Eckhard Henscheid liest in der Buchhandlung Rupprecht aus seinem neuen Buch "Dostojewskis ...
Neuer Blick auf "großen Russen"

Eckhard Henscheid, geboren 1941 in Amberg, gilt nicht erst seit seinem Roman "Die Vollidioten" als ausgewiesener Dostojewski-Kenner. Bei der Buchhandlung Rupprecht in Amberg stellt er seine Neuerscheinung, die Entdeckung eines Großhumoristen vor: "Dostojewskis Gelächter". Bild: Huber
Amberg.Eckhard Henscheid in Amberg vorzustellen ist so etwas wie Eulen nach Athen tragen. Der vielseitige Schriftsteller mit der hintersinnigen Sprache, betont Maria Rupprecht bei der Begrüßung, ist nicht nur Ambergs berühmter, schreibender Sohn, sondern auch Kulturpreisträger seiner Geburtsstadt. Hier in der Buchhandlung Rupprecht präsentiert er am Montagabend sein neuestes Produkt: Eine literarische Entdeckungsreise auf 288 Seiten zu einem unbekannten Dostojewski. Der Titel: "Dostojewskis Gelächter".

"Dummes Zeug"

Mit dem Gelächter ist es an diesem Abend eher nicht so weit her. Der russische Dichter, der selbst in seiner Heimat seltsamerweise eher zu den weniger bekannten Klassikern zählt, wie Henscheid weiß, hat auch gar nicht so viele Zuhörer in die obere Etage der Buchhandlung gelockt. Irgendwie haftet ihm doch immer noch das Etikett "schwerer und langweiliger Schriftsteller" an. Als Mystiker und Menschheitsproblematiker, Ersatzchristus, Russlanderneuerer, Verbrechensbekämpfer hat man Fjodor Michailowitsch Dostojewski jahrzehntelang gesehen und vereinnahmt. Doch wer war der große Russe wirklich?

Henscheid räumt im ersten Teil seiner "Vorlesung" auf mit dem "vielen dummen Zeug, das über Dostojewski zu lesen und zu hören war!" Exemplarisch greift er zu Stefan Zweigs Text, zitiert daraus zwei Seiten. Alles sträubt sich in ihm, dieses verlogene Geschwurbel zu lesen, die Stimme versagt. "Ich will sie nicht länger quälen", erklärt Henscheid zum Publikum gewandt. Alles ist zusammen gefaselt! Es ist Geschwätzniveau.

Vom Idioten zum Vollidioten

Von "Der Idiot" (Dostojewski) schlägt Henscheid elegant die Kurve zu "Die Vollidioten", seinem Debütroman, womit er außerdem nochmals seine Affinität zum großen Russen bekundet. Genau dieser Titel stand übrigens zwei Wochen im Mittelpunkt der diesjährigen Aktion "Frankfurt liest ein Buch". Auch in Amberg sorgten die Episoden, in denen Henscheid die 70er Jahre süffisant, nicht immer politisch korrekt, doch mit viel Liebe zum Detail und den agierenden Personen lebendig werden lässt, für Erheiterung und Gelächter.
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