„Cop Town – Stadt der Angst“
Hart und gut

 
Über die US-Atlanta im Ausnahmezustand schreibt Karin Slaughter in ihrem neuesten Buch. Die Cops beginnen eine brutale Menschenjagd und werden so gefährlich wie der Killer selbst. Bild: dpa

Im Police Department von Atlanta herrscht der Ausnahmezustand, seitdem ein Killer Jagd auf Ordnungshüter macht. Die junge Polizistin Kate Murphy fürchtet, dass ihr erster Arbeitstag zugleich ihr letzter sein wird. "Cop Town - Stadt der Angst" heißt der neue Thriller der Amerikanerin Karin Slaugther.

München. Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) in den 1970er Jahren: In der Stadt herrscht Angst. Ein Unbekannter macht Jagd auf jene, die die Menschen beschützen sollen. Ein Polizist nach dem anderen wird umgebracht - auf eine Weise, die an eine Exekution erinnert. Wut und Unbehagen der Ordnungshüter sowie ihr Wunsch, den Mörder endlich zu fassen, sind maßlos. Einigen von ihnen scheint jedes Mittel recht zu sein, um einen Verdächtigen zu präsentieren. Reine Männersache. Frauen haben hier nichts zu suchen. Das ist die nahezu einhellige Meinung etlicher Cops - und denkbar schlechteste Voraussetzung für Kate Murphy, als sie ihren Dienst beim Police Department antritt.

Ein Höllenritt


"Cop Town" heißt der neue Thriller der US-Amerikanerin Karin Slaughter ("Bittere Wunden"). Und er ist ebenso hart wie gut und beleuchtet eine Zeit im Süden der Staaten, die von Sexismus, Rassismus und Homophobie geprägt ist. Für die hübsche blonde Kate, die in einem wohlhabenden, behüteten Umfeld aufgewachsen ist, wird ihr erster Tag bei der Polizei zum Höllenritt. Nie zuvor wurde sie mit so viel Schmutz und Vorurteilen konfrontiert wie an jenem Montag, als sie versucht, in die Domäne der weißen Männer einzudringen.

Natürlich gibt es weibliche Polizisten, so wie Maggie Lawsen, deren Bruder Jimmy und ihr Onkel Terry ebenfalls beim PD arbeiten. Allerdings haben die Frauen längst ihre Illusionen begraben und versuchen lediglich, ihre untergeordnete Position so gut wie möglich auszufüllen und sich der sexuellen Übergriffe ihrer Kollegen mehr schlecht als recht zu erwehren.

Und doch sind es Kate und Maggie, die als erste eine Spur zu dem Polizistenkiller zu entdecken glauben. Ihre Bemühungen werden jedoch immer wieder ausgebremst, ja torpediert. Vor allem von Terry. Maggies Onkel und seine Freunde erweisen sich als Hauptwidersacher nicht nur der Frauen, sondern auch ihres schwarzen Chefs. Und natürlich kommt in ihren Augen nur ein Afroamerikaner als Mörder in Frage. Sie starten eine Menschenjagd jenseits aller Legalität und schrecken vor keiner Brutalität - auch nicht an ihren Kolleginnen - zurück.

Karin Slaughter (Jahrgang 1971), dem deutschen Publikum vor allem auch durch ihre Thriller um die Rechtsmedizinerin Sara Linton und den eigenwilligen Ermittler Will Trent bekannt, greift mit "Cop Town" ein Thema auf, das aktueller nicht sein könnte. Immer wieder tauchen Videos auf, die von Polizistengewalt in den USA zeugen, vor allem gegen Schwarze. Kaum vorstellbar, um wie viel schwerer die Situation für Afroamerikaner 40 Jahre früher und wie schwierig das Bemühen rechtschaffender Cops war, gegen den Strom zu schwimmen - vor allem, wenn man Frau oder homosexuell war. Denn auch das Thema hat Slaughter aufgegriffen. Kurz: "Cop Town" ist in vielerlei Hinsicht ein Schocker.

Nichts für schwache Nerven


Karin Slaughter, deren Romane bisher in 32 Sprachen übersetzt und weltweit über 30 Millionen Mal verkauft wurden, schreibt nichts für schwache Nerven. Dennoch ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert, weil sich die Autorin hautnah an der Realität bewegt, ihre Charaktere durchweg überzeugend sind und ihr Plot so gut durchkomponiert ist, dass weder Spannung noch das Bedürfnis vieler Leser, in allem Bösen auch das Gute zu erkennen, auf der Strecke bleiben. Wer sich von diesem Buch mitreißen lässt, wird sich gewiss auf Slaughters neuen Thriller "Schwarze Wut" freuen, den der Blanvalet Verlag für kommenden Mai angekündigt hat. Dann werden wieder Sara Linton und Will Trent im Einsatz sein.

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Karin Slaughter: "Cop Town - Stadt der Angst", 544 Seiten, 14,99 Euro, Blanvalet-Verlag.
Weitere Beiträge zu den Themen: Krimi (19)Buchbesprechung (2)Karin Slaugther (1)
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