Emma Götz trauert um ihren 32-jährigen Nymphensittich
"Er geht uns schon gscheit ab"

Der Nymphensittich war ein Freund für die ganze Familie. Auch für Enkelin Vanessa, die sich stets auf seine Körpersprache verlassen konnte. "Wenn er die Federn auf dem Kopf zurücklegte, dann wollte er spielen", erzählt Emma Götz. Bilder: hfz
 
Die Urkunde der Tierhandlung Rupp in Haselmühl nennt das Übergabedatum: 17. März 1983. Gekauft hatte Emma Götz den Nymphensittich aber schon acht Wochen früher, als er noch von einer Schale umgeben im Brutkasten lag. Bild: upl

Amberg. (upl) Emma Götz hatte ihren Nymphensittich schon ins Herz geschlossen, da war er noch gar nicht geschlüpft. Vor 32 Jahren kaufte sie ihn als Ei. Nun ist Rocky gestorben - vielleicht als ältestes Exemplar seiner Art in ganz Deutschland.

Als Emma Götz kurz das Wohnzimmer verließ, saß Rocky noch am Boden. "Da wussten wir schon, dass etwas nicht stimmt", erzählt die 73-Jährige aus der Kolumbusstraße. Sie hält inne, schaut auf die beiden Fotos, die sie aus einer großen Kiste hervorgekramt hat. "Er geht uns schon gscheit ab", seufzt sie und deutet auf den Vogel mit der gelben Sturmfrisur, wie er gerade auf der Couch-Lehne sitzt. Rocky ist gestorben, nachdem Kinder und Enkelkinder mit ihm aufgewachsen sind. Nach fast 32 Jahren.

Im Haar geschlafen

Dass dieses Alter ihrem gefiederten Freund womöglich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde bescheren könnte, kümmert Emma Götz wenig. Rocky war steinalt, das ist der 73-Jährigen klar. Sie hätte viel dafür gegeben, das Leben des Vogels auch nur ein paar Stunden zu verlängern, an irgendeinen Rekord dachte sie dabei bestimmt nicht. Rocky wird nie mehr "Oh du lieber Augustin" pfeifen und das Signal des Verkehrsfunkes imitieren. Das ist es, was die gehbehinderte Seniorin umtreibt.

Selige Einheit

"Jeden Morgen in der Früh bin ich rüber ins Wohnzimmer. Und dann haben wir uns begrüßt", erzählt sie. "Erst einmal gab es Musik." Die Amigos mussten es sein, die Lieder der berühmten Schlager-Brüder aus Villingen. "Weißt du, was du für mich bist?" heißt der Name eines ihrer Alben. Wenn Emma Götz und Rocky nach dem Aufwachen den volkstümlichen Klängen lauschten, dann bildeten sie eine selige Einheit. Gegen 12 Uhr durfte der Piepmatz ein paar Zugaben hören. "Wenn es so weit war, dann wusste er, dass ich mich zum Mittagsschlaf hinlege. Dann flog er zu mir rüber, kuschelte sich an meinen Kopf und schlief in meinem Haar." "Schön war er ja nicht", sagt die 73-Jährige und schmunzelt. Beim Züchter hätte es damals, 1983, viel prächtigere Exemplare gegeben, Nymphensittiche mit bunten Federn, oder mit einer besonders langen Mähne. "Aber wir haben ihn ja schon als Ei gekauft. Was willst du da machen?" Rocky war wohl auf eine andere Art und Weise schön. Weil er immer da war, weil er Leben in die Bude brachte und weil er umsorgt werden musste.

Im Maul des Hundes

So wie damals, als er im Maul eines Jagdhundes landete. Der Besuch, der gekommen war, hatte seinen jungen Vierbeiner mitgebracht, der dummerweise auf Entenfang abgerichtet war. "Der Rocky ahnte nichts Böses und setzte sich einfach dazu", erzählt Emma Götz. Auf einmal schnappte der Gegenüber zu und vom Nymphensittich waren nur noch ein paar Federn zu sehen. "Ein Bein hat er sich dabei gebrochen. Das dauerte lang, bis er wieder gesund war."

Tierarzt inzwischen in Rente

Der Tierarzt, der den Vogel viele Jahre behandelte, ist inzwischen in Rente gegangen. "Er hat einmal gesagt, dass der älteste Nymphensittich von dem er je gehört hat, 29 Jahre alt geworden ist." Rocky hätte im Januar die 32 vollendet. Doch er war zu schwach dafür. Schon längere Zeit konnte er auf einem Auge nichts mehr sehen. Zuletzt versagten die Nieren.
Als er gestorben war, richtete Emma Götz ihm in einer Schuhschachtel ein Totenbett aus weißer Watte. Auf ihren leblosen kleinen Freund legte sie die letzte Orchidee, die am Fensterbrett blühte. Es war nur ein kleiner Vogel, aber für die Seniorin aus der Kolumbusstraße das große Glück.
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