Erzbischof Balduin
Ein früher Europäer

Diese moderne Skulptur Balduins in Koblenz wurde nach der Brückenveränderung aufgestellt. Bilder: cr (4)
 
Der alte Teil der Balduinbrücke über den Rhein in Koblenz. Die Konstruktion war Vorbild für die Karlsbrücke in Prag. Wegen der Schifffahrt musste die andere Hälfte verändert werden.
 
Das Grabmal des aus Luxemburg stammenden Erzbischofs ist im Dom zu Trier zu sehen.

Mit je einer Landesausstellung in Prag und Nürnberg wird der 700. Geburtstag Karl IV. groß gewürdigt. Ein bemerkenswerter Kaiser, der vielfältige Spuren hinterlassen. Etwas abseits steht dagegen sein Großonkel, der Luxemburger Erzbischof und Kurfürst Balduin.

Zu Lebzeiten zog er 1316 zur Unterstützung seines Neffen Johann von Böhmen mit Bischof Peter von Aspelt "mit ansehnlichem Heeresgefolge" durch die Oberpfalz nach Prag. Von einem längeren Aufenthalt in unserer Region ist nichts bekannt. In Form eines Denkmals kam er jedoch vor sieben Jahren für ein Jahr nach Regensburg. Sein Quartier bezog er für Renovierungsmaßnahmen in der Metallfirma Haber & Brandner.

Geboren wurde Balduin vor rund 730 Jahren als Sohn des Grafen Heinrich VI. von Luxemburg und seiner Gemahlin Beatrix von Avesnes. Eine historische Persönlichkeit, die indirekt auch mit der Oberpfalz in Verbindung steht. Er war Garant für die Politik seines Großneffen in Nürnberg und der Oberpfalz. Karls Vater Johann, der 1310 Elisabeth von Böhmen heiratete, unterstützte er bereits mit dem Einfädeln der Hochzeit und dessen Wahl zum Böhmischen König. Als es jedoch um die Kaiserwahl ging, ignorierte er seinen Neffen Johann und nahm Partei für den Wittelsbacher "Ludwig den Bayern". Voll stand er jedoch hinter seinem Großneffen Karl IV., ihm war er die wichtigste Stütze im Westen. Balduin erwies sich als einflussreicher Gestalter der Reichspolitik. Am 11. Juli 1346 setzte er sich für die Wahl seines Großneffen Karls IV. zum deutschen Gegenkönig im Dom zu Bonn ein. Im Sinne des Papstes wählte 1355 die von ihm geführte luxemburgische Partei im Kurkollegium den Markgrafen Karl von Mähren, Sohn des Königs Johann von Böhmen 1355 zum Kaiser. Balduin, der als der Lehrmeister in Sachen Verwaltung galt, prägte seinen Großneffen Karl. Dieser Einfluss wirkte sich auch auf das zwischen 1363 und 1368 erstellte neuböhmische Steuerbuch oder "Sulzbacher Salbuch" aus, das Karl für sein erworbenes Gebiet Neuböhmen "Bavaria trans silvam Boemicalem" (Bayern jenseits des Waldes) verfassen ließ.

Bis heute ist es eine bedeutsame politische und kulturelle Quelle mit einzigartigen Informationen, über Zoll und Geleite bis hin zur Forstgeschichte. Da tauchen Namen von Orten auf, die heute nicht mehr bekannt sind. Nicht zu vergessen die positiven Auswirkungen: Die Menschen sahen in den kaiserlichen Verwaltern niemals einen Unterdrücker. Gerechtigkeit, Achtung kultureller Eigenarten, Rücksichtnahme auf den Volksstamm waren oberstes Gebot.

Das Original wird im Bayerischen Staatsarchiv aufbewahrt. In Prag findet sich ein weiteres Beispiel für die Achtung Karls zu seinem Großonkel: Als Modell für die Karlsbrücke über die Moldau in Prag wird oft die Steinerne Brücke in Regensburg genannt, was nicht stimmt. Karl hatte sich die Brücke seines Onkels Balduin in Koblenz als Vorbild ausgewählt. Ein Teil der Originalbrücke ist noch erhalten, die andere Hälfte musste wegen des Schiffverkehrs neu errichtet werden.


