Der Würzburger Künstler Jacques Gassmann erhält den diesjährigen Kulturpreis des Verlags ...
Religiöse Bilder für Menschen von heute

Regensburg."Viele Menschen von heute sind nicht mehr kirchlich sozialisiert." Jürgen Lenssen, Domkapitular und Kulturreferent der Diözese Würzburg, macht sich da nichts vor. Doch auch wenn Heiligenattribute und christliche Ikonografie nicht mehr verstanden werden, ist dies für Lennsen nicht das Ende vom Lied. "Der Mensch muss von dem religiösen Bildwerk in seiner Position abgeholt werden", lautet die Schlussfolgerung des Domkapitulars.

Kirchenführer

Und hier kommt Jacques Gassmann ins Spiel. Der im Würzburger Raum lebende Künstler mit ungewöhnlicher Karriere hat nicht nur Jürgen Lenssen für sich gewonnen - gemeinsam realisierten die beiden etliche sakrale Werke Gassmanns sowohl im Würzburger Dom als auch in umliegenden Kirchen. Auch der Verlag "Schnell & Steiner" hat den Maler nun gewürdigt: Jacques Gassmann erhielt den diesjährigen "Schnell & Steiner Kulturpreis Kunst und Ethos". Nunmehr zum sechsten Mal wurde die Auszeichnung in den Räumen des Diözesanmuseums Obermünster in Regensburg verliehen. Mit dem traditionellen Datum für die Preisvergabe, dem 24. November, gedenkt der Verlag "Schnell & Steiner" seinem Gründungsjubiläum. An eben diesem Tag vor mittlerweile 81 Jahren trug Johannes Steiner in sein Tagebuch ein: "Heute endgültige Gründung des Verlags."

Die Idee eines Verlags speziell für Kunstführer ist noch heute von Erfolg getragen. In Kirchenräumen allgegenwärtig sind die schmalen Heftchen der "Schnell & Steiner"-Kirchenführer. Der nun ausgezeichnete Künstler Jacques Gassmann fügt sich bestens ein ins Profil des Verlags. Kunst und Religion treffen bei ihm aufeinander - und zwar auf gekonnt moderne Weise.

Durchbruch mit Apokalypse

"Eine experimentelle Tintenmalerei mit tiefer psychologischer Ausdruckskraft", so lautet die Beschreibung des Gassmannschen Schaffens anlässlich der Preisverleihung durch "Schnell & Steiner". Der 1963 in Heidelberg geborene Künstler strebte ursprünglich eine Karriere als Cellist an, landete aber schließlich bei der Malerei. Und zwar ohne akademische Ausbildung, dafür aber mit rasch einsetzendem Erfolg.

Die Werke des in einer patentierten Maltechnik arbeitenden Künstlers machten schnell auf sich aufmerksam. Der Durchbruch kam in den 1990er Jahren mit einem Bilderzyklus über die Apokalypse. Hier und in anderen Arbeiten bedient sich Gassmann bei den Errungenschaften des Informel und des Abstrakten Expressionismus und vereint diese mit einer neuen Gegenständlichkeit.

In den daraus entstehenden Feuerwerken des Schaffens konfrontiert Gassmann den Betrachter seiner Bilder mit den Gewalten der Natur und der Erde. Und mit der eigenen Hilflosigkeit angesichts dieser Mächte. "Die Arbeiten Gassmanns sind eine vorsichtige Annäherung an das nie gänzlich Erfassbare", beschreibt es Dr. Jürgen Lenssen. Sie fügen sich ein in die Sakralräume von heute, deren Besucher längst anders verankert sind als vor einigen hundert Jahren.
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