Charmantes Raubein mit ruhiger Seite

Victor de Kowa als SS-Gruppenführer Schmidt-Lausitz, Curd Jürgens als General Harras und Regisseur Helmut Käutner (von links) bei den Dreharbeiten zu dem Film "Des Teufels General" im November 1954 in Hamburg. Archivbilder: dpa (2)

Curd Jürgens war einer der wenigen Film-Weltstars im Nachkriegsdeutschland. Zum 100. Geburtstag des 1982 gestorbenen Künstlers gibt eine Ausstellung neue Einblicke in sein Leben.

Er war "Des Teufels General", ein eindrucksvoller "Jedermann" in Salzburg und ein Bond-Bösewicht der Extraklasse in "Der Spion, der mich liebte". Außerdem spielte er in einem der meistgesehenen "Tatorte" der Geschichte. Am Sonntag, 13. Dezember, jährt sich der Geburtstag von Curd Jürgens (1915-1982) zum 100. Mal. Das Deutsche Filmmuseum widmet ihm dazu eine besondere Ausstellung.

Zahlreiche Affären

Zeitlebens pflegte Jürgens sein Image als Lebemann, als charmantes Raubein, das den Luxus, die Frauen und den großen Auftritt liebte. Er war fünfmal verheiratet, mit den Schauspielerinnen Lulu Basler, Judith Holzmeister und Eva Bartok, außerdem mit dem Model Simone Bichéron und zuletzt mit Margie Schmitz. Zudem hatte er zahlreiche Affären.

Doch er hatte auch eine andere Seite. "Was beim genauen Studieren des Nachlasses, vor allem der persönlichen Aufzeichnungen überrascht, ist, wie sehr sich Curd Jürgens vor allem in den frühen Jahren seines Schaffens über die Form des Theaters, die Qualität der Inszenierungen und Filme, in denen er mitwirkt, auseinandersetzt", sagt Hans-Peter Reichmann. Der Sammlungsleiter des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt hat anlässlich des 100. Geburtstags von Jürgens aus dessen Nachlass eine virtuelle Ausstellung erstellt. Jürgens habe über Kollegen geschrieben und über die Unterschiede zwischen dem Agieren vor einer Kamera und vor Publikum reflektiert, sagt Reichmann. Eigentlich wollte Jürgens nach seinem Tod den gesamten Nachlass verbrennen lassen. Doch seine Witwe Margie entschied sich nach seinem Ableben im Alter von 66 Jahren anders, und übergab 1997 sein Erbe inklusive Drehbüchern und Fanpost in 40 Holzkisten verpackt an das Filmmuseum. Unter anderem sind Tausende Fotos, rund 70 Drehbücher und Skripte, 45 Plakate sowie Notizen, Briefe und Tagebücher erhalten. Auch seine Pfeifen samt Pfeifenbesteck finden sich hier.

Anspruchsvolle Werke

In alledem zeigen sich etliche Facetten des Menschen Curd Jürgens. In einem Tagebuch von 1947 habe er etwa Eindrücke der Wiener Nachkriegszeit vermittelt, von unbeheizten Theatern und der ständigen Armut, die ihn Hunger leiden ließ, sagt Reichmann. "Vielleicht wird dadurch der "Genussmensch" Curd Jürgens, der sein Leben in vollen Zügen genoss, auch nachvollziehbarer und menschlicher." Dabei hatte Jürgens auch schon zu Lebzeiten Einblicke in sein Leben gegeben, in dem Roman "Der süße Duft der Rebellion" (1980) etwa, und auch in seinen Memoiren "Und kein bisschen weise" (1976).

Geboren wurde Jürgens am 13. Dezember 1915 in München, sein Vater stammte aus Hamburg, seine Mutter war Französin. Als er zehn Jahre alt war, zog sie mit ihm nach Berlin. Schon früh war er in einer Theatergruppe dabei, bevor er sich jedoch zum Schauspieler ausbilden ließ, arbeitete er noch eine Zeit lang als Reporter. Ab 1941 gehörte er dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Seinen größten Ruhm erlangte er jedoch auf der Filmleinwand.

Dabei war Curd Jürgens ("Ich hab' nichts ausgelassen") nicht nur Film- und Theaterschauspieler, sondern auch Regisseur und Sänger. Er stand mit Romy Schneider, Orson Welles, Richard Burton, Ingrid Bergmann und Brigitte Bardot vor der Kamera. Insgesamt wirkte er in mehr als 150 Filmen mit. Neben anspruchsvolleren Werken wie etwa der Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General" von Helmut Käutner oder Literaturverfilmungen wie "Die Schachnovelle" drehte er auch etliche kommerzielle Streifen.

Schauspieler mit Weltruhm

Weltruhm erlangte er endgültig 1977. Im Bond-Streifen "Der Spion, der mich liebte" spielte er Karl Stromberg, den Widersacher von Roger Moore. Auch in Fernsehproduktionen wirkte er mit. Der "Tatort" "Rot - rot - tot" von 1978 gehört bis heute mit mehr als 26 Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung zu den meistgesehenen "Tatorten" überhaupt. Begraben wurde Jürgens schließlich in Wien. An seinem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof erinnern heute zwei goldene Masken an den großen Schauspieler.
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