Conchita Buika ist Spaniens meistgefeierte Künstlerin
Alles im Blick

 
Buikas neue CD überzeugt mit starken Melodien, ungewöhnlichen Songs und ergreifendem Gesang. Bild: JaviRojo

Sie ist derzeit Spaniens gefeiertste Künstlerin, füllt weltweit die Konzerthallen und wurde bereits mit mehreren Latin Grammys ausgezeichnet. Auf ihren Tourneen, die Conchita Buika konstant um den Globus führen, sind auch die großen deutschen Konzerthäuser regelmäßig ausverkauft.

Concha Buika wurde 1972 in Palma de Mallorca geboren, ihre Familie stammt aus Äquatorialguinea, die Nachbarschaft in ihrer Kindheit und Jugend bestand aus meist vitalen, fröhlichen Roma und Sinti, die gerne mit ausgelassenen Feiern die Nacht zum Tag gestalteten. Und überall wurde das Musik-besessene Mädchen von unterschiedlichsten Stilrichtungen umschwirrt: Soul, Jazz, African Rock, Gypsy Swing, Funk.

Dies muss man wissen, um Buikas aktuelles Album "Vivir Sin Miedo" (eastwest) besser verstehen zu können. Denn bislang ist die resolute Schwarze mit den markanten Gesichtszügen und der noch markanteren Stimme in ihrer iberischen Heimat ein Flamenco-Superstar. Auf der neuen Buika-Platte spielt der geliebte Flamenco allerdings eher eine Nebenrolle, auch die Hälfte der zehn Liedtexte sind auf Englisch, nicht mehr nur auf Spanisch wie bislang. Richtig, das Energiebündel möchte ab sofort die ganze Welt mit ihren Songs erobern.

Warum haben Sie den Titel für Ihr aktuelles Album gewählt, der so viel wie "Leben ohne Angst" bedeutet?

Concha Buika: Zunächst mal ist es eine schöne Phrase, die gut klingt. Ansonsten ist es tatsächlich mein Ziel, angstfrei zu existieren. Ich möchte einer Welt entgegentreten, die sich viel zu häufig grausam und einschüchternd gibt. Auf so einen Unsinn habe ich keine Lust. Mein Anspruch ist es, selbstbestimmt zu sein. Und stark zu sein, mir nichts gefallen zu lassen, ohne darüber meine Humanität zu verlieren.

In Ihrer Heimat sind Sie ein Flamenco-Superstar, außerhalb bislang kaum bekannt. Soll sich dieser Umstand mit "Vivir Sin Miedo" ändern?

Buika: Natürlich möchte ich mit der Platte die Welt erobern, das will doch jeder Künstler! (lacht) Denn ich bin mir sicher, dass ich genügend Talent für diesen Eroberungs-Plan mitbringe. Doch ansonsten ist es Zeit für die wichtigen, vor allem positiven Gefühle, die es via Musik zu transportieren gilt. Ich stehe für großes Drama, ohne deshalb in unendliches Pathos zu verfallen.

Für mich als Außenstehenden bewegt sich Ihre Musik zwischen Melancholie und Erotik, zwischen purer Freude und abgrundtiefer Traurigkeit. Ich vermute, diese Einschätzung teilen Sie nicht, oder täusche ich mich?

Buika: Drücken wir es so aus: Ich bin seit jeher ein leidenschaftlicher Mensch. Und ich bin eine seriöse Künstlerin, deshalb stehe ich in der Pflicht, absolut authentische Lieder abzuliefern. So ein Procedere schmerzt nicht gerade selten. Aber da muss ich durch, das bin ich meinen Fans schuldig.

Sie werden als "Flamenco-Göttin" verehrt. Wie definieren Sie diese Stilrichtung?

Buika: Flamenco ist ein nicht unwesentlicher Teil meiner Musik. Aber als Göttin dieses Sounds sehe ich mich definitiv nicht. Dafür gibt es zu viele andere Einflüsse in meinen Songs. Doch ich unterscheide nicht zwischen Stilrichtungen. Denn ich bin auf Grund meiner persönlichen Biografie viel zu heimatlos.

Wie darf man Heimatlosigkeit in Ihrem Fall verstehen?

Buika: Meine Eltern stammen aus Afrika, ich selbst wurde in Spanien geboren. Was bedeutet, dass ich mich mit Mama und Papa nur bruchstückhaft in deren originärer Sprache unterhalten kann. Spanisch ist unsere Basis. Ich liebe meine Eltern, aber ich teile nicht wirklich ihre Herkunft. Ich habe keine eigene Identität, wenn man will. Das mag traurig klingen. Ich selbst allerdings sehe diesen Umstand als große Chance. Denn dadurch kann ich gar nicht anders, als meine ureigene Musik zu komponieren, mit nichts in der Welt vergleichbar. Ich sehe mich als Kind des Universellen. Mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Sie sind in den letzten Jahren viel gereist, um Konzerte zu spielen, vor allem in Länder der sogenannten 3. Welt. Welchen Einfluss hatten Ihre Erfahrungen für "Vivir Sin Miedo"?

Buika: Da ich eine Gerechtigkeitsfanatikerin bin, habe ich in erster Linie traurige Erfahrungen gesammelt. Ich bin vielen bitterarmen Menschen begegnet, die unentwegt arbeiten müssen, um ihre Familien zumindest halbwegs ernähren zu können. Sie werden ausgebeutet von ein paar wenigen - entschuldigen sie den heftigen Ausdruck - Arschlöchern, die sich einen Dreck um deren persönlichen Belange scheren. Solche Leute sind glücklich, wenn ich mit ihnen spreche. Vor allem aber, wenn ich für sie singe. Weil bei aller Melancholie in erster Linie Hoffnung in meinen Stücken transportiert wird.

Sehen Sie sich als politisch orientierte Person?

Buika: Eigentlich betrachte ich mich weder als spirituelle noch politische Künstlerin. Trotzdem komme ich der Politik nicht aus, fürchte ich. Denn ich möchte mit meinen Liedern eine Botschafterin für Frieden sein. Und so frustrierend das ist, inzwischen ist das Überbringen der Botschaft des Friedens eine hochpolitische Angelegenheit, weil dieses Wort so viele unterschiedliche Interpretationen beinhaltet. Für mich selbst ist Frieden eindeutig: Dass alle Menschen auf diesem Planeten entspannt zusammenleben können. Nicht mehr. Und definitiv nicht weniger.

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Weitere Informationen im Internet:

www.conchabuikamusic.com

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