Die vergessenen Kinder
Oberpfälzer unterstützen Hilfsprojekt auf Kap Verde

Die ärmliche Kulisse von Terra Boa. (Foto: hfz)

"Ist es nicht kalt auf den Kap Verden", fragte Daniela Scherr das befreunde Ehepaar als sie von ihren Urlaubsplanungen erzählten. Nach kurzer Internetrecherche stellte sich heraus, dass der Inselstaat nicht im hohen Norden sondern 460 Kilometer vor der Westküste Afrikas im Atlantik liegt. Außerdem soll es dort das ganze Jahr über angenehm warm sein.

Im Jahr 2010 entschließen sich die 42-jährige Weidnerin und ihr 47-jähriger Lebensgefährte Bernd Melzner den Inselstaat zu besuchen. An ihrem Urlaubsort treffen die beiden Oberpfälzer unweigerlich auf Anne Seiler, der Gründerin der Organisation "Hilfe für die Kinder von Terra Boa" (AACTB). Bei der Buchung einer Inselrundfahrt knüpfen die drei schnell Freundschaft. Die Schlüsselszene, sich auf den Kap Verden der Hilfsorganisation anzuschließen, beschreibt Bernd Melzner: "Als ich einem kleinen Jungen eine Orange schenke, zieht dieser durch den Slum Terra Boa und zeigt sie stolz seinen Mitbewohnern. Die leuchtenden Augen des Jungen werde ich nie vergessen."




Inmitten zufriedener Kinder fühlt sich die gebürtige Münchnerin Anne Seiler sichtlich wohl.

Als ich einem kleinen Jungen eine Orange schenkte, zog er stolz durch den Slum. Seine leuchtenden Augen werde ich nie vergessen.Bernd Melzner, Helfer auf Terra Boa

Fast perfekt Kreolisch

HintergrundDie Republik Kap Verde liegt im Zentralatlantik, 460 Kilometer vor der Westküste Afrikas. Die Inselgruppe besteht aus 15 Inseln und weiteren kleinen Eilanden, von denen neun bewohnt sind. Es wird unterschieden zwischen den Inseln über dem Wind (Ilhas de Barlavento) und den Inseln unter dem Wind (Ilhas de Sotavento). Der Archipel hat eine Landfläche von 4033 Quadratkilometern und etwa 516 000 Einwohner. Die Hauptstadt der kleinen Inselrepublik ist Praia mit 131 000 Einwohnern. Amtssprache ist Portugiesisch.

Herkunft der Bevölkerung

Die Kapverdischen Inseln waren vor ihrer Entdeckung und Besiedlung durch Portugiesen unbewohnt. Aus der Durchmischung der Kulturen europäischer Siedler und afrikanischer Sklaven bildete sich eine neue kreolische Kultur.

Klima

Auf Inseln herrscht ähnlich wie auf den Kanarischen Inseln ein mildes ozeanisches Klima. Es ist durch geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht (meist um 5 Grad) und durch ganzjährig relativ hohe Luftfeuchtigkeit (um 70 Prozent) gekennzeichnet. So liegen die Tagestemperaturen das ganze Jahr zwischen 23 und 30 Grad, wobei die Nachtwerte im Winter (Januar - April) um 18 und im Sommer (August - Oktober) um 24 Grad liegen. Der meiste Niederschlag fällt von August bis November. Die Wassertemperaturen sind mit 22 bis 27 Grad sehr angenehm und machen das Land für den Strandtourismus attraktiv.


Seitdem besuchen Daniela Scherr und der gebürtige Wildenreuther Bernd Melzner regelmäßig die Insel Sal und die vergessenen Kinder von Terra Boa - jedes Mal die Koffer voll gepackt mit Hilfsgütern. Mittlerweile übernahmen sie die Patenschaft der vierjährigen Luciana und haben sich voll in das Hilfsprojekt integriert. Die 50 Jahre alte Anne und ihre 14-jährige Tochter Telma leben schon lange in Santa Maria. Vor über 15 Jahren besucht die gebürtige Münchnerin das erste Mal Kap Verde - und kommt immer wieder. "Ich bereiste in vielen Aufenthalten fast alle Inseln und blieb schließlich auf Sal hängen." Im August 2001 wird Telma in München geboren. Ein Kind mit zwei Pässen, zwei Kulturen und drei Sprachen: Deutsch, Portugiesisch, Kreol. "Bis Telma eingeschult wurde, pendelten wir zwischen den Welten." Als gelernte Journalistin interessiert Anne Seiler schon immer das "Warum", das "Wie" - sie will nicht nur hier wohnen, existieren - sondern auch leben, erleben, erfahren und vorrangig helfen. Die kreolische Sprache spricht sie fast so gut wie ihre deutsche Muttersprache. Den Lebensunterhalt verdient sich Anne Seiler mit Touren im Pickup über die Inseln. Sie vermittelt auch Tauchgänge und Bootsfahrten.

Gründung 2010


Anne Seiler gründet die "Hilfe für die Kinder von Terra Boa" im Jahr 2010 zusammen mit einigen engagierten Müttern, die auch heute noch aktive Mitglieder sind. Seit der Eintragung des Vereins 2012 ist Anne Präsidentin des AACTB, unterstützt von sechs Frauen aus Terra Boa und zwei Schweizern. Die Organisation ist ein eigenständiges Kinderhilfeprojekt auf Sal. Dank mehrerer Projekte bieten sie nicht nur den Kindern, sondern auch deren Familien eine Möglichkeit von Spenden zu profitieren und die Lebensumstände auf ein menschwürdiges Niveau zu heben. Beispielhaft sind hier der Wassertank, das warme Mittagessen für alle Projektkinder sowie der Schulbus.

Der Kindergarten arbeitet in zwei Schichten mit jeweils zwei Gruppen und insgesamt über 60 Kindern. Der Schulbus bringt 50 Kinder, von der ersten bis zur zwölften Klasse, jeden Tag in die Schule und wieder zurück nach Terra Boa. Die Wasserstelle wird von allen Menschen aus dem Ort täglich besucht. Der 13 000-Liter-Tank leistet gute Dienste da es auf der Insel kein Grundwasser gibt. Durch einen Deal mit der Gemeinde ist das Wasser billiger geworden. 80 Prozent der Kosten konnten somit wieder hereingewirtschaftet werden.

Im November 2013 fängt der Tank zu schwächeln an und verliert immer mehr kostbares Wasser. Deswegen wird diesmal ein gelernter Tankbauer engagiert, der den Tank zu einer wirklichen Wasserstelle macht. Kosten: 4000 Euro. Am 26. März 2014 nimmt die neue Wasserstelle ihren Dienst auf. Um das alles zu bezahlen sucht die Organisation dringend Projektförderer und Spender.


Glückliche Kinder liegen Anne Seiler am Herzen. 2010 gründete sie mit einigen engagierten Müttern die Organisation "Hilfe für die Kinder von Terra Boa".

ServiceWer das Projekt mit einer Spende unterstützen will, schickt eine E-Mail an anne.seiler@web.de.
Weitere Informationen im Internet:www.facebook.com/Annes.InfoPoint.Lda
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