Debütalbum „Unfolding“
Balsamo Deighton und der Schmerz in der Harmonie

Gemeinsam schreiben die beiden kreativen Künstler, auf der Basis ihrer musikalischen Vorlieben: den Singer/Songwritern der 1970er Jahre, Folk, Rock, Pop und Country. Als Einflüsse nennen sie Gram Parsons, Crowded House, Steve Earle, Tom Petty, Ryan Adams oder auch das Duo Alison Krauss/Robert Plant. Bild: Graham Harries
 

Rosalie Deighton ist der weibliche Part des Duos Balsamo Deighton, das soeben sein Debütalbum "Unfolding" veröffentlicht hat. Ihr männlicher Gegenpart ist der fünf Jahre ältere Steve Balsamo.

Von Michael Fuchs-Gamböck

Während Balsamo aus Wales stammt, hat Deighton indonesisch-holländische Wurzeln, lebt aber seit langer Zeit in England. "Um irgendwelchen Gerüchten vorzubeugen", kichert die zartgliedrige Person charmant gleich zu Beginn des Gesprächs: "Nein, Steve und ich sind kein Liebespaar! So eine Verbindung würde nicht hinhauen, denn dafür sind wir viel zu sehr Seelenverwandte."

Magische Angelegenheit


"Dass sich unsere Stimmen gefunden haben und perfekt miteinander harmonieren, ist wirklich eine magische Angelegenheit", schwärmt Rosalie Deighton bis heute. "Man muss sich das so vorstellen, wie wenn man eine Kugel Schokolade- und eine Kugel Walnuss-Eis im Becher hat. Zunächst scheint das gar nicht zusammenzupassen. Aber wenn man die beiden Geschmäcker miteinander vereint, ist das eine himmlische Kombination! Ach ja: Ich bin übrigens die Schokolade des Ganzen", giggelt die 39-Jährige fröhlich.

Kennengelernt haben sich die selbst ernannten "Soulmates" bereits 2001 in London. Dort trafen sie im Studio des Produzenten Martin Terefe (u. a. Ron Sexsmith, Train, KT Tunstall) aufeinander, als sie ihre jeweils eigenen Solo-Erstlinge einspielten. Balsamo war in jener Phase ein begehrter Musical-Star, hatte Hauptrollen als "Jesus Christ Superstar" oder bei "Edgar Allen Poe: More Tales Of Mystery And Imagination", später gründete er die Mainstreamrock-Band The Storys, mit welcher der hagere Schlaks drei Alben aufnahm. Deighton wiederum hat in den vergangenen Jahren neben Solowerken gleichfalls drei Platten mit der familieneigenen Folk-Combo The Deighton Family eingespielt. Und jetzt also die gemeinsame Kooperation "Unfold"!

Das sympathische Duo hat sich die Arbeit an den gemeinsamen Songs korrekt aufgeteilt, erklärt Deighton: "Wir werkeln in unserem jeweiligen Zuhause an Ideen herum", bekräftigt die herbe Schönheit. "Und wir suchen beide unabhängig voneinander nach der perfekten, zeitlosen Melodie. Steve und ich haben tatsächlich die Ewigkeit im Sinn, wenn wir uns ans Komponieren machen. Ansonsten bin ich beim Schreiben eher die romantische Person - ich suche den Schmerz in der Harmonie. Steve hingegen ist sehr offen für den spirituellen Aspekt. Er hat nicht umsonst", lacht Rosalie, "längere Zeit den Superstar Jesus Christus auf der Bühne gegeben."

Speziell die Verse von Rosalie Deighton zehren extrem von düsteren Liebesaffären und schmerzhaften Ereignissen, wie sie selbst eingesteht: "Bei mir ist viel passiert, ich habe einige grässliche Trennungen hinter mir. Dann ist vor ein paar Jahren auch noch eine geliebte Schwester von mir vollkommen überraschend verstorben. Katharsis überall, damit ist nicht immer leicht umzugehen!

Liebe in der reinsten Form


Kein Wunder, dass praktisch alle meine Reime autobiographisch sind. Gelegentlich habe ich Angst vor ihnen, weil sie mich bedrängen sowie nackt und schutzlos in der Öffentlichkeit machen. Aber letztlich verehren Steve und ich die Liebe in ihrer reinsten Form. Wir machen Fehler beim Lieben. Dann machen wir einfach weiter. Wie schön es ist, dass dieser Mann und ich heutzutage miteinander kooperieren - denn bei aller Wehmut tauschen wir uns untereinander aus, wir diskutieren sehr viel und anregend über den Output des Anderen."

Musikalisch war immer klar, dass sich Balsamo Deighton am Radio-kompatiblen Sound der 1970-er und 1980-er orientieren, "ohne dass wir uns deshalb verbiegen und Hörgewohnheiten erfüllen würden", meint die Wahl-Engländerin. Balsamo Deighton sind auf "Unfolding" (earmusic/Edel) tief eingetaucht in die Welt von Fleetwood Mac und Cock Robin, gelegentlich standen auch Tom Petty oder Crosby, Stills & Nash Pate. Im Vordergrund jubilieren freilich die beiden glockenklaren, gerne auch von erschütternder Melancholie geprägten Stimmen der zwei Protagonisten. "Pure Schönheit in diesem Dasein", seufzt Rosalie Deighton, "hat leider immer jede Menge mit dem Bewusstsein der Vergänglichkeit zu tun. Aber auch das werden wir mit Hilfe der Musik irgendwann überwinden."

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Weitere Informationen:

www.balsamodeighton.com

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