Der Mann mit der Kappe: Der österreichische "Universalkünstler" Ernst Fuchs wird 85
Wunderling mit fantastischen Bilderwelten

Motive über Eros und Mythos, Tod und Liebe, Religion und Sex - seine fantastischen Bildwelten haben Ernst Fuchs berühmt gemacht. Bild: dpa
Er war 15, seine angebetete Inge 25. Ein erster inniger Kuss ließ den jungen Ernst Fuchs ahnen, mit welcher Macht die Erotik sein Leben bestimmen wird. Voll Ehrfurcht und Wehmut beschreibt der "Universalkünstler" in seiner Autobiografie die erste prägende Liebe.

Damals war Fuchs bereits an der Akademie der Bildenden Künste in Wien eingeschrieben. Der Hochbegabte, der wie besessen malte und zeichnete, hatte die ersten Schritte zum Ruhm getan. Er wurde später Mitbegründer der Wiener Schule des "Phantastischen Realismus" - und zeugte nicht weniger als 16 Kinder mit sieben Frauen. Seine Markenzeichen: Eine selbstentworfene Brokatkappe, ein rötlich schimmernder Bart und ein Hang zur theatralischen Selbstinszenierung. Am Freitag (13.2) wird Fuchs 85 Jahre alt.

Ein besonderes Kind

"Ich war ein besonderes Kind, ein Wunderkind", lässt Fuchs seine Leser in markantem Selbstbewusstsein wissen. Er sah als Kind die Geister der Toten. Halluzinationen und Fantasien schwirrten durch seinen Kopf. Er griff zum Stift. "Schon als Vierjähriger konnte er mit seinen Bleistiftzeichnungen die Erwachsenen in Sprachlosigkeit versetzen", sagte der Dirigent Friedrich Haider einmal, der Fuchs seit seinem zehnten Lebensjahr kennt. Als 15-Jähriger zeichnet sich Fuchs im Selbstporträt gekonnt als alter Mann. Sein Vater war jüdischen Glaubens, seine Mutter Christin. Religion spielte von Anfang an eine wichtige Rolle im Leben des Einzelkinds. "Eine seiner zentralen Figuren ist die biblische Ester als Verkörperung der Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit", sagt die Expertin des Ernst-Fuchs-Museums in Wien, Eva Stresnak.

Dalí ebnet den Weg

Nach der Ausbildung in der österreichischen Hauptstadt sucht der im wahrsten Sinne fantastische Zeichner Fuchs den Erfolg in Paris. Die Begegnung mit dem Surrealisten Salvador Dalí ebnet dem jungen Mann aus Österreich den Weg zum Erfolg. Der Spanier fördert Fuchs, der in altmeisterlicher Eitempera-Technik feinste Madonnen-Bilder schafft und sich im Aquarell "Der Auferstandene" (1956) als Jesus porträtiert.

Mit seiner zweiten Frau zieht Fuchs in die USA, lebt in New York und Los Angeles und mit dem Jazzpianisten Dave Brubeck sogar zeitweise in einem Baumhaus.

In den 1960er Jahren ist Fuchs wieder in Wien. Der endgültige Durchbruch gelingt ihm mit knallbunten Bildwelten, die von Eros und Mythos bestimmt sind. Er genießt mehr denn je das auffällige Leben und fährt Rolls Royce. 1972 zieht er in die seit langem verlassene Villa des Jugendstil-Architekten Otto Wagner, die heute das Museum beherbergt. Fuchs, dessen Werke dem Surrealismus und Manierismus zuzuordnen sind, ist nach den Worten des französischen Kunstkritikers Marcel Brion der "Chronist unbekannter Welten".

Seine Themen reichen von christlicher und jüdischer Symbolik über Träume und Visionen bis hin zu mittelalterlichem Totentanz, Gotik und Renaissance. 1996 wird in goldenem Einband eine 1680 Seiten starke Bilderbibel publiziert, die Fuchs illustriert hat. Auf rund 500 bedeutende Ölbilder und ebenso viele Radierungen sowie Original-Lithographien schätzt die Direktorin des Museums, Cornelia Mensdorff-Pouilly, das Lebenswerk von Fuchs.

16 Kinder

Über die Malerei hinaus ist der Wiener aber auch Architekt, Komponist, Bühnenbildner, Buchautor, Philosoph. 20 Jahre hat Fuchs an seinem Hauptwerk, der "Apokalypse"-Kapelle in Klagenfurt, gearbeitet. Auf 160 Quadratmetern wird der Weltuntergang farbenfroh malerisch inszeniert. Fuchs sitze aktuell an den Entwürfen zu einem weiteren monumentalen Weltgericht-Ölbild, sagt Mensdorff-Pouilly. Am Geburtstag würden die 16 Kinder erwartet, samt Enkeln und Urenkeln. "Es wird eine Feier im Familienkreis".
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