Dr. Eugen Drewermann vor 450 Zuhörern über Jesus Christus und den Weltfrieden
Aufrüttelndes Plädoyer

Eschenbach. (apz) "Glauben Sie nicht alles, was Sie in den Zeitungen lesen und im TV sehen. Werden Sie kritischer, dann kann sich in Zukunft vielleicht doch etwas in Richtung von mehr Menschlichkeit und Frieden bewegen," appellierte Dr. Eugen Drewermann an seine 450 aufmerksamen und betroffenen Zuhörer. Sie waren am Dienstagabend aus weitem Umkreis angereist.

In der Aula des Gymnasiums hielt der Autor, Psychotherapeut und Theologe, dem wegen seiner Reformgedanken 1991/92 von Seiten der katholischen Kirche die Lehrbefugnis entzogen und die Suspension vom Priesteramt ausgesprochen wurde, über zweieinhalb Stunden einen Vortrag zum Thema "Jesus Christus - Befreiung zum Frieden".

Katholischer Querdenker

Anschließend folgte eine Diskussion, an der noch etwa die Hälfte der Anwesenden regen Anteil nahm, die Fragen zur derzeitigen Weltsituation aber natürlich nicht klären oder aufarbeiten konnten. Eingeladen worden war der katholische Quer- und Weiterdenker von Pfarrer Ulrich Cronenberg im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 40-jährigen Bestehen der evangelisch-lutherischen Kreuzkirche.

Eugen Drewermann zeigte sich keineswegs als weltfremder Geisteswissenschaftler. In freier, flüssiger und druckreifer Rede, gespickt mit althebräischen, aramäischen und englischen Zitaten, gab er eine erschütternde Analyse (detailgenau mit Fakten, Daten und Uhrzeiten) der Kriege und Waffen des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart und den gewaltsamen Folgen des 11. September 2001.

Aussichtslose Spirale

Mit neutestamentlicher Ethik will Drewermann die Logik der Kriegsführung mit der aussichtslosen Spirale vom "böser sein, um das Böse zu bekämpfen" stoppen.Er sieht den einzig hoffnungsvollen Ansatz unserer Zeit in der Äußerung des Dalai Lama: Dieser sah in den Anschlägen in New York endlich die Chance für den prinzipiellen Verzicht auf Gewalt und Krieg.

"Mit der Bergpredigt allein kann man keine Politik machen, aber die Politik, die den Menschen nur als Mittel zum Zweck einsetzt, und nicht als Ziel sieht, kann durch die Bergpredigt menschlicher werden," argumentierte Drewermann. Er schlug einen großen Bogen von autoritärer Pädagogik über das kapitalistische Wirtschaftssystem bis zur Supermacht der Börsenmärkte, die an den Schlachtfeldern der Welt große Schuld trügen.

"Krieg nie akzeptabel"

"Krieg ist niemals akzeptabel - auch nicht als letztes Mittel, wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zu Afghanistan anmerkte!", empörte sich der Redner. "Die Instrumentalisierung des Menschen ist die Ursache allen Übels," konstatierte Drewermann weiter.

Gegen Strom schwimmen

Immer wieder führte er Jesus von Nazareth an, um zu Individualität, zum Hören auf das Gewissen und zum "Gegen-den-Strom- Schwimmen" zu ermutigen. "Sie brauchen auch heute nur öffentlich Mitleid mit Tieren oder Menschen zu zeigen, und sie haben alle gegen sich - alle, die an den herrschenden Zuständen Geld verdienen."

Drewermann dankte für die Einladung der evangelischen Gemeinde, "denn Sie wissen ja, wie es mir in der katholischen Kirche geht!" Der reich bestückte Büchertisch des Autors mit über 50 Publikationen wurde quasi leergekauft - Signaturwünsche ohne Ende.