Deutsch-tschechische Musikverbindung

Mit unglaublicher Virtuosität, die nie oberflächlich zur Schau gestellt wurde, interpretierte Herbert Schuch im fünften Konzert in Amberg Werke von Franz Schubert (1797-1828) und Leos Janácek (1854-1928). Bild: Steinbacher

Herbert Schuch ist mit dem 5. Teil des Schubert-Janácek-Zyklus "Auf verwachsenem Pfade III" im Stadttheater Amberg. Ihm gelingt eine so perfekte Verbindung der beiden Komponisten, dass die Zuhörer gebannt den Atem anhalten.

Amberg.Wo ist Janácek? Diese Frage bewegt in der Pause viele Besucher des herausragenden Klavierkonzerts mit Herbert Schuch. Es ist bereits der fünfte Auftritt des Weltklasse-Pianisten, den er beim Zyklus mit Werken von Franz Schubert und Leos Janácek im Stadttheater Amberg mit Bravour absolviert.

Außergewöhnlich ist alleine schon die Kombination der Komponisten Schubert und Janácek. Ganz besonders wird sie in der Interpretation von Schuch, der die beiden Klangsprachen eng verbindet, ja verschmelzen lässt zu einem großen Ganzen mit feiner Harmonie, aber auch mit spannendem Gegensatz. Schubert und Janacek werden eins, ohne an Charakter zu verlieren.

Zarte Spielweise

Schuchs Auftritt ist leise. Kaum hörbar erläutert er eine Programmänderung: "12 Ländler" anstelle von "16 Deutsche Tänze" von Schubert habe er ausgewählt. Keine große Veränderung, wohl aber für ihn als Interpreten eine wichtige. Der Bühnenhintergrund ist rot ausgeleuchtet. Auf goldenen Rollen steht der schwarzglänzende Konzertflügel.

Kurze Konzentration und erster Griff in die Tasten. Es dauert nur wenige Augenblicke, schon ist man gefangen von diesem außergewöhnlichen Spiel und der so großartigen Präsenz. Schuch schlägt die ersten Akkorde - und das Publikum ist verzaubert. Ein Pianist, der tatsächlich ein Pianissimo spielt, so zart, dass man dahinschmelzen möchte. Und der doch energisch und kompromisslos in lauten Passagen agieren kann. Toll. Leicht, tänzerisch, frech, witzig: alles ist lebendig bei ihm. Seine Interpretationen erzählen Geschichten. Sein Spiel macht Spaß und nimmt vom ersten Ton an gefangen: wunderbar artikuliert, voller Farben und Nuancen, abwechslungsreich und überraschend in jeder Wendung, und vor allem mit einem grandiosen Gespür für die Musikminiaturen, die einen virtuosen Kosmos in sich tragen.

Bach als Zugabe

Souverän spielt er alle Werke auswendig. Schuberts Sonate in A-Dur (D664) und "Vier Impromptus" (D935) genauso wie Janáceks "Auf verwachsenem Pfade" Nr. 8, 9 und 10. Spannend, wie Schuch, der im rumänischen Temeschwar geboren wurde und im oberbayerischen Rosenheim lebt, die sperrigen Werke des tschechischen Komponisten den nicht weniger kompromisslosen Werken Schuberts gegenüberstellt. Mutig bindet Schuch die beiden Komponisten zusammen.

Das macht er so spannend, dass die Zuhörer den Atem anhalten. Wie ein Zauberer schafft er einen neuen Mythos, der Zeit und Raum vergessen lässt und schon mal die Frage aufwirft: Wo ist Janácek, wo Schubert? Das Publikum ist hingerissen, applaudiert frenetisch und erklatscht eine Bach-Zugabe.
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