Erotikträume gegen drögen Ehe-Alltag

Ein Paar in den vermeintlich besten Jahren. Ihre prickelndsten Ehejahre haben Henry & Alice aber längst hinter sich. Es herrscht Langeweile. Zermürbende Langeweile. Nicht jedoch für das Publikum, das mit deren Geschichte in der Weidener Regionalbibliothek viel Spaß haben wird. Sagen Regisseurin Birgit Bagdahn und Heike "Alice" Ternes.

Kannten Sie "Die geheimen Leben von Henry & Alice" bereits vorher?

Birgit Bagdahn: Ich habe das Stück noch nicht inszeniert. David Tristram ist einer der meist gespielten britischen Theaterautoren und so habe ich mich gefreut, als mir das Landestheater das Stück angeboten hat.

Heike Ternes: Nicht als Schauspielerin. Till Rickelt (Künstlerischer Leiter des LTO) hat mir aber vor einigen Jahren das Stück zum Lesen geschickt. Wir haben auf den rechten Zeitpunkt gewartet, es aufzuführen.

Was zeichnet diese "echt britische" Boulevard-Komödie aus?

Bagdahn: Tristram beobachtet gut und zeichnet mit viel Liebe zu seinen Figuren die Geschichte dieses Ehepaares, dessen Beziehung über die Jahre etwas eingerostet ist, und das sich wieder mehr Leidenschaft wünscht. Um aus ihrem Ehe-Alltag auszubrechen, flüchten sie sich in erotische Tagträume, in denen sie alles sein können: Filmstar, umjubelter Footballspieler, Sexbombe, Geheimagentin, Präsident oder Staubsaugervertreter. Während der Partner nichts von den Träumen weiß, wird der Zuschauer zum genüsslichen Zeugen.

Ternes: Da das Stück so aufgebaut ist, dass die Protagonisten immer wieder in ihre Tagträume springen, haben Fritz Barth - der den Henry spielt - und ich die Möglichkeit, viele unterschiedliche Rollen zu spielen. Die geträumten Figuren stellen wir nur durch unterschiedliche Körperhaltung, Mimik und kleine Accessoires dar. Es ist sehr spannend.

Was war der Reiz, die Herausforderung beim Erarbeiten des Stücks?

Bagdahn: Die Arbeit an den witzigen und pointierten Dialogen hat uns bei den Proben sehr viel Spaß bereitet. Ebenso das Erfinden der Figuren. Das ist das Schöne bei dieser Regiearbeit, dass man mit viel Fantasie und Kreativität immer wieder neue Traumwelten erschaffen darf.

Auch gefällt mir an dem Stück sehr, dass neben dem trockenen, britischen Humor auch tiefergehende Themen mit eingewoben sind, was die Figuren und ihre Sehnsüchte noch mehr auch an unsere Lebenswelt anbindet. Ein starkes, sehr abwechslungsreiches Stück.

Ternes: Stimmt, es ist für uns Schauspieler dabei kein "sich reinspielen" in die Figuren möglich. Es erfordert absolute Konzentrationsarbeit, die schnellen Wechsel der variierenden Figuren hinzubekommen. Von 0 auf 100. Man muss sofort den nächsten Charakter mit anderer Gestik und Sprache etablieren - ohne Vorlauf.

Wie kam die Produktion mit dem Landestheater zustande?

Bagdahn: "Die geheimen Leben von Henry und Alice" ist nach "Fisch zu viert" und "Mein Kampf" schon meine dritte Regiearbeit am LTO. Bereits vor einem Jahr gab es erste Gespräche dieses Stück zu realisieren. Ich freue mich, dass dies möglich wurde und die Regensburger Schauspieler Heike Ternes und Fritz Barth dafür gewonnen werden konnten.

Ternes: Ich kenne Till Rickelt schon seit Jahren, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Wir wohnen beide in Regensburg und kennen uns von den Städtischen Bühnen.

Wie gefällt Ihnen das Ambiente der Regionalbibliothek?

Bagdahn: Aus Sicht der Regie kannte ich den Ort bereits durch "Fisch zu viert", ebenso aus der Zuschauerperspektive. Ich mag die Spielstätte sehr: hoch im Dachgeschoss der Bibliothek, eingebettet in die Welt der Literatur. Der Raum hat eine besondere, intime Atmosphäre, die ich schätze.

Ternes: Als Till zum LTO ging, habe ich mir einige Stücke dort angesehen. Ich war vom Spielort in der Bibliothek sofort angetan. Darstellende Kunst und Bücher passen einfach gut zusammen. Die Techniker des Landestheaters schaffen es immer wieder, diesen Lesesaal in einen tollen Bühnenraum zu verwandeln. Man hat wirklich das Gefühl, in einem kleinen Theatersaal zu sitzen.

Worauf dürfen sich die Zuschauer außerdem noch freuen?

Bagdahn: Auf einen sehr unterhaltsamen Abend mit schlagkräftigen Dialogen und viel britischem Humor. Wir wollen das Publikum mitnehmen auf eine fantastische Reise in die Traumwelten von Henry und Alice. Auch darf der Zuschauer sich überraschen lassen, welches Potenzial für die Beziehung der beiden in den Träumen steckt. Hierzu sei aber nur soviel verraten: Es wird ein verblüffendes Ende geben.

Ternes: Den Zuschauer erwarten viele überraschende Wendungen. Vielleicht wird sich der eine oder andere auch in einigen Szenen schmunzelnd wiedererkennen. Die Ehe ist eben manchmal kein Wunschkonzert.

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