"Er ist Hollywood"

James Dean und Natalie Wood in einer Szene des Films "...denn sie wissen nicht, was sie tun". Vor genau 60 Jahren starb der Schauspieler. Archivbild: dpa

"Das Leben, das Sie verschonen, könnte meins sein", sagte James Dean in einem Werbespot für vorsichtiges Fahren. Zwei Wochen später tat er genau das Gegenteil - und schuf eine Legende.

Legenden müssen früh sterben. Sonst würde Marilyn Monroe vielleicht heute übergewichtig die Öffentlichkeit mit Details ihrer neunten Ehe nerven, Che Guevara wäre ein glatzköpfiger Hardliner in der Parteiführung in Havanna, John F. Kennedy hätte als Rentner schon wieder eine Sexklage am Hals und Kurt Cobain wäre womöglich belächeltes Jurymitglied einer Castingshow. Und James Dean? Auch er wird immer jung, rebellisch, attraktiv sein. Vor 60 Jahren (30. September) starb er einen Tod, der von einem Drehbuchautoren erdacht gewesen sein könnte.

Der Junge von der Farm wollte immer Schauspieler werden. Doch die meiste Zeit war er nicht Star, sondern Statist. Seine erste Rolle hatte er mit 19, in einem Pepsi-Werbespot. Text: keiner. In Western und Kriegsfilmen lief er durchs Bild, doch er wurde zumeist nicht einmal im Abspann erwähnt.

Ikone des 20. Jahrhunderts

Erst "Jenseits von Eden" änderte alles. Dean sah nicht nur gut aus, er war auch der zweifelnde, verzweifelte junge Mann, der nach Sinn suchte und mit der Umwelt, die er vorfand, nicht klar kam. Der Junge hatte doch alles, und war trotzdem nicht glücklich. Genau damit traf er den Nerv der Jugend in der Zeit nach dem Krieg und vor John F. Kennedy.

"Er ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts", sagt sein Nachlassverwalter Mark Roesler. "Dean hat seiner Generation aus der Seele gesprochen und mit einem Blick mehr gesagt als andere in ganzen Filmen." Roesler räumt ein, das nichts Zufall war. Dean habe sein Image sorgfältig choreographiert. "Und damit ist er bis heute erfolgreich."

Deans Leben war ein ständiges Auf und Ab. Nach Erfolgen kamen Niederlagen, nach Exzessen Depressionen, nach Freudentaumeln Schlägereien. In "... denn sie wissen nicht, was sie tun" war er wieder ein Außenseiter. Die Mutprobe, in der er und sein Kontrahent in gestohlenen Autos auf eine Klippe zurasen, schrieb Filmgeschichte.

Ach ja, Autos. Dean liebte PS, seit er zum 16. Geburtstag ein Motorrad geschenkt bekommen hatte. Er fuhr Autorennen und kaufte einen Sportwagen nach dem anderen. Als er seinen Porsche 550 Spyder - drei Tage alt, aufgesprayt der Name "Little Bastard" - dem Schauspieler Alec Guinness zeigte, sagte der nach eigenen Angaben: "Fahren Sie den nicht! Ansonsten sind Sie innerhalb einer Woche tot." Genau sieben Tage später war Dean mit einem Automechaniker, dem Deutschen Rolf Wütherich, in Kalifornien in seinem Porsche auf einer als "Raserallee" bekannten Straße unterwegs. Gerade hatte er wegen zu schnellen Fahrens einen Strafzettel bekommen, doch das bremste den 24-Jährigen nicht. Als ihm ein Ford die Vorfahrt nahm, konnte er bei fast 140 Kilometern in der Stunde nicht mehr ausweichen und bretterte in das andere Auto.

Einer überlebt

Wütherich wurde aus dem Wagen geschleudert und lag schwerverletzt neben dem Wrack des Porsche. Dean saß noch drin. Beide Männer wurden ins Krankenhaus gebracht, bei der Ankunft wurde Dean für tot erklärt. Wütherich überlebte. Er starb 1981 in Baden-Württemberg - bei einem Autounfall. "Dean ist so lebendig wie eh und je", versichert Roesler. "Es gibt kein College, in dem nicht mindestens ein Poster von ihm hängt, und er lässt sich nach wie vor prächtig vermarkten. Er ist Hollywood! Und so lange sich die Menschen an Hollywood erinnern, werden sie sich an James Dean erinnern."
Weitere Beiträge zu den Themen: New York (630)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.