"Cashbags" huldigen in der Kulturscheune Elbart dem Weltstar, der vor zwölf Jahren starb
Einer, der wie Johnny singt

Die "Cashbags" und ihr Sänger Robert Tyson (Mitte): An ihnen hätte auch Johnny Cash seine Freude gehabt. Bild: hou
Der Mann aus Kingsland/Arkansas ist schlecht zu kopieren. Johnny Cash war Johnny Cash. Doch es gibt ein paar wenige, die ihm nahe kommen. Robert Tyson, in Florida gebürtig, zählt dazu. Wer ihm zuhört, merkt sehr rasch: Da ist einer, dem auch der "Ring of Fire"-Meister Beifall gespendet hätte.

Kleiner Kreis, fast schon eines jener Clubkonzerte, die Cash am Anfang und am Ende seiner legendären Schaffensperiode gab: In der Kulturscheune von Elbart warten 100 Leute. Ein ebenso intimer wie perfekter Rahmen, der Nähe zu den Künstlern schafft. Kein Hallen-Getöse, stattdessen gespannte Aufmerksamkeit. Drei Männer auf der Bühne. Zwei mit Gitarren, einer mit dem Stehbaß aus Zeiten, in denen der Rock'n'Roll den Hillbilly schluckte. Sie nennen sich "Cashbags".

Cash-WG

Licht aus, Spot an: Ganz vorne steht einer, der Robert Tyson heißt. Er lebt zusammen mit seinen Mitstreitern in Dresden, schafft von Beginn der folgenden drei Stunden an eine Atmosphäre, wie sie gewesen sein muss, als Johnny Cash mit den "Tennessee Three" die ersten Versuche unternahm, etwas später weltweit begeistertes Publikum für sich zu gewinnen. Robert Tyson, das wird rasch deutlich, ist keiner, der den Plagiatsschwindel betreibt. Er kopiert den "Man in Black" nicht, er geht seinen eigenen musikalischen Weg. Mit einer Stimme, die dem vor zwölf Jahren gestorbenen US-Megastar in manchen Songs unglaublich nahe kommt. Es gibt Lieder aus der Sun-Records-Zeit, wie "Cry, Cry, Cry" und "Hey Porter". Tyson klammert auch die unvermeidlichen Gassenhauer des Megastars nicht aus: "Bonanza", "I walk the Line", "Don't take your Guns to Town." Muss einfach sein, wenn Cashs Lebenswerk nachgezeichnet werden soll.

Gänzlich Unbekanntes

Doch die Show wird erst dann brillant, wenn im Album der "American Recordings" geblättert wird. "The Man comes around" beispielsweise. Tyson steht dann allein auf der Bühne, serviert dem Publikum gänzlich Unbekanntes und verbeugt sich damit gleichsam vor einem Mann, den er selbst nie auf der Bühne sah.

Es gibt Nummern, die nicht von Cash stammen. Auch sie aber sind Glanzstücke in diesem Programm. Gordon Lightfoots "If you could read my Mind" etwa und "Oh lonesome me", das Chet Atkins einst für Don Gibson produzierte. Von Robert Tyson grandios gut gemacht und mit dem Anspruch vermittelt, dass da im vergangenen Jahrhundert in den Staaten etwas für die Ewigkeit geschaffen wurde. Tolle Truppe, diese "Cashbags". Im Internet mit glänzenden Kritiken versehen. Wir schließen uns an.
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