Erinnerungen: Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1988 zu Besuch in Tirschenreuth
Ein Mann der klaren Worte

Herzlich willkommen hießen die Bürger Bundespräsident Richard von Weizsäcker (Zweiter von rechts) 1988 beim Empfang am Landratsamt. Mit dabei auch der damalige Landrat Franz Weigl (rechts) und MdL Bruno Ponnath (Dritter von links). Archivbild: Bessermann
Tirschenreuth. (bz/as) Ob er später nochmals ins Stiftland gereist ist, wissen wir nicht. Wenn, dann jedenfalls so, wie er es wollte: heimlich, ohne Tross. Bundespräsident Richard von Weizsäcker sprach nach dem Empfang am 26. April 1988 im Stiftland von "Eindrücken, die man ein Leben lang nicht vergisst".

Und vergessen ist der am Samstag verstorbene Politiker auch hier in der nördlichen Oberpfalz nicht. Tausende von begeisterten Menschen malten zum Abschluss auf dem Waldsassener Basilikaplatz ein imposantes Bild von der Beliebtheit des damaligen Bundespräsidenten. Der wollte mit seiner Tagesreise einmal die Aufmerksamkeit weg von den Ballungszentren hin zu den besonderen Problemen dieses Landstrichs lenken.

Grenzen nichts Trennendes

Der Gast aus Bonn zeigte sich als Mann der klaren Worte: "Keiner von uns Deutschen sollte vergessen, dass die Mitte Europas hier liegt und die Welt nicht einfach aufhört." Mit einer aktiven Politik der Öffnung Europas versprach sich von Weizsäcker auch "Fortschritte in der wirtschaftlichen Frage dieses Raumes". Grenzen waren für den ersten Mann des Staates nichts endgültig Trennendes. "Es ist Aufgabe der Politik, zusammenzuführen, was durch menschliche, geistige und kulturelle Bindungen einfach zusammengehört."

Zuvor hatte schon der damalige Landrat Franz Weigl die Brückenfunktion des Landkreises hinüber nach Böhmen angesprochen. Einen aufmerksamen Zuhörer fand auch Geistlicher Rat Ludwig Schreyer, als er Richard von Weizsäcker die wertvollen Deckengemälde in der Wondreber Totentanz-Kapelle erläuterte. Kostbares Sibyllenbad-Wasser kredenzte in Egerländer-Tracht das Ehepaar Werner. Und Bäckermeister Siegfried Stähli hatte eigens einen "Huasnoatoutara", den traditionellen Trachtenknopf, als Torte gebacken.

Eine imposante Kulisse wartete dann in Waldsassen. Tausende Menschen umjubelten den Bundespräsidenten, der hier auch auf "alte Bekannte" traf. Austauschschüler hatten von Weizsäcker ein Jahr zuvor im walisischen Cardiff mit einigen Liedern überrascht. Und auch diesmal stimmten sie wieder ein Lied an und ließen sich ein Bild signieren, das auch heute noch in der Waldsassener Hauptschule hängt.

Porzellan mit Familienwappen

"Das war schon erhebend", ist Karl-Hans Hofmann 27 Jahre danach immer noch beeindruckt. "Richard von Weizsäcker war einfach souverän, er hatte Ausstrahlung", erinnert sich der geschäftsleitende Beamte der Stadt Waldsassen an die Begegnung. Nach einem kleinen Empfang im Rathaus verewigte sich von Weizsäcker natürlich auch wie zuvor in Tirschenreuth im Goldenen Buch. "Er bekam noch eine Basilika-Führung von Monsignore Vitus Pschierer", weiß Karl-Hans Hofmann. Und Äbtissin Immaculata Baumann erklärte ihm die wertvollen Schnitzereien in der Klosterbibliothek.

An ein weiteres Detail erinnert sich Hofmann: "Die Stadt hat ihm als Gastgeschenk ein Service mit dem Weizsäcker-Familienwappen überreicht." Damals produzierte die Porzellanfabrik Bareuther noch. Sechs Jahre nach dem Besuch des Bundespräsidenten endete die Ära der Porzellanherstellung in Waldsassen für immer.

Wie hatte doch der Gast aus Bonn zum Abschied gesagt? "Die Probleme, die hier zu lösen sind, betreffen uns alle in Deutschland, nicht nur die Bewohner hier in der Region."
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