Erhellende Erkenntnisse
"The Anthology“ von ELP

 
Die 1970 gegründete Band Emerson Lake & Palmer avancierte mit ihrem Keyboard-dominierten Stilmix aus Rock, Blues, Jazz und Elementen der Klassik zu einer der einflussreichsten Bands des Progressive Rock. Bild: ELP-Archiv

Die gute Nachricht zuerst: Ende letzten Jahres vereinbarte die britische Niederlassung des Major-Labels "BMG" und das Trio Emerson, Lake & Palmer einen umfangreichen, weltweit gültigen Vertrag über die Rechte an 17 Alben aus dem Katalog der legendären Progressive Rock-Band.

Von Michael Fuchs-Gamböck

Bereits Ende Juli startet "BMG UK" seinen Feldzug mit der Veröffentlichung der 3-CD-Retrospektive "The Anthology", welche 39 Highlights der einstigen "Supergroup" aus den Jahren 1970 - 1998 digital remastert beinhaltet. Ebenfalls Ende Juli erscheinen die ersten drei ELP-Werke in Deluxe-Versionen mit jeder Menge Bonus-Tracks. Im Laufe der - vermutlich - nächsten 15 Monate geht es munter weiter mit Neuerscheinungen. Die schlechte Nachricht in dieser Angelegenheit: Keyboard-König Keith Emerson wird diesen Veröffentlichtungs-Marathon nicht mehr mitbekommen. Am 10. März beging der Tasten-Zauberer Selbstmord.

Sein Lebensinhalt


Die öffentliche Verlautbarung vom Suizid des Tasten-Zauberers durch dessen Management sowie seine Witwe war nicht nur für Millionen Anhänger der "Prog-Pioniere" ein gewaltiger Schock - sondern auch für die beiden "Hinterbliebenen" des einstigen Trios, L und P, alias Greg Lake und Carl Palmer. "Wobei wir von dieser Nachricht nicht komplett überrumpelt wurden", gesteht Schlagzeuger Palmer ein, "denn seit bei Keith vor etlichen Jahren eine chronische Nervenerkrankung attestiert worden war, die mehr und mehr die Beweglichkeit seiner rechten Hand einschränkte,war er parallel dazu mehr und mehr frustriert.

Tasteninstrumente zu spielen, war letztlich sein Lebensinhalt. Diese Obsession wurde ihm immer öfter verleidet. Er musste Konzerte absagen, sich stattdessen Operationen unterziehen. Für kurze Zeit ging es ihm besser. Dann aber verschlechterte sich sein Zustand wieder. Diesen Zustand scheint er eines Tages nicht mehr ertragen zu haben."

So traurig diese Umstände sind, so stolz sind Lake und Palmer, die unter der ELP-Flagge mehr als 40 Millionen Tonträger verkauft haben, über die digitalisierte Wiederveröffentlichung ihres Gesamtwerks. Doch welche Erinnerungen kommen in den beiden Protagonisten hoch, wenn sie sich ihr Oeuvre rückwirkend anhören, vor allem "The Anthology", die Bestandsaufnahme einer spektakulären Karriere, die neben vielen Höhenflügen durchaus auch den einen oder anderen Rückschlag zu verkraften hatte? "Ich habe mir das Ding tatsächlich schon ein einziges Mal am Stück angehört", meint Sänger und Gitarrist Greg Lake.

Pure Nostalgie


"Einfach um die Essenz heraus zu ziehen, was uns als Band angetrieben hat. Es war das merkwürdige Gefühl, als würde man ein altes Tagebuch durchlesen. Man freut sich bei der Lektüre über manch erhellende Erkenntnisse, die man gewonnen hat. Und man schämt sich manchmal auch über einiges pubertäre, das man in der Öffentlichkeit verbreitet hat. Letztendlich überwiegt für mich das Positive bei unserem Werk. Doch objektiv beurteilen kann ich es als "Mitgefangener" freilich nicht."

Palmer meint eher lapidar über den Sound seiner früheren Combo: "Klar freue ich mich darüber, dass es offensichtlich noch genügend Menschen gibt, ob jung oder alt, die sich für unsere Kompositionen zu interessieren scheinen. Darauf bin ich sehr stolz! Aber ELP als solches ist für mich mittlerweile pure Nostalgie. Ich blicke lieber in die Zukunft, habe eigene Projekte, vor allem die Carl Palmer Band."

Aus solchen Sätzen ist unschwer herauszulesen, dass sich das freundschaftliche Miteinander zwischen Lake und Palmer aktuell in Grenzen hält. Was beide Beteiligten, die Interviews fanden separat statt, mal mehr, mal weniger direkt bestätigen. Der Drummer drückt es etwas diplomatischer aus, wenn er sagt: "Viele unserer Fans dachten, Keith, Greg und ich wären seit Ewigkeiten untereinander zerstritten. Tatsächlich gab es nie einen richtig dramatischen Zwist zwischen uns. Wir waren sogar all die Jahrzehnte über, die wir uns kennen bzw. kannten, zumindest sporadisch irgendwie in Kontakt. Dicke Freunde waren wir allerdings nie, selbst in den 1970ern nicht. Doch wir haben erstaunliche Musik miteinander gemacht. Das verbindet letztlich auf ewig, oder täusche ich mich?"

Greg Lake bringt die nicht gerade leichten Umstände konkreter auf den Punkt: "Eine Reunion mit Carl, wie auch immer die aussehen würde, kommt für mich definitiv nicht in Frage. Wie könnte man ein Genie wie Keith Emerson ersetzen, frage ich? Nein, dem Vorwurf der Leichenfledderei werde ich mich garantiert nicht aussetzen. Irgendwann ist eben mit allem im Leben Schluss."

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Weitere Informationen:

www.emersonlakepalmer.com/

Es war das merkwürdige Gefühl, als würde man ein altes Tagebuch durchlesen. Man freut sich bei der Lektüre über manch erhellende Erkenntnisse, die man gewonnen hat. Und man schämt sich manchmal auch über einiges pubertäre. Letztendlich überwiegt für mich das Positive bei unserem Werk.Carl Palmer

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