Eine Stimme verklingt
Nachruf

Lange, außergewöhnliche Karrieren machen es in der Rückschau schwer, den einen Punkt festzumachen, an dem der Künstler die Schwelle zum Superstar überschritten hat. Zu einem der wenigen echten Großen. Bei Joe Cocker ist dies leicht.

Wer seinen Namen hört, hat unweigerlich ein Bild vor Augen: Einen jungen Mann im Batik-Shirt mit wirren langen Haaren, strotzend vor Energie und Emotion, der 1969 auf einem Acker im Staat New York "With a Little Help from My Friends" singt - mit einer seltsamen Mimik und Gestik, mit denen er die Töne zu formen schien.

Seit Woodstock blieb der bärbeißige Brite mit dem hemdsärmeligen, rüden Charme ein Liebling seiner und folgender Generationen, egal was er sich an Eskapaden leistete. Doch diese exzessiven Zeiten waren längst vorbei. Seine Musik, die ihn zur Gänze ausmachte, rettete ihn. Seit den 80ern nahm Cocker Rücksicht auf sich, auf seine Stimme. Millionen Musikfans sind ihm dafür dankbar. Denn die vielen Welthits waren oft nicht wegen der Songs an sich erfolgreich. Es war diese einzigartige Reibeisen-Röhre, die nicht nur Soul, Rock und Blues transportierte. Sondern auch etwas Undefinierbares, das einen in ihren Bann zog.

Nun hat sich der Sänger mit "der" weißen Soulstimme in die Gruppe lange verstorbener Idole wie Jimi Hendrix und Janis Joplin eingereiht. "I've been touring now since about '68" wird Cocker zitiert. Nach 46 Jahren auf Tour darf er sich nun ausruhen.
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