"Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts"

Die Blätter Willibald Krains stellen den Ersten Weltkrieg symbolisch, dabei aber unübersehbar pazifistisch dar. Die im Ausland produzierte Mappe wurde in Deutschland verboten. Bild: Wolke

Eine Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg widmet sich dem Ersten Weltkrieg. Die Bilder haben einen Konsens: den Krieg als Desaster.

Regensburg.Es ist das nackte Grauen. Was die Bilder, die derzeit im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zu sehen sind, erzählen, ist die Hölle. Zerfetzte Menschenleiber, Tod und Schrecken überall: 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges dokumentiert eine Sonderausstellung des Regensburger Museums diese "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" auf aufrüttelnde Weise.

"Der Erste Weltkrieg auf Papier" lautet der Titel der Kabinettschau. Bei der Reihe "Schaufenster" zeigt die Ausstellung Handzeichnungen und Druckgrafiken aus der Grafischen Sammlung des Kunstforums. Knapp 30 Blätter werden für diesen Anlass der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darunter sind Arbeiten von Otto Dix, Max Beckmann, Erich Heckel und Ludwig Meidner.

Menschen und Mischwesen

Der Erste Weltkrieg als entsetzliche Katastrophe, das schildern die Bilder alle. Wenn auch auf unterschiedliche Weise. Ludwig Meidner etwa beschreibt mit seiner Tusche- und Bleistiftzeichnung "Die Kanone" eine apokalyptische Szenerie: ein von verstümmelten Soldatenkörpern übersätes Schlachtfeld, darüber ein Skelett als Allegorie des todbringenden Krieges.

Symbolischer sind die Blätter aus Willibald Krains Mappe "Krieg", die "allen Völkern gewidmet" sind. Zu gehängten Menschenleibern gesellen sich hier furchteinflößende Mischwesen. Den heutigen Betrachter mögen diese an Horrorfilme erinnern. In der damaligen Zeit aber gaben sie wohl das Unfassbare angemessen wieder. Der pazifistische Inhalt von Krains Blättern wurde wohl erkannt, auch von höherer Stelle. Zwar versuchte der Künstler, der Zensur vorzubeugen. In einem Vorwort schrieb er, die Darstellungen sollten als Ergänzung der Motive dienen, die die ,Großtaten des Kriegen' zeigten. Die Mappe wurde dennoch verboten.

"Der Erfahrungshorizont der Künstler, deren Werke vorgestellt werden, ist ganz unterschiedlich", heißt es von Seiten des Kunstforums zur Ausstellung. Manche der Zeichnungen sind unmittelbarer Ausdruck des Erlebten. Das Beobachtete und Gefühlte wurde auf der Stelle mit Bleistift, Kohle oder Radiernadel festgehalten. Otto Dix etwa nahm am Krieg in vorderster Front teil. Vor Ort fertigte er unzählige Zeichnungen an. Sie entstanden auf Bögen im sogenannten Tornisterformat.

Nacktes Grauen

Die Situation der zurückgebliebenen Familien der Soldaten schildert eindringlich ein Blatt von Käthe Kollwitz. "Das Bangen" zeigt eine Frau in angstvoller Erwartung einer schrecklichen Nachricht. "Manche der gezeigten Blätter sind heute auch als politische Stellungnahme in der damaligen Zeit zu lesen", resümiert der Begleittext zur Regensburger Schau. Eines ist dabei allen Arbeiten gemein: Sie zeigen das nackte Grauen.

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Die Ausstellung "Schaufenster 9. Der Erste Weltkrieg auf Papier" ist bis 30. November zu sehen (Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Straße 5, Regensburg). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Donnerstag, 10 bis 20 Uhr. Weitere Infos unter Telefon 0941/297140.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunstforum.net
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