___ Papst macht Ausnahme
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Von Jugend an für den geistlichen Stand bestimmt, musste er seinem älteren Bruder Heinrich VII. den Thron überlassen. Als durch einen Todesfall die Erzdiözese Trier vakant wurde, erbat das Domkapitel im Dezember 1307 den zum Studium in Paris weilenden Dompropst Balduin als Nachfolger. Es gab jedoch ein Problem, da er das kirchenrechtlich vorgeschriebene Alter von 30 Jahren noch nicht erreicht hatte. Eine Wahl wäre so nicht möglich gewesen. Der Papst machte eine Ausnahme und ernannte den Gewählten zum neuen Erzbischof von Trier. Am 11. März 1308 erteilte er ihm persönlich die Bischofsweihe.

Für die Menschen damals und die Historiker ohne Zweifel ein kluger Schachzug. Es gelang ihm, in seiner Amtszeit von 1308 bis 1354 den Ausbau des Kurstaates zu vollenden und seine Verwaltung neu zu ordnen. Als Kurfürst war er maßgeblich an der Wahl mehrerer deutscher Könige beteiligt. Er sanierte das marode Erzbistum finanziell und leitete wichtige Reformen in Liturgie und Verwaltung ein. Daneben hat er in der Politik des damaligen "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" eine zentrale Rolle gespielt. Von seiner Persönlichkeit her wird Balduin als "Landesherr, Diplomat, Schöngeist und Priester" in einem beschrieben. Trotz seiner vielfältigen politischen Verpflichtungen sei er sich seiner bischöflichen und seelsorgerischen Verantwortung immer bewusst gewesen. "Er war ein frommer und asketischer Mensch, eine würdig gefeierte Liturgie war ihm ein Herzensanliegen", lobte ihn einer seiner Nachfolger. Aus europäischer Perspektive wird Balduin als "Europäer" beschrieben, der Brücken in der Großregion sowie von Frankreich bis nach Böhmen hin geschlagen und Frieden geschaffen hat.

Für den der Luxemburger Historiker Prof. Dr. Michel Pauly erwies er sich als Finanzexperte und brachte die völlig zerrütteten Bistumsfinanzen wieder in Ordnung. Balduin zeigte auch Mut, als Widersacher des Papstes ist er an der "Rhenser Erklärung" beteiligt gewesen. Hier wurde festgelegt, dass der von den Kurfürsten gewählte deutsche König nicht mehr vom Papst bestätigt werden musste. In der höchst spannungsgeladenen dramatischen Zeit des 14. Jahrhunderts entwickelte er sich zu einer faszinierenden, facettenreichen Persönlichkeit, der sich als Bischof und Landesherr behauptete. Eines seiner obersten Ziele war es, den Einfluss- und Herrschaftsanspruch der Dynastie der Luxemburger zu erhalten und auszudehnen. Vor 662 Jahren verstarb Balduin am 21. Januar 1354 im Alter von 69 Jahren in Trier.


___ Brunnen in Regensburg
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Seit April 2010 spendet der Balduin-Brunnen in Trier in der Nähe des Hauptbahnhofs wieder Wasser. Das Bronzestandbild des Erzbischofs konnte mit einem Autokran wieder auf den Brunnen gesetzt werden. Das 1897 von Ferdinand von Miller geschaffene Bronzedenkmal wies erhebliche Kriegsschäden auf. Große Einschusslöcher waren zu schließen und der fehlende Schwertgriff zu rekonstruieren. In der Werkstatt für Metallrestaurierung Haber & Brandner in Regensburg wurden diese behoben. Über 200 000 Euro investierte die Stadt mit Landesunterstützung für Denkmal, Brunnen und Umfeld, der Denkmalrettungs-Verein Trier hatte Sponsoren gewonnen. In einer Feierstunde wurde er von Balduins 39. Nachfolger, dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, im Mai 2010 eingesegnet.


___ Lehrpfad in Bärnau
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Der Förderverein Goldene Straße in Altenstadt/WN, der mit Unterstützung der Stadt Bärnau, dem Verein Via Carolina und dem Geozentrum Windischeschenbach das Projekt eines historisch-geologischen Lehrpfades anlegte, hat Balduin in der Oberpfalz ein Denkmal gesetzt. In 16 rund 1,80 Meter hohen Lärchenbaumstämmen schlummern 32 markante Steine aus Orten, in denen die böhmisch-luxemburgische Geschichte geschrieben wurde. "32 Steingeschichten entlang der Kaiserroute Karl IV." werden von den wichtigsten Orten an der rund 1000 Kilometer langen Strecke von Luxemburg bis Breslau in Polen informative Episoden preisgeben. Darunter ist auch ein Stein aus Trier, der die Geschichte von Balduin in Deutsch und Tschechisch erzählen wird.

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