Ein Leben ohne Buch: Unvorstellbar

Weltrekord auf der Frankfurter Buchmesse: Bei der größten Bücherschau der Welt sind am Mittwoch bei einem Bücher-Domino 10 200 Exemplare des Guinnessbuchs der Rekorde der Reihe nach umgefallen. Bild: dpa

Die Buchbranche diskutiert auf der Messe in Frankfurt über ihre Zukunft. Dabei hat sie nicht nur mit einem Problem zu kämpfen, sie kann aber auch auf Unterstützung hoffen.

(dpa/KNA) Herausgefordert vom digitalen Wandel, einer rückläufigen Leserschaft und neuen Bedrohungen für das freie Wort trifft sich die internationale Buchbranche seit Mittwoch auf der 67. Frankfurter Buchmesse (bis 16. Oktober). Auf der weltweit größten Plattform für Autoren, Verleger, Kritiker und Literaturagenten sind mehr als 7000 Aussteller aus rund 100 Ländern präsent. Auch das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig.

"Die Welt ist in Aufruhr", sagte Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Dienstagabend bei der Eröffnung. In Europa werde das sichtbar in Hunderttausenden Flüchtlingen. In Diskussionen ging es am Mittwoch um Kulturarbeit in Flüchtlingslagern ebenso wie um die Willkommenskultur in Deutschland.. "Unsere Aufgabe ist es nicht, alles zu tolerieren, aber unsere Aufgabe könnte es sein, Toleranz zu vermitteln. Bücher leisten dafür einen zentralen Beitrag", sagte Riethmüller. "Literatur bereitet in ihrer Vielfalt den Boden für die nötige und notwendige Toleranz."

Frauen lesen lieber

Die Zahl der Leser in Deutschland ist nach einer Untersuchung des Börsenvereins leicht rückläufig. Demnach lesen 83 Prozent der Deutschen Bücher - die Zahl sei damit innerhalb von sieben Jahren um sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Die Zahl der Buchkäufer stieg dagegen im genannten Zeitraum leicht von 57 im Jahr 2008 auf 59 Prozent 2015. Lesen ist eindeutig eine Domäne der Frauen: 63 Prozent haben im letzten Jahr mindestens ein Buch gekauft, aber nur 54 Prozent der Männer.

Frauen erwerben nach Angaben der Wissenschaftler im Durchschnitt 1,7 Bücher mehr pro Jahr als Männer. Die Hälfte ihrer Ausgaben (ohne Schul- und Fachbücher) entfällt dabei auf die Belletristik (Männer: 47 Prozent). Männer geben mit 17 Prozent anteilig mehr für Sachbücher aus als Frauen (12 Prozent). Jeder Zweite stimmte der Aussage "Ohne Bücher wollte ich nicht leben" zu. Gelesen wird zu 79 Prozent zur Unterhaltung, aus Vergnügen oder Passion.

Auf dem Markt der Self-Publisher - Autoren, die ihre Bücher ohne Verlag veröffentlichen - wird der Kampf härter. Problematisch für die Szene sei, "dass der Kuchen nicht größer wird", sagte Johannes Monse von Ruckzuckbuch, der für das Veranstaltungsprogramm in der Self-Publishing-Area der Buchmesse verantwortlich ist. Die Zahl der Leser wachse lange nicht so stark wie die der Autoren. Self-Publisher seien im Mainstream angekommen. Neben den klassischen Genres Erotik und Fantasy etablieren sich weitere Themenfelder. "Sachbuchtitel nehmen rasant zu", sagte Monse.

Die Chefin der Hugendubel-Gruppe, Nina Hugendubel, erwartet weiterhin deutliches Wachstum beim E-Book. "Wir gehen davon aus, dass es einen Anteil von etwa 15 Prozent erreichen kann." Wichtig sei für die Buchhändler, dass sie über ihre Filialen beim gedruckten Buch und übers Internet beim digitalen Buch vertreten seien. Der Anteil der Käufer-Ausgaben (ohne Schul- und Fachbücher) im Online-Buchhandel stieg in der Zeit von 2008 bis 2015 von 19 auf 32 Prozent. Nur ein kleiner Teil geht dabei zulasten des stationären Buchhandels, betroffen sind vor allem sonstige Verkaufsstätten wie Kaufhäuser.

Im Laden kaufen

Im stationären Handel geben vor allem die über 60-Jährigen und die Jüngsten bis 19 Jahre Geld für Bücher aus. 20- bis 39-Jährige kaufen Bücher überproportional oft online. Ein Viertel (24 Prozent) der Befragten entdeckt gelegentlich Bücher im Internet und kauft dann im stationären Geschäft, umgekehrt kommt dies seltener vor (17 Prozent).

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.buchmesse.de
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