Die Wanderjahre fangen gerade erst an

Der Liedermacher Lukas Meister singt über das Verhältnis von Zeit und Gefühl; darüber, dass man irgendwann feststellen muss, dass man älter ist als die Fußballspieler im Fernsehen. Bild: hfz

Es waren fünf Minuten an diesem 27. Januar 2013, die das Leben von Lukas Meister verändern und seine Karriere als Künstler entscheidend voranbringen sollten.

Am Abend jenes Datums saß der gemütliche Mann aus dem Breisgau im Berliner Stadtteil Neukölln im Aufnahmestudio "Heimathafen", wo wie jeden Monat "TV Noir" für den Kanal ZDF-Kultur sowie für das Internet aufgezeichnet wurde. Bei dieser launigen Show in lässiger Atmosphäre nehmen neben dem Moderator Tex zwei Musiker Platz, zumeist ein Newcomer neben einem Etablierten. Man unterhält sich ungezwungen, das Publikum darf Fragen stellen, zwischendrin wird Musik gemacht, immer rein akustisch. Und: Ein bis dato völlig unbekannter Musiker, der spontan aus dem Publikum gepickt wird, hat die Chance, sich dem realen, dem Fernseh- und dem Internet-Publikum mit einem Lied vorzustellen.

Am 27. Januar 2013 saß Lukas Meister im Studio, seine Freundin Veronika hatte ihm eine Eintrittskarte besorgt. Als Tex fragt, wer der heutige Überraschungsgast sein möchte, meldet der Mann aus Leitenheim bei Freiburg sich spontan, stiefelt auf die Bühne, ihm werden eine Gitarre und ein Kapodaster ausgehändigt, Lukas Meister gibt sein Lied "Weiter" zum Besten. Nach anfänglicher Nervosität bringt er seine Komposition bravourös zu Ende - und erntet für seinen musikalischen Vortrag tosenden Applaus.

Seitdem geht es für Lukas Meister tatsächlich immer weiter - vor allem immer weiter nach oben. Beim Freiburger "Slam Supreme" zieht er in die Endrunde ein. Und gewinnt. Beim ebenfalls in Freiburg stattfindenden "Akustik-Slam" ist er ebenfalls unter den Letzten. Und gewinnt erneut. Auch bei renommierten Nachwuchs-Wettbewerben in Stuttgart oder im Saarland wird er Sieger oder wenigstens Zweiter. Seit Herbst 2011 ist Lukas Meister als Solokünstler mit eigenständigem Programm unterwegs, die Säle sind beinahe durchgehend ausverkauft. 2013 hat er sein Debütalbum "Wanderjahre" vorgelegt. Doch Meisters Wanderjahre, so scheint es, fangen gerade erst an.

Großes Erstaunen

"Dieser ganze, stetig erfolgreicher werdende Karriereverlauf versetzt mich in großes Erstaunen", gibt der Breisgauer unumwunden zu. "Gleichzeitig ist er eine entscheidende Bestätigung für meine Arbeit! Für die Stärkung meines Selbstbewusstseins, das garantiert nicht unendlich ist, bietet das eine enorme Wichtigkeit."

Musik war für Meister laut eigener Angabe "stets von absoluter Wichtigkeit: Ich habe als Kind neun Jahre Klavierunterricht genossen, parallel dazu habe ich mich autodidaktisch mit dem Bass-Spiel beschäftigt, mit 14 kam ich außerdem drauf, dass die Gitarre mein Wunsch-Instrument ist. Es gab Tage in meiner Jugend, an denen ich bis zu acht Stunden mit blutigen Fingern auf der Klampfe geübt habe."

Überzeugender Mix

Während seiner Zeit am Faust-Gymnasium im hessischen Staufen wurde der Musik-Fanatiker Gitarrist der Schüler-Hardrockband "Flapjack", 2006 landete der heute 28-Jährige bei der schrägen Hip-Hop-Combo "Rockrainer". "Ich begann in Bands und mit englischen Texten", erinnert sich Meister. "Doch relativ bald wusste ich, dass mir Deutschsprachiges und die Arbeit als Solokünstler näher sind." Während Meister in Freiburg Lehramt studierte, tüftelte er an seiner zukünftigen Karriere als Singer-Songwriter.

Nach etlichen Session-Nächten in der WG beziehungsweise mit der Sechssaitigen in der Hand vor Freundin Veronika, die ebenfalls Musik macht, hat Meister seinen eigenen Stil gefunden, wie er gelassen zugibt: "Ich habe die ganze Zeit des Suchens bewusst nicht zu viele Liedermacher-Kollegen angehört", erklärt Meister, "damit ich nicht zu sehr von Kollegen klaue." Herausgekommen bei der Findungsphase ist ein überzeugender Mix aus Reinhard Mey und Phillip Poisel, aus Ulrich Roski und Tim Bendzo, aus Alt und Jung demnach, gespickt mit der lakonischen Erzählkunst von Element Of Crime.

In den Texten reflektiert Lukas Meister "bevorzugt meine innere Welt, schließlich analysiere ich mich viel und habe dadurch einiges zu erzählen", lacht er. "Bis so ein Text fertig ist, dauert es mal 15 Minuten, mal 15 Wochen. Wenn er in meinen Augen steht, wird er zunächst Freunden und vor allem meiner Liebsten vorgestellt und deren Urteil danach scharf analysiert. Veronika ist wie mein zweites Paar Ohren, wofür ich ihr sehr dankbar bin."

Mittlerweile stehen beinahe alle Songs für das zweite Album, das wird laut Meister "etwas poppiger und Sound-technisch üppiger ausfallen". Bis dahin allerdings gibt es noch einige Solo-Auftritte in bisheriger Tradition - also ein Mann, eine Stimme, eine Gitarre und viele schlaue, berührende Worte. "Ich stehe ja nicht einfach nur blöd auf der Bühne rum und singe meine Lieder, es gibt immer auch Interaktion mit dem Publikum. Ich liebe es einfach total, wenn an jedem Abend was passiert. Mit dem Publikum wie mit mir."

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Lukas Meister spielt am Donnerstag, 15. Januar (20 Uhr), auf der Kleinkunstbühne Klein & Kunst in der Weidener Max-Reger-Halle (Untergeschoss). Karten gibt es beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85-550 und 09621/306-230) sowie bei www.nt-ticket.de.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.lukasmeister.de
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