"Den Raum ganz anders besetzen": Museum Lothar Fischer zeigt Werkschau von Emil Cimiotti ...
Freie Plastiken in einer ganz neuen Dimension

Bildhauer Emil Cimiotti in seinem Atelier. Am 19. August wird er 85. Bilder: Museum Lothar Fischer
Der Hunger nach neuen Ausdrucksformen hat das künstlerische Schaffen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Einer von denen, die sich konsequent und mutig auf neue Wege begaben, ist Emil Cimiotti. Er schuf eine ganz neue Dimension von Plastik, erkundete die Grenzen ihrer Möglichkeiten und eröffnete so neue Perspektiven auch für nachkommende Künstlergenerationen.

Das Museum Lothar Fischer beherbergt derzeit eine Werkschau Cimiottis unter dem Titel "Den Raum ganz anders besetzen". Plastiken und Zeichnungen des 1927 geborenen Göttingers sind bis Mai in Neumarkt zu sehen.

Angeregt etwa durch große Vorbilder wie Constantin Brâncusi, Le Corbusier und Fernand Léger - nicht zuletzt auch durch seinen Lehrer Willi Baumeister -, wollte Cimiotti die Begrenztheit plastischen Schaffens in traditionellen Formen sprengen, neue Dimensionen für das Objekt selbst und den umgebenden Raum gewinnen. Anfänglich mit Misstrauen beobachtet, wurde Cimiotti in den späten 50er und frühen 60er Jahren als einer der wichtigen Mitbegründer der Informel gefeiert. Bereits 1957 hatte er den renommierten Kunstpreis "Junger Westen" für Bildhauerei erhalten. Zwei Jahre später wurde ihm die gleiche Auszeichnung noch einmal verliehen - für seine Handzeichnungen.
1959 begegnete er in der Villa Massimo dem jungen Lothar Fischer. Er wurde dessen Vorbild, hat wesentlich dazu beigetragen, dass Fischer im Kontext auch mit den Bestrebungen der Gruppe S.P.U.R. zu einem ganz eigenen Stil und zur Rolle der Kunst in der Gesellschaft fand.

Zeit seines Lebens hat Fischer Verbindung gehalten und es als Auszeichnung empfunden, dass bei der Gründung des Museums in Neumarkt auch ein Werk Cimiottis Einzug hielt. Der ganz eigene Stil des heute in Wolfenbüttel lebenden 85-Jährigen hat sich in drei Phasen entwickelt, führte Professor Christoph Zuschlag von der Universität Koblenz-Landau bei der Eröffnung der Ausstellung aus: Wuchernde organische Formen kennzeichnen die Objekte Cimiottis bereits Ende der 50er. "Es geht dem Künstler dabei nicht um eine Abbildung der Natur, sondern sie steht ihm Modell für eine abstrakte Entwicklung ganz eigener Formen, die sich beim Schaffen häufig erst entwickeln."

Die "Inselbewohner" , entstanden in der Villa Massimo, zählt zu den exemplarischen Werken dieser Periode. Arbeiten wie "Die Knieende" (1983) gehören der mittleren Werkphase an: Der große skelettartige Torso steht für Cimiottis Auseinandersetzung mit Leben und Tod, Auflösung und Vergänglichkeit.

Sachter Einsatz von Farbe

Zu Beginn der 90er greift der Bildhauer alte Themen wieder auf, gibt ihnen landschaftliche Bezüge, wobei einmal mehr die Natur nicht abgebildet, sondern abstrahiert wird ("Hügel VI"). Cimiotti gibt den Objekten da und dort auch Farbe, ohne die Plastiken wie geschminkt aussehen zu lassen. Die Bronzen, hergestellt nach dem alten Wachs-Ausschmelzverfahren, vermitteln da und dort ohnehin einen originären Rohzustand. Material und Ausdruck des Objekts bleiben unmittelbar in der Verbindung.

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Zur Ausstellung bietet das Museum Lothar Fischer ein Programm zur Kunstvermittlung an. Schwerpunkte sind einmal mehr die pädagogischen Angebote für alle Jahrgangsstufen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.museum-lothar-fischer.de
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