus, was geschehen wäre, wenn Hitler am 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller dem Attentat von Georg Elser zum Opfer gefallen wäre. Außerdem gibt Hitlers Schutzengel einen Rechenschaftsbericht ab.

Kühn nahm den Historikern nicht ab, dass ihre Lebensbeschreibungen so objektiv sind, wie sie scheinen. Jede Biografie sei viel stärker durch die Perspektive des Autors geprägt, als sich dieser normalerweise eingestehen wolle, meinte er. Ihn störte die scheinbare Unvermeidlichkeit vieler nacherzählter Lebenswege. In Wahrheit hätte doch oft nicht viel gefehlt, und alles wäre ganz anders gelaufen.

Kühn hat als sehr produktiver Autor über Gestalten aus den unterschiedlichsten Epochen geschrieben. Sein erfolgreichstes Buch wurde "Ich Wolkenstein" über den weit gereisten Ritter-Poeten Oswald von Wolkenstein (1377-1445). 2014 Jahr ehrte ihn das Land Rheinland-Pfalz mit der Carl-Zuckmayer-Medaille für sein Lebenswerk. Gewürdigt wurde er als herausragender Schriftsteller "von großer erzählerischer Kraft und mit unbändiger Lust an der Sprache". Er sei "einer der gescheitesten und stilistisch beeindruckendsten Romanciers, Biografen und Essayisten deutscher Sprache".
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