Carolin Emcke erhält Friedenspreis 2015 des Deutschen Buchhandels
Schreiben statt schweigen

Leipzig. Die Publizistin Carolin Emcke (48) erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015. Emckes Werk sei Vorbild für gesellschaftliches Handeln "in einer Zeit, in der politische, religiöse und kulturelle Konflikte den Dialog oft nicht mehr zulassen", heißt es in der Begründung der Jury. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gab am Freitag in Leipzig die Entscheidung bekannt. Der Preis ist mit 25 000 Euro dotiert und wird am 23. Oktober zum Ende der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen. Mit Emcke wird eine Journalistin und Publizistin geehrt, "die mit ihren Büchern, Artikeln und Reden einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden leistet." Emckes Aufmerksamkeit gelte dabei besonders jenen Momenten, Situationen und Themen, "in denen das Gespräch abzubrechen droht, ja nicht mehr möglich erscheint".

Briefe aus dem Ausland


Die Autorin setzt sich schwierigen Lebensbedingungen aus und beschreibt - vor allem in ihren Essays und Berichten aus Kriegsgebieten - "auf sehr persönliche und ungeschützte Weise, wie Gewalt, Hass und Sprachlosigkeit Menschen verändern können". Von 1998 bis 2006 arbeitete sie als fest angestellte Redakteurin beim "Spiegel".

Ab 1999 bereiste sie als Auslandsredakteurin zahlreiche Krisenregionen und berichtete unter anderem aus dem Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Irak und dem Gazastreifen. Aus den Briefen, die sie zwischen 1999 und 2003 an ihre Freunde schrieb, entstand 2004 ihr erstes Buch "Von den Kriegen - Briefe an Freunde". Von 2003 bis 2004 ging Emcke für ein Jahr als Visiting Lecturer an die Yale University und lehrte unter anderem über "Theorien der Gewalt".

Kolumnen und Essays


Seit 2004 kuratiert und moderiert sie die monatliche Diskussionsreihe "Streitraum" an der Berliner Schaubühne. Von 2007 bis 2014 arbeitete sie als freie Autorin für die "Zeit" und veröffentlichte Reportagen aus dem Irak, Haiti, dem Gazastreifen sowie zahlreiche Essays. Seit Oktober 2014 schreibt sie für die Wochenendausgabe der "Süddeutschen Zeitung" eine wöchentliche Kolumne.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Bundesrepublik. Er wird seit 1950 verliehen und ist mit 25 000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Albert Schweitzer, Ernesto Cardenal und Astrid Lindgren. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani.

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Weitere Informationen:

www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de
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