Ein Prosit auf das reine Gebräu

Das Reinheitsgebot feiert im nächsten Jahr 500-jähriges Jubiläum. Die Landesausstellung 2016 im niederbayrischen Kloster Aldersbach ist dem flüssigen Gold gewidmet. Archivbild: dpa

"Allein Gerste, Hopfen und Wasser" zeichnen seit 500 Jahren das reine, bayerische Bier aus. Um dessen Kulturgeschichte dreht sich 2016 alles bei der Landesausstellung im niederbayerischen Kloster Aldersbach.

Der Bericht der Straubinger Ärzteschaft 1859 ist eindeutig: "Bier wird in wirklich großer Masse getrunken: Männer, Weiber, Kinder - alles trinkt gern Bier." Der Konsum mag heute deutlich zurückgegangen sein, doch nach wie vor wird im Freistaat bundesweit das meiste Bier getrunken. 2016 jährt sich zum 500. Mal eine der ältesten deutschen Lebensmittelvorschriften. Nur Gerste, Hopfen und Wasser sind seither als Zutaten für Bier erlaubt. In Ingolstadt war das Reinheitsgebot damals erlassen worden. Doch das Jubiläum wird vom 29. April bis 30. Oktober nicht dort, sondern im niederbayerischen Aldersbach gefeiert.

Der Ort ist ideal für die nächste Landesausstellung: Eine historische Brauerei, eine moderne Schaubrauerei und ein ehemaliges Zisterzienserkloster gibt es dort. Projektleiter Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte stellt das Konzept vor. Dabei verweist er auch auf die berühmte Asam-Kirche, eine Reihe gemütlicher Gasthäuser in der Umgebung und ein eigens für die Zeit der Schau von Starkoch Alfons Schuhbeck bewirtetes Festzelt. In Kooperation mit lokalen Partnern will dieser auf eine bodenständige Küche und faire Preise setzen.

Bayern früher Weinland

Bevor sich der Besucher jedoch der Wirtshauskultur widmet, ist er eingeladen, sich auf die Spuren der Kulturgeschichte des Bieres zu begeben. Auf 1 400 Quadratmetern soll es um jenes Getränk gehen, das wie kein anderes mit Bayern verbunden wird. Immerhin befindet sich hier die Hälfte aller deutschen Brauereien, dazu kommt mit dem Oktoberfest das größte Volks- und Bierfest der Welt als Exportschlager.

Dabei galt Bayern früher als Weinland. Die Bevölkerung entdeckte erst nach und nach den süffigen Gerstensaft. Dazu trugen auch die Klöster mit ihrer Braukunst in nicht geringem Maße bei. Wie das mit dem Brauen genau geht, soll dem Besucher vor Augen geführt werden. Dass im Süden das Bier aus großen Gläsern getrunken wird, versetzt Fremde noch heute in Erstaunen. Wem jedoch die Maß als viel erscheint, für den hat Riepertinger neue Erkenntnisse. So sind in einen Maßkrug früher nicht ein Liter, sondern gar 1,6 Liter Flüssigkeit hineingegangen.

Kein Wunder, dass sich bei solch intensivem Genuss bei manchem am Ende nur noch alles dreht. "Verklärung und Aufklärung" zum Thema Rausch hat sich die Schau deshalb ebenfalls auf die Fahne geschrieben. Um sich Jux-Postkarten zu diesem Thema anzusehen, darf ein tiefer Blick in Krüge gewagt werden, auch eine Ausnüchterungszelle ist aufgebaut.

Das Gesellige zwischen Biertisch und Kegelbahn kommt ebenfalls nicht zu kurz - mit der bayerischen Kellnerin als zentraler Dienstleisterin. Für eine ganz besondere Filmcollage wird Kabarettistin Luise Kinseher vom 16-Stunden-Tag einer Kellnerin erzählen. Sie berichtet auch von den Zudringlichkeiten, die sich die Frauen dabei von so manchem Biertrinker gefallen lassen müssen.

Nach und nach zog der Fortschritt in die Brauhäuser ein. Spione aus Bayern holten sich im industrialisierten England manche Idee, etwa ein Messgerät für die Stammwürze. Und dann sind da die Krüge. "Wir hätten Tausende ausstellen können", erzählt der Projektleiter. So werden neben herkömmlichen Exemplaren vor allem Exoten präsentiert werden, wie etwa einer in Form eines Totenkopfs, ein anderer aus reinem Elfenbein.

"Das Bier und die Bayern"

In der barocken Bibliothek können Besucher unter dem Motto "Das Bier und die Bayern" weiß-blaue Rauten, die an der Decke schweben und geschichtsträchtige Film-Einspielungen bewundern: Wie Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer von einem Weißbierglas aus den Ball in der berühmten Torwand des Sportstudios versenkt. Wie der zum Engel gewordene Münchner Dienstmann Aloisius Hingerl sein Bier erst bekommt, als er im Rahmen einer göttlichen Mission zurück auf Erden geschickt wird und sein erster Weg ins Münchner Hofbräuhaus führt. Im bayerischen Himmel des "Brandner Kaspar" wäre ihm das nicht passiert: Dort füllen sich die Bierkrüge von selber wieder. Na dann Prost!

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http://www.hdbg.de/basis/index.php
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