Carina Misslinger und Lars Jönsson begeistern bei VHS-Kammermusikreihe mit Werken von Reinecke, ...
Spiel, Spaß und ganz viel Gefühl

Sulzbach-Rosenberg.Die Reaktionen des Publikums sind im Allgemeinen ein zuverlässiger Gradmesser: Wenn "Bravo"-Rufe ertönen, der Beifall nahezu euphorisch ausfällt und die Kommentare von "einfach toll" bis "unglaublich" reichen, dann kann man sicher sein, etwas Besonderes gehört, erlebt zu haben. Im zweiten Konzert der VHS-Kammermusikreihe konnte man dies genießen. Carina Misslinger (Flöte) und Lars Jönsson (Klavier) boten im Konzertsaal der Berufsschule ein Konzert, das in (fast) allen Bereichen kammermusikalische Vollkommenheit erreichte.

Wechselspiel der Musiker

Ausnahmsweise sei der Pianist zuerst genannt. Wie er die schwierigen Partien seines Instrumentes spielte, mit geschmeidigem Anschlag, klug dosiertem Pedaleinsatz, einer wie selbstverständlich anmutenden brillanten Virtuosität und einem blinden Gespür für seine Partnerin, das war einfach Klasse. Er stellte auch die einzelnen Werke mit fundierten, humorvollen Erläuterungen vor und bereitete damit dem Publikum den Einstieg in die jeweiligen Kompositionen. Und die Flötistin zeigte sich auf der Höhe ihres Instrumentes. Fast atemberaubend ihre virtuose Technik, bewegend die Sensibilität der melodiösen Linien, fesselnd die Gestaltung der Musik, deren Spannungsbögen in nie erlahmender Intensität zum Klingen kamen.

Zu Beginn die Sonate "Undine" von Carl Reinecke, in der der Komponist (1824-1910) die Geschichte dieses bekannten Märchens musikalisch illustriert. Dies umzusetzen, gelang den Interpreten vollkommen. Ein verblüffendes Wechselspiel zwischen lyrischen Passagen und virtuos perlenden Läufen prägten das zwingende Spiel, schilderten die Szenen zwischen Liebe und Verzicht Undines in eindringlicher Weise. Diese "romantische" Flötensonate wurde von den Künstlern in ihrer Fülle ausgebreitet.

Ganz anders die Sonata von Otar Taktakishvili (1924-1989). In einem fast choralhaften zweiten Satz wird die slawische Seele in beeindruckender Sensibilität "eingefangen". Im Schlusssatz lässt der Komponist das Klavier fast als Schlagwerk-Ensemble agieren mit plötzlichen Rhythmus- und Taktwechseln, sich steigernden Akkordfolgen, über die sich die Flöte in virtuoser Brillanz entfaltet. Diese Sonate schien den beiden Interpreten "auf den Leib" geschrieben.

Dvoráks Sonatine G-Dur, in New York 1893 komponiert, wurde für Geige und Klavier geschrieben. In der Bearbeitung für Flöte ist sie, wie Jönsson erklärte, von der Geige "gestohlen". Dabei konnte die Wärme, der "Gesang" der Geige fast völlig von der Flöte transponiert werden. Der markante 1. Satz, die melancholische, fast traurige Melodie der Flöte im zweiten, das lockere Scherzo und der ausdrucksstarke, sich rhythmisch und klanglich steigernde Schlusssatz - die beiden Künstler präsentierten die "verschwenderische Fülle an Ideen" in einer einfach gelungenen Interpretation, bei der nur ganz selten der Charakter der Geige vermisst wurde. Zum Schluss dann Sarasates "Carmen"-Fantasie. Auch dies war, in der Bearbeitung für Flöte von Davide Formisano, "von der Geige gestohlen". Aber hier wurde das spanische Kolorit der Musik von Bizet in einer fantastischen Form umgesetzt.

Zuhörer gefesselt

Ein Feuerwerk aus inspirierten Passagen und lang ausgesponnenen Melodiebögen geben der Flötistin und dem Pianisten reichlich Gelegenheit, mit ihrer spieltechnischen Souveränität und der Gestaltung der "Carmen"-Musik zu glänzen. Misslinger und Jönsson liefen zu Höchstform auf, da fesselten sie das Publikum in einer Weise, dass nach dem letzten Ton ein Beifallssturm losbrach.
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