"Eschenbachs Bürgermeister ist ernüchtert über BR-Sendung ""Schöne Oberpfalz"""
Eine krasse Themaverfehlung

Die BR-Sendung "Schöne Oberpfalz" erhitzt die Gemüter. Der Eschenbacher Bürgermeister Peter Lehr und auch viele Leute auf der Straße sind bitter enttäuscht von dem Beitrag, der wahllos irgendwelche Sequenzen aneinander reiht, wild hin und her durch die Oberpfalz springt und auch gravierende handwerkliche Fehler aufweist. Bild: rn

"Das Bayerische Fernsehen hat sich nicht mit Ruhm bekleckert und seine Versprechen nicht gehalten." Dieses ernüchternde Resümee zieht Bürgermeister Peter Lehr über die Sendung "Schöne Oberpfalz", die am Neujahrstag über den Bildschirm flimmerte.

Der erste Teil der Filmreihe "Schöne Oberpfalz" gibt seither in der Bevölkerung Anlass zu heftiger Kritik. Statt wirtschaftliche und kulturelle Vorzeigeeinrichtungen vorzustellen, wurden gleich einleitend landwirtschaftliche Anwesen gezeigt, die zum Titel der Sendung keinen Bezug haben.

"Nicht berauschend"

Beklagt wird, dass die nördliche Oberpfalz offensichtlich als Armenhaus Bayerns vorgeführt werden sollte. So mancher fühlte sich in die Zeit des Films "Agonie einer Landschaft" zurückversetzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in Peter Lehrs Urteil auch die Worte "nicht berauschend" und "nicht motivierend" fallen. Von der nördlichen Oberpfalz sei kein schönes Bild gezeichnet worden. Kritiker auf der Straße und an den Stammtischen sagen es deutlicher: Sie sprechen von einer krassen Themaverfehlung.

Mehrere Stunden verbrachte das Fernsehteam in der Rußweiherstadt. Es drehte am Stadtplatz, filmte Halter und Auto mit ESB-Kennzeichen und am Rußweiher. Auch Bürgermeister Peter Lehr wurde interviewt. Am 11. Dezember ging im Rathaus unter "Wichtigkeit: hoch" die Nachricht ein, dass demnächst die Filmreihe "Schöne Oberpfalz" im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. "Vier Filme zu je 45 Minuten mit Menschen, Lebensgefühl, Natur und Kultur in der Oberpfalz". Und weiter heißt es in dem von Dr. Michael Zehetmair, Sonderkorrespondent für Kultur im Bayerischen Fernsehen, unterzeichneten Schreiben: "Eschenbach kommt in zwei der vier Filme vor. Zum einen ist da der Film Schöne Oberpfalz - der Norden (Neujahrstag). Darin zeigen wir sehr schöne Ansichten des Ortszentrums. Zum anderen berichten wir über das Autonummernschild "ESB" und den damit verbundenen Lokalstolz. Im Film Schöne Oberpfalz - die Mitte (Samstag, 3. Januar) sind wir dann zu Gast am Rußweiher - verträumte Stimmungen und Lebensgefühle. Ich würde mich freuen, wenn Sie beide Filme ankündigen könnten." Dieser Bitte ist der NT am 30. Dezember nachgekommen.

Falsche Schwerpunkte

Bürgermeister Lehr stellt unter anderem einen Vergleich mit dem in die Länge gezogenen Bericht über ein kleines Kriegerdenkmal an und bedauert, dass die angekündigten "schönen Ansichten des Ortszentrums" der Schere zum Opfer gefallen sind.

Wie im ersten Teil der Filmreihe machte das Münchener Filmteam auch im Beitrag über "Die Mitte" große, wahllose Sprünge durch die Landschaft. Erkennbar wurde erneut eine verbesserungsbedürftige Vorbereitung auf die Region Nordostbayern. Geographische Unkenntnisse darüber treten bei BR-Sprechern ohnehin wiederholt zutage, die nicht einmal die Namen richtig aussprechen konnten. Zu Gast am Rußweiher mit "verträumten Stimmungen und Lebensgefühlen" war der BR zum Ende der Sendung über "Die Mitte" dann noch schnell für einige Sekunden. Kurz zu sehen war eine Reihe von Bootshäusern.

Vieles "übersehen"

Mit Nichtbeachtung gestraft wurden das international beachtete Naturschutzgebiet Großer Rußweiher, Deutschlands schönstes Naturdenkmal 2014 "Rauher Kulm" und die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart. Ihren Unmut brachten Fernsehzuschauer in den vergangenen Tagen auch mit Vergleichen aus ihrer Schulzeit zum Ausdruck. Sie erinnerten an Deutsch-Aufsätze, die den Vermerk "Thema verfehlt" trugen.

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