"Es hängt auch davon ab, wer spielt"

Die Aufnahmen aus Viktoria Mullovas umfangreicher Discographie wurden mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet. In Weiden überrascht sie beim Förderkreis mit Werken von Bach, Fujikura, Benjamin und Prokofjew. Bild: Max Pucciariello

Viktoria Mullova: Ein Name, der für Virtuosität und Vielseitigkeit steht, seit ihren Bach- und Vivaldi-Einspielungen - aber auch für Originalklang auf hohem Niveau.

Weiden.Musik auf modernen Instrumenten oder im Originalklang, das sei "nicht sehr relevant in heutiger Zeit". Mit dieser Aussage verschreckte vor kurzem der britische Geiger und Alte-Musik-Spezialist Andrew Manze die Darmsaiten-Fraktion. Das Ende der Originalklangbewegung hat Manze damit nicht eingeläutet, vielleicht aber ein neues Qualitätsbewusstsein. Im Fokus seiner Kritik: Das musikalische Mittelmaß, das im Bereich Alter Musik häufig anzutreffen sei. Dass es dort auch "exzellente Musiker" gibt will Manze nicht in Abrede stellen. Zu Letzteren zählt zweifellos die russische Geigerin Viktoria Mullova. Für ihr Gastspiel bei den "Weidener Meisterkonzerten" am Freitag, 7. November, hat sie zwei Geigen im Gepäck: Ihre Stradivari und für Bach die mit Darmsaiten bespannte Guadagnini.

Frau Mullova, mit Blick auf Ihre große musikalische Bandbreite, was bedeutet Ihnen die Musik von Bach?

Viktoria Mullova: Ich empfinde eine besondere Liebe für Bach. Seine Musik kann ich immer und immer wieder hören und habe das Gefühl, niemals satt zu werden. Mein Weg zu Bach reicht lange zurück und ist noch lange nicht zu Ende. Regelmäßig überrascht es mich, wie neu die Ideen sind, die in mir entstehen während ich seine Musik spiele. Wenn ich alleine mit Bachs Musik auf der Bühne stehe, dann fühle ich mich sehr frei, es hat etwas sehr Intimes und Magisches.

Warum ist es für Sie so wichtig, Bach nicht nur "historisch informiert", sondern auch mit Darmsaiten und Barockbogen zu spielen?

Mullova: Weil Bach für diese Instrumente geschrieben hat und seine Musik mit Barockbögen gespielt wurde. Es ist viel leichter so zu spielen. In der Vergangenheit, vor meiner Auseinandersetzung mit dem Barockbogen, tat ich mich schwer, weil ich beispielsweise nicht genau wusste, wie man die Akkorde spielen kann, ohne dass es kratzt oder aggressiv wird.

Aber wird nicht der Darmsaitenton oftmals so empfunden, als rau und kratzig?

Mullova: Es hängt immer auch davon ab, wer spielt. Ich kenne eine Reihe wunderbarer Interpreten. Es gibt so viele Farben, die man erzeugen kann: rau oder flüsternd, aber auch einen vollen, runden und schönen Ton. Wenn ich auf Darmsaiten und mit Barockbogen spiele, reagiert meine Geige besser, sie spricht regelrecht. Auch in der Sprache gibt es ja eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen. Genauso ist es, wenn man Bachs Musik spielt.

Wie halten Sie es mit dem Vibrato?

Mullova: Das Vibrato war in der Barockmusik immer da und es gibt so viele verschiedene Arten, wie man es einsetzen kann. Meiner Meinung nach sogar weitaus mehr als in der Romantik. Damit lässt sich ein großer Reichtum an Farben erzeugen.

Bach auf der Stradivari, ist das für Sie überhaupt noch vorstellbar?

Mullova: Ja, wenn ich beispielsweise nach einem Orchesterkonzert eine Zugabe von Bach spiele und dann ist es durchaus in Ordnung, dabei auf Stahlsaiten zu spielen. Wenn es sich um einen langsamen Satz aus einem der Solowerke von Bach handelt, ist es auch nicht zu schwierig. Meine Erfahrung auf Darmsaiten hilft mir sehr dabei, dasselbe Werk auf meiner Stradivari zu interpretieren.

In Weiden erklingen neben Werken von Bach auch moderne und zeitgenössische Kompositionen.

Mullova: Die Idee für dieses Programm, das mir sehr am Herzen liegt, entstand auf Anfrage eines Madrider Veranstalters. Ich habe eigens dafür einen Werkauftrag an den japanischen Komponisten Dai Fujikura vergeben und George Benjamins wunderschöne "Three Miniatures" in mein Repertoire genommen. Das Programm wird diese Woche in Madrid seine Premiere haben. Ich freue mich darauf, es am Freitag auch dem Publikum in Weiden vorstellen zu können.

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"Weidener Meisterkonzerte": Konzertabend mit Viktoria Mullova am Freitag, 7. November (20 Uhr), in der Max-Reger-Halle Weiden. Karten an der Abendkasse.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.konzerte-weiden.de
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