Choreografin Alexandra Karabelas erhält den Kunstpreis der "Regensburger Kulturstiftung der ...
Der Tanz als gesellschaftliche Position

Für ihre Choreografie "Hungry Butterflies 4" erhielt Alexandra Karabelas den Kunstpreis der "Regensburger Kulturstiftung der REWAG". Bild: Wolke
Regensburg.Es ist etwas Besonderes und Alexandra Karabelas weiß das ganz genau. Freude und Rührung sind der Choreografin deutlich anzusehen, als sie den Kunstpreis der "Regensburger Kulturstiftung der REWAG" entgegennimmt. Erstmals wurde die Auszeichnung heuer in der Sparte Tanz verliehen. Und das, so Karabelas, ist ungewöhnlich - "vor allem außerhalb Münchens".

"Eine Ehre"

Mit der Verleihung des Preises an eine Choreografin klettert Regensburg gleichsam eine Stufe höher in der Akzeptanz zeitgenössischer Kunst. "Die Auszeichnung bedeutet für die Choreografie die Anerkennung als Kunstform." Alexandra Karabelas muss es wissen. "Das ist eine Ehre", bedankte sie sich während der Preisverleihung im REWAG-Casino stellvertretend für ihr achtköpfiges Team. "Hungry Butterflies 4" lautet der Titel des Werks, für das Alexandra Karabelas mit dem Kunstpreis ausgezeichnet wurde. Sie setzte sich damit gegen vier weitere Bewerber durch.

Alle Teilnehmer waren dabei mit Uraufführungen ins Rennen gegangen: Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb war eine eigens produzierte Choreografie. "So was Sperriges, wie ich es mache", äußerte sich Karabelas über ihre multimediale Arbeit, in der Schauspiel, Video und Musik sich rund um das Kernthema Tanz ansiedeln. Und damit grenzt sie sich durchaus ab von fließenden, rein ästhetisch ansprechenden Tanzdarbietungen. Gewalt ist ein Thema der politisch denkenden Choreografin. In "Hungry Butterflies 4" reicht diese von häuslicher Bedrohung im Familienkreis bis hin zum Krieg. Ruckartig, hart und bewusst keiner perfekten Symmetrie folgend sind die Bewegungen der Tänzer. Sperrig ist da wohl der richtige Ausdruck.

"Alexandra Karabelas macht es dem Zuschauer nicht leicht", befand Susanne Wiedamann, die die Laudatio hielt. Die Arbeiten der Choreografin greifen aktuelle Themen auf. Für viel Gesprächsstoff sorgte ein Stück, in dem sie die Erschießung des Regensburgers Tennessee Eisenberg durch die Polizei thematisierte. Dass der Zuschauer zum Nachdenken angeregt wird, ist bei Alexandra Karabelas gewollt.

Tanzzentrum geplant

Unbequem kann sie also durchaus sein, die freundliche Dame, die bei der Preisverleihung so strahlend auf der Bühne steht. Als eifrige Verfechterin des zeitgenössischen Tanzes und dessen stärkerer Verbreitung, etwa an Schulen, geht Alexandra Karabelas Konflikten nicht aus dem Weg. Die "TanzstelleR" und das Tanzfestival "Schleudertraum", deren Leiterin und Mitbegründerin sie ist, zählen längst zu den festen Bestandteilen des Regensburger Kulturlebens.

Bei der jetzigen Stadtregierung scheint Karabelas auf offene Ohren zu stoßen. Auch Joachim Wolbergs zeigte sich als Anhänger des zeitgenössischen Tanzes. "Es gibt wenig moderne Ausdrucksformen, die so ausdrucksstark sind wie der Tanz", bemerkte der Oberbürgermeister bei der Verleihung des Kunstpreises. Und erzählte gleich darauf vom Plan eines Tanzzentrums in Regensburg.

Für höheres Ansehen des Tanzes sorgt die Verleihung des Kunstpreises an Alexandra Karabelas allemal. Die Auszeichnung der "Regensburger Kulturstiftung der REWAG" wird seit 2008 alle zwei Jahre vergeben und steht für Qualität. Ebenso wie die Kulturstiftung an sich, die 1997 mit einem Stiftungsvermögen von damals einer Million Mark gegründet und seitdem mehrmals aufgestockt und bezuschusst wurde, soll der Preis herausragende Künstler fördern. Dies geschah bisher in den Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur. Der Bereich Tanz ist neu. Und das ist etwas Besonderes.
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