"Ein Cäsar unter den Musikern"

"Musik für Kurfürsten und Prälaten" stand zum Abschluss der Speinsharter Barocktage auf dem Programm. Bild: Stiegler

Prämonstratenser waren und sind keine Ordensleute, die sich still und ruhig hinter Klostermauern verstecken. Ein Beispiel dafür ist Pater Isfrid Kayser: Er entwickelt sich zu einem ganz großen Komponisten im 18. Jahrhundert - unüberhörbar wird dies beim Abschlusskonzert der Speinsharter Barocktage.

Speinshart.Viele Facetten bietet das Barockzeitalter, einige von ihnen - konkret die Architektur und die Musik - dominieren vier Tage lang im Kloster Speinshart und in der die Abtei umgebenden Region. Wunderbare Klänge sind es denn auch, die am Sonntagabend in der Klosterkirche für einen krönenden musikalischen Abschluss sorgen. Besuchermäßig könnten es zwar deutlich mehr sein, doch der Qualität des Abends tut dies keinen Abbruch.

Krönender Abschluss

"Musik für Kurfürsten und Prälaten" - so ist das Konzert treffend überschrieben. Es ist ein wahrlich krönender Abschluss der Barocktage durch Gesangssolisten, Instrumentalisten sowie den eigens gegründeten Projektchor unter der Leitung von Gerhard Polifka. Dargeboten werden in unterschiedlichen Besetzungen Werke von Johann Valentin Meder, Georg Philipp Telemann, Johann Adolph Hasse sowie eben Prämonstratenser-Pater Isfrid Kayser. Den Auftakt macht Meders Salmo e Motetto "Gott, du bist derselbe mein König". Neben ausgezeichneten Instrumentalisten stellen hier auch die Gesangssolisten Kathleen Danke (Sopran), Patrick Grahl (Tenor) und Philipp Goldmann (Bass) ihr Können unter Beweis. Mit viel Einfühlungsvermögen und stimmlicher Präsenz interpretieren sie das Werk des in Thüringen geborenen und vornehmlich in Riga tätigen Komponisten.

Nach dem ruhigen, im gediegenen Stil gehaltenen eröffnenden 1. Satz des Concerto "Polon" G-Dur von Telemann begeistern die virtuos-leichte Bewegung im Allegro, dem das Ensemble reichlich Vitalität verleiht. Das Largo strahlt innere Harmonie aus, exzellent gerät auch das unbeschwert daherkommende Allegro-Finale. Äußerst dynamisch, fast schon locker-beschwingt gerät die Sinfonia Nr. 6 g-moll von Johann Adolph Hasse. Kernstück des Konzertes ist die Messe Nr. 5 in C von Pater Isfrid Kayser: Hier stellt auch der Projektchor unter Beweis, in welch kurzer Zeit ein harmonischer Klang entstehen kann, wenn die Sänger über die entsprechende Qualität verfügen.

Langer Applaus

Die Kayser-Messe gerät t zum erwarteten Höhepunkt des Abends. Es wird bis in alle Ecken und Winkel der Klosterkirche hör- und spürbar, was ein zeitgenössischer Nachruf auf den damals eben verstorbenen Komponisten meint: "In Wirklichkeit war Isfrid nahezu ein Cäsar unter den Musikern Schwabens, mag man ihn als Organist oder Komponist betrachten." Langer Applaus für alle Mitwirkenden, die eine gute Stunde lang barocker Musikpracht Stimme, Klang und Gesicht geben.
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