Das Frankfurter Ensemble "In Paradiso" geleitet bei den Sommerkonzerten in Wurz "durch die ...
Direktflug vom Pfarrhof ins musikalische Paradies

Das Ensemble "In Paradiso" gefiel beim Wurzer Sommerkonert. Von links: Honxia Cui, Roxana Neacsu, Gesine Petersmann, Agnes Kovacs, Simone Schwark, Jacob Winter, Toshinori Ozaki. Bild: Donhauser
Ohne schweißtreibenden Umweg durch das Fegefeuer konnte man am Samstagabend in den Genuss von 90 Minuten Seligkeit gelangen: Dem Ensemble "In Paradiso" aus Frankfurt sei Lob und Dank! Die sieben Musiker, drei Vokalisten und vier Instrumentalisten haben sich auf die Musik um das Jahr 1600, an der Schwelle von der Renaissance zum Frühbarock, spezialisiert. Sie spielen Musik aus Deutschland, England, Italien und Spanien.

Eine Epoche des musikalischen Umbruchs, weg von der Kunst erstarrter Polyphonie hin zur Monodie. Das bedeutet führende Melodie mit Begleitung, Musik, die sich für Wort und Emotion (Affekte) gleichermaßen interessiert. Eine Epoche, in der die Oper "erfunden" wird, die auch noch das Theater mit ins Boot holt. Eine Epoche, in der sich erstmals virtuose Instrumentalmusik entwickelt. Dem Ensemble "In Paradiso" glückt die Transformation von Musikgeschichte in anpackende, berührende, mitreißende Musik. Toshinori Ozaki an Theorbe, Barocklaute und -gitarre bildet einen kongenialen Generalbass-Pakt mit der Cembalistin Roxana Neacsu, unterstützt von der versierten Barockcellistin Gesine Petersmann. Sie wiederum bildet ein famoses Duo mit der Barockgeigerin Honxia Cui - beide wecken alle Klangfacetten der Darmsaiten ihrer Instrumente und lassen sie beredt sprechen und auch mal berührend schön singen.

Mit "geläufiger Gurgel"

In einem Atemzug muss man den Bass Jacob Winter und vor allem die Sopranistinnen Agnes Kovacs und Simone Schwark nennen: Sie beherrschen die Technik des Barockgesangs mit "geläufiger Gurgel", mit klarer Sprachverständlichkeit und mit der Kunst der improvisatorischen Verzierung der Melodie. Es ist eine wahre Wohltat, einmal nicht von unverständlichen Silben, pathetischem Belcanto und schwülstigem Vibrato traktiert zu werden. Mit Charme und Freude musiziert, natürlich, bewegend, erschütternd ihre Soli (Evening Hymn, Quel Rosignuol, Laudate Dominum), die Duos (Chiome d'oro von Monteverdi), die Ensembles. Bei Musik dieser Epoche ist die Besetzung nicht immer festgelegt, es muss also arrangiert werden. Auch dies haben die Frankfurter brillant gelöst. Sonata und Sinfonia für hohes und tiefes Instrument mit Generalbass spielen Violine und Violoncello mit bravouröser Virtuosität. Beim fünfstimmigen Satz "Ich lag in tiefer Todesnacht" von Johannes Eccard, werden drei Stimmen eindringlich gesungen, zwei übernehmen die Streicher (leider etwas defensiv), dazu Generalbass. Ein Highlight.

Überraschende Ideen

Spannend und abwechslungsreich die Programmkomposition "Durch die Nacht zu den Sternen", ein prickelnder Wechsel von Soli, Ensembles, von vokal und instrumental. Musik aus einer Zeit des Aufbruchs, der formalen Experimente mit Rezitativ und Arie, mit Mehrstimmigkeit, mit immer wieder überraschenden Formideen, mit aufblitzenden Stimmungswechseln. "O du selige": Begeisterung im Pfarrhof, "in Paradiso".
Weitere Beiträge zu den Themen: Wurz (794)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.