Es müssen nicht immer Streicher sein

Das Wetter passte, die Stimmung war gut - und die drei Musikerinnen überzeugten auf ganzer Linie: ein gelungenes "Sommerkonzert" im alten Wurzer Pfarrhof. Bild: R. Tietz

Das "Trio Einfach Klassik" zeigt auf, wie feinsinnig und melodiös Musik "Von Bach bis Beat" auf Holzblasinstrumenten klingen kann.

So viele Stühle mussten kaum jemals zusätzlich aufgestellt werden, meint die Vorsitzende des Freundeskreises der 28. Wurzer Sommerkonzerte 2015, Dr. Rita Kielhorn, beim Konzert am Samstag. Das Wetter spielt wieder hervorragend mit: Sonnenschein, aber im Schatten der Bäume im Garten des Historischen Pfarrhofs ist es angenehm warm. Angesagt ist das "Trio Einfach Klassik", das ein Programm unter dem Titel "Von Bach bis Beat" gestaltet.

Stets harmonisch

Da passt es wunderbar zur Gesamtstimmung, wenn die Vortragsfolge mit dem berühmten "Air" aus der 3. Orchestersuite D-Dur BWV 1068 von Johann Sebastian Bach in einer Bläserfassung eröffnet wird. Seit 2007 spielt das Bläsertrio zusammen. Jeannine Lungwitz (Flöte und Piccolo), Kathrin Goschenhofer (Oboe und Englischhorn) und Adi Sharon (Fagott) achten sehr erfolgreich darauf, dass ihr Zusammenspiel stets harmonisch verläuft.

Die Fagottistin ist nicht nur für den Generalbass, sondern auch für die meisten Arrangements zuständig, welche die drei Instrumente in perfektem Klang zusammenführen. Die innere Ruhe, die das bekannte Stück auch in der Bläser-Interpretation ausstrahlt, überzeugt das Publikum. Doch auch schnelle Tonfolgen liegen den Musikerinnen. Das zeigt ihre Darstellung des Konzerts g-moll F XII/4, RV 103 von Antonio Vivaldi. Ein melodienreiches "Largo" von John Baptiste Loeillet aus seiner Sonate g-moll op 3 folgt.

Flöte und Oboe wechseln sich ab, das Fagott vermittelt die nötige Takt- und Tonsicherheit. Mit der Arie "Caro! Bella" aus der Oper "Julius Cäsar" von Georg Friedrich Händel wird das Programm fortgesetzt. Flott erklingt die Melodie, geistreich begleiten die beiden anderen Künstlerinnen. Dann ein Originalwerk, das "Trio Nr. 1 F- Dur" von Jacques Chr. Michel Widerkehr. Ein schnelles Tempo prägt den ersten Satz. Auch die getragene Melodie des Mittelsatzes ist vom engen Zusammenspiel der Interpreten geprägt. Im virtuosen Schlusssatz trägt jede Musikerin ihren Teil dazu bei, dass die Klänge einen hinreißenden Eindruck hinterlassen.

Der "Tanz der Stunden" aus "La Gioconda" von Amilcare Ponchielli vermittelt zusätzlich zum entspannten Spiel einen humorvollen Eindruck, weil die Piccoloflöte hohe Zwischentöne einschiebt, die dem Melodienfluss zusätzlich einen speziellen Charakter aufsetzen. Mit wiegender Begleitung ertönt das erste Musikstück nach der Pause, der "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens. Es folgen die "Sicilienne op 78" von Gabriel Faure und der "Walzer aus der 2. Jazz-Suite" von Dmitri Schostakowitsch. In allen drei Stücken spielt Kathrin Goschenhofer das Englischhorn mit der gleichen Souveränität wie zuvor und danach die Oboe.

Von Klassik zum Jazz

Melodien von Léo Delibes ("Pizzicati" aus dem Ballett "Sylvia"), Leonard Bernstein (Medley aus "West Side Story") und George Gershwin ("Summertime" und "It ain't necessarily so") setzen das Programm fort. Die Veränderungen der Gestaltung von Melodie und Rhythmus zeigen den Übergang von klassischer Musik zum Jazz. Ein deutscher Schlager schiebt sich dazwischen: "Zwei rote Rosen, ein zarter Kuss" von Walter Kollo lebt von seinen hingebungsvollen Tönen passend zum Text. Dann aber "Tico Tico" von Zequinha de Abreu, "Money Money" von ABBA und "Pretty Woman" von Roy Orbison, denen schnelle Rhythmen gemeinsam sind, die aber dennoch ein jeweils eigenes Charakterbild liefern.

Schließlich "Mission Impossible" von Lalo Schifrin und "The Entertainer" von Scott Joplin, die beide ihren eigenen Rhythmus mit Melodienreichtum verknüpfen. Insgesamt also ein Ensemble, dem man gerne zuhört, weil die drei Musikerinnen es vermögen, ihre Zuhörer unbedingt zu fesseln. Das zeigen auch die wegen des riesigen Beifalls gespielten Zugaben. Einmal "Bare Necessities" von Terry Gilkyson und von Anton Karras das "Harry Lime"-Thema aus dem Film "Der dritte Mann".
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