Eine freundschaftliche Erinnerung "... und ich übernachtete in Weiden"

Es ist das große Verdienst des Weidener Buchhändlers Hubert Schlegl gewesen, Prof. Hellmuth Karasek, nach Erscheinen seines "Spiegel-Enthüllungsromans" "Das Magazin", zum "Literarischen Herbst" in seine Buchhandlung eingeladen zu haben. Und Hellmuth Karasek, Mitglied des berühmten "Literarischen Quartetts", kam am 29. Oktober 1998 in die Max-Reger-Stadt. Auch ich reihte mich ein in die lange Reihe der Signier-Freunde.

Und als ich den populären, äußerst sympathisch wirkenden Schriftsteller, Journalisten, Film- und Literaturkritiker Hellmuth Karasek fragte, ob er mit dem feinsinnigen, links-kritischen Schriftsteller Horst Karasek (1939-1995), Chronist der Startbahn West, verwandt sei, war das Eis gebrochen und wir unterhielten uns länger.

Natürlich auch, weil er 1943 im mährischen Brünn geboren war, seine Mutter aus Oberschlesien (Bielitz-Biala) stammte und er ein NS-Napola-Schüler war und ihn das (lokale) Schicksal des ehemaligen "Werwolfs" und gebürtigen Erzgebirglers Erich Loest faszinierte ...

Als Goethe-Fan war er ganz angetan, als ich ihm erzählte, dass der große Weimarer Dichterfürst auf seiner Italien-Reise am 3. September 1786 auch in Weiden Rast gemacht hatte und - er wollte sofort das Gebäude sehen. Mit Studiendirektor Otmar Schwarzer wanderten wir nächtens durch die prächtig illuminierte Altstadt.

Karasek war so begeistert und angetan von Weiden, dass er in seiner "Montagsglosse: Olle Joethen" im Berliner "Tagesspiegel" vom 9. November 1998 Weiden und den erklärenden Kulturamtsleiter als "Oberpfälzer Cicerone" journalistisch verewigte. Sein illuster-ironischer Kommentar endete: "Olle Joethen, denke ich, Weida und als wie. Also die Rechtschreibereform hätte der nicht bestanden! Und ich übernachtete in Weiden. Während vor dem Hotel die Pferde verwechselt wurden."

Noch bevor ich Hellmuth Karasek auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr 1999 wieder traf, hatte ich ihn bereits spontan zu den 15. Weidener Literaturtagen im Mai 1999 eingeladen und bot ihm auch eine Beteiligung in der publikumswirksamen "Talk-Runde" an. So kam es, dass er, zusammen mit Bundeskultur-Staatsminister Michael Naumann und Hanser-Verleger Michael Krüger, unter fachkundiger Leitung des Nürnberger Kultur-Philosophen Prof. Hermann Glaser in der überfüllten Weidener Regionalbibliothek über deutschsprachige Literatur im allgemeinen und die aktuelle politische Lage am Balkan im besonderen diskutierte.

Ein gemeinsames Mittagessen im "Weizenbrauhaus" in der Postgasse mit allen Autoren rundete den zweiten Weiden-Besuch ab. Aber der rührige Hellmuth Karasek sollte noch ein Mal nach Weiden kommen: Zu den Weidener Literaturtagen 2013 präsentierte der Schriftsteller in der Buchhandlung Rupprecht seine gelungene Witze-Sammlung "Soll das ein Witz sein?" und rührte das Publikum zu Tränen. Wieder hat uns ein großer Literat verlassen - aber er hat uns genügend schöne Momente im Fernsehen, bei Lesungen und Lesestoff hinterlassen!

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Bernhard M. Baron war lange Leiter des Kultur- und Tourismusbüros in Weiden und Initiator der Weidener Literaturtage. Heute lebt er auf Malta.
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