Eindrücke der estnischen Stadt Tallinn
Mittelalterliche Architektur wie im Bilderbuch

Die Skyline von Tallinn, vom Domberg aus gesehen. In der Bildmitte die Wehrtürme der Stadtmauer, rechts der Turm der Olaikirche. Im Hintergrund die Ostsee. Bilder: mng (4)
 
Ebenfalls ein Anlaufpunkt für Touristen ist das Vana turg, der Alte Markt Tallins.

Schnell hat das nördlichste Land des Baltikums, von den Fesseln der Fremdherrschaft und des Kommunismus befreit, den Weg zurück nach Europa geschafft. Und diese Entwicklung spiegelt sich auch im Tourismusbereich wider.

Von Martin Graser

Dabei ist die estnische Hauptstadt, seit 1997 Unesco-Weltkulturerbe, mit ihrem ganz besonderen Flair für eine Metropole vergleichsweise klein und überschaubar. Die Stadt hat etwa 405 000 Einwohner. Soll heißen, dass fast jeder dritte Este dort wohnt. Malerisch am Soome laht gelegen, wie der Finnische Meerbusen in der estnischen Sprache heißt, zeigt sich Tallinn wie ein Freilichtmuseum mittelalterlicher Architektur. Sie ist die am besten erhaltene, mit Türmen und Mauern umgebene Stadt Nordeuropas mit seinen Wehranlagen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Mittelpunkt der Altstadt ist das fast 700 Jahre alte gotische Rathaus. Die engen, sich windenden Gassen mit ihren Torbögen stellen einen Gegenpol zur modernen Seite der Stadt dar. Gerade das ist das, was den Reiz und die Ausstrahlung Tallinns ausmacht. Die beste Aussicht auf die Stadt und den Hafen an der Ostsee hat man vom Turm der Olai-Kirche und auch von der Terrasse des Domberges.

Auf kurzem Weg


Zu bestaunen gibt es viel in der oberen und unteren Stadt. Und alles ist auf kurzem Wege erreichbar: Auf dem Domberg das Parlamentsgebäude mit dem "Langen Hermann", gegenüber die reich geschmückte orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale, in der Unterstadt die Olai- und die Nikolai-Kirche. Inmitten gotischer Kaufmanns- und Gildehäuser, Kirchen und Speicher, fühlt man sich in Tallinns Altstadt ins Mittelalter versetzt.

Tallin bietet ein Flair wie zur Zeit der Hanse, denn die Altstadt sieht fast so aus wie vor etwa 600 Jahren. 1230 vom Schwertbrüderorden und deutschen Kaufleuten gegründet, hieß die Stadt bis zur Ausrufung der Republik Estland im Februar 1918 amtlich Reval. Bereits um 1280 wird der Ort Mitglied der Hanse. Auch heute hat die Stadt immer noch zwei Gesichter - ein modernes und ein historisches. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 veränderte sich Tallinn und hat sich herausgeputzt.

16 Meter hohe Mauer


Im Mittelalter war Tallinn einer der meist befestigten Städte im Ostseeraum. Eine etwa zweieinhalb Kilometer lange Mauer, bis zu 16 Meter hoch und zwei bis drei Meter stark, umschloss die Altstadt. Gut die Hälfte der Wehrtürme ist auch heute noch erhalten, denn die Hauptstadt hat die Jahrhunderte nahezu unbeschadet überstanden, insbesondere auch deshalb, weil die Baumeister vorausschauend waren und nicht brennbare Materialien bei der Befestigung verwendeten.

Deutlich jünger, aber ebenso geschichtsträchtig ist der Vabaduse väljak. Ein Kreuz erinnert auf diesem Platz an den Unabhängigkeitskrieg (1918 bis 1920). Nach der wiederholten Besetzung der baltischen Staaten 1944 reagierte die kommunistische Macht mit erneuten Verbannungen. Zu Ehren der Opfer der sogenannten Märzdeportationen der Sowjetmacht werden dort alljährlich im März Kerzen entzündet, um die Erinnerungen an die unschuldigen Opfer wachzuhalten. Das Stadtviertel Rotermanni, östlich der Altstadt gelegen, ist heute einer der attraktivsten Stadtteile Tallinns, in dem wiederbelebte Industriegebäude und moderne Architektur nebeneinander stehen. Etwa zur Jahrtausendwende kamen die Esten auf die Idee, die alten Fabrikanlagen einer Nachnutzung zuzuführen, statt sie weiter verfallen zu lassen oder gar abzureißen. So gesellten sich zu den steinernen Bauten moderne, architektonische Wunderwerke aus Stahl, Glas und Backstein.

InformationEstland ist mit rund 45 300 Quadratkilometer das nördlichste und auch kleinste Land des Baltikums, das im Süden an Lettland, im Osten an Russland und nördlich und westlich an die Ostsee angrenzt. Seit 2004 ist es EU-Mitglied und im Jahr 2011 der Eurozone beigetreten.

An- und Einreise: Bundesbürger benötigen für die Einreise einen Personalausweis oder Reisepass, der noch mindestens drei Monate über das Reiseende gültig ist.

Internationale Flüge kommen auf dem Flughafen "Lennart Meri" in Tallinn an. Lufthansa fliegt täglich direkt von Frankfurt am Main und München nach Tallinn. Airbaltic startet von München mit Zwischenstopp in Riga.
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