Eine Ausstellung in der Staatlichen Bibliothek widmet sich dem Bier mit Fokus auf Regensburg
"Das fünfte Element in Bayern"

Bierkrug, Flasche und Aschenbecher: Eine Ausstellung in Regensburg widmet sich dem Bier und dessen Kulturgeschichte. Bild: Wolke
Regensburg.Bayern und Bier: "Das Begriffspaar scheint geradezu als Synonym verwendet zu werden." Dieser These, derzeit kundgetan in der Staatlichen Bibliothek Regensburg, kann wenig entgegengesetzt werden. Am allerwenigsten der Vorwurf einer voreingenommenen Fremdwahrnehmung. Denn innerhalb und außerhalb Bayerns ist man sich offenbar einig: "Bier ist das bayerische Nationalgetränk."

40 Regensburger Bierbrauer

Wer das noch nicht weiß, erfährt es ebenfalls in der Staatlichen Bibliothek. Dort sorgt man derzeit dafür, einen Missstand einigermaßen auszugleichen. Denn: Obwohl das Bier bereits im 18. Jahrhundert als das "fünfte Element in Bayern" bezeichnet wurde, fehlt bislang eine umfassende Kulturgeschichte dazu. Zumindest was den Bereich Regensburg betrifft.

Genau dort setzt die aktuelle Kabinettausstellung in der Staatlichen Bibliothek an. "Bier in Regensburg" lautet der Titel der Schau - "Versuch einer kulturhistorischen Annäherung". Das Thema scheint berechtigt. Immerhin wies Regensburg ehemals eine Vielzahl von Brauereien auf. Nicht weniger als 40 Bierbrauer werden in einem Adressbuch der Stadt aus dem Jahre 1840 aufgeführt - die meisten davon mittlerweile verschwunden.

Bischofshof, Kneitinger und Spital: Die Regensburger Brauereien, die als Wettbewerbssieger heute noch bestehen, sind auch in der Ausstellung allgegenwärtig. Bierkrüge und -flaschen, Aschenbecher, Speisekarten und Schützenscheiben, aber auch Zitate eines vom Bier mitgeprägten Dialekts, geben hier einen Einblick in die Kultur des Biertrinkens.

Zur Verfügung gestellt wurden viele der Exponate von Helmut von Sperl. Der Sammler dürfe getrost als ein wandelndes "Regensburger Bierlexikon" bezeichnet werden, so der Text zur Schau. Ein "kulturpolitisch reizvolles und sozialhistorisch relevantes Thema" für ein breites Publikum aufzuarbeiten, das ist das erklärte Ziel der Regensburger Ausstellung. Zur Sprache kommen dabei zunächst Herstellung und Lagerung des Bieres.

"Der Weg zum Reinheitsgebot war steinig", liest der Besucher dazu. Interessant für Regensburg: Das älteste Reinheitsgebot der Stadt stammt aus dem Jahre 1469 und ist somit noch älter als das bayerische von 1516. Schon wesentlich früher hatte es in einer Regensburger Bierordnung geheißen, man dürfe nichts mehr ins Bier geben, was dort nichts verloren habe. Weder "samen" oder "würtzz", noch "gestrüpp" oder "laub". "Dass Bier nur aus Hopfen, Malz und Wasser besteht, weiß jedes Kind", lautet die hoffnungsvolle Aussage vonseiten der Ausstellungsmacher. Vertieft wird dieses Wissen in der Schau durch unterschiedliche Gerstenmuster und Werkzeuge zur Herstellung des Getränks.

Bier populärer als Wein

Trotz seiner ungebrochenen Popularität war das Bier in früheren Zeiten ungleich mehr präsent in der Alltagskultur als heute, informiert die Schau weiter. Nachdem sich der Gerstensaft erst einmal gegen seinen größten Konkurrenten, den Wein, durchgesetzt hatte, floss er in rauen Mengen. In Ermangelung anderer Freizeitbeschäftigungen verbrachte man viel Zeit in Wirtshäusern, so der Erklärungsversuch der Verantwortlichen.

In der Fremde empfinde der Bayer den Verzicht auf sein Bier als schmerzlich. Das vermerkte schon das "Bayerische Wörterbuch" Anfang des 19. Jahrhunderts. Auch die Ausstellung in Regensburg widerlegt das Klischee nicht: Bayern und Bier, das ist fast schon ein Synonym.

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Die Ausstellung "Bier in Regensburg.Versuch einer kulturhistorischen Annäherung" läuft bis 28. Februar 2015 in der Staatlichen Bibliothek Regensburg, Gesandtenstraße 13. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, Samstag, 14 bis 18 Uhr. Geschlossen ist vom 20. Dezember bis zum 7. Januar.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.staatliche-bibliothek-regensburg.de
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