Farbenfrohes Gegacker

Jessica Heigl inmitten ihres Hühnerhaufens. Die Künstlerin aus Runding (Landkreis Cham) malt gerne gackerndes Federvieh. Bild: hfz

Hühner - die kennt man aus dem Fernsehen, tiefgefroren aus dem Supermarkt oder live auf dem Bauernhof. Anders bei Jessica Heigl. Sie bringt am 14. November Gockel "Xaver" und seine Hühner-Damen nach Weiden - auf Leinwand.

Frau Heigl, ein Huhn ist ein sehr ungewöhnliches Motiv. Woher kommt diese Leidenschaft?

Jessica Heigl: Eigentlich ist das Huhn-Motiv purer Zufall. Ich wollte nach zehn Jahren Pause wieder mit meiner "Kuhmalerei" beginnen und habe einfach so mal ein Huhn - damals noch ganz bunt - gemalt. Dieses hat wiederum zufällig ein Kunde gesehen, das Bild sofort gekauft und weitere vier Hühnerbilder in Auftrag gegeben.

Ehrlich gesagt, hat mich das damals gar nicht gereizt, aber dann habe ich eines auf schwarzen Hintergrund gemalt und das hat mir so gut gefallen, dass ich in dieser Art noch weitere ausprobieren wollte. Mittlerweile sind es rund 180 Bilder, die immer großformatiger werden.

Wie entstehen Ihre Bilder? Sitzen Sie dafür stundenlang in einem Stall?

Heigl:Leider nein, weil ich gar keine eigenen Hühner habe. Aber ich darf immer einen Bauernhof in unserem Dorf besuchen. Dort mache ich dann massenweise Fotos, von denen ich wirklich hunderte, auch unscheinbare entwickeln lasse.

Diese studiere ich dann in meinem Atelier und suche mir Ausschnitte, die mir gefallen. Außerdem male ich immer mindestens zehn Bilder gleichzeitig.

Hühner gleichen sich ja oft wie ein Ei dem anderen. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Gemälde trotz desselben Motivs abwechslungsreich sind?

Heigl: Ganz einfach, weil ja das Huhn an und für sich so abwechslungsreich ist. Wenn man sich intensiv damit beschäftigt, sieht man wie viele unterschiedliche Facetten so ein Huhn hat: von witzig, dramatisch, traurig, verschlagen, arrogant bis zu böse oder aggressiv, um nur einige Beispiele zu nennen.

Mit welcher Technik bringen Sie die Hühner auf die Leinwand?

Heigl: Alle Bilder sind Acryl auf Leinwand.

Ist Ihnen auch schon einmal der Gedanke gekommen, einen Gockel zu malen?

Heigl: Natürlich, habe ich auch schon oft. Am meisten wohl den "Helmut", den es als Gruppenbild(er) "Helmut und seine Damen", oder "Er ist einfach der Größte" in verschiedenen Farben und Größen gibt.

Aber auch abgesehen vom Helmut, habe ich schon viele weitere Hähne gemalt, zum Beispiel den Franz-Xaver.

Was steckt hinter dem Titel "Gallinismus"?

Heigl: Gallinismus ist wohl am besten mit "Wortspinnerei" zu beschreiben. Es ist eine Zusammensetzung vom lateinischen "gallina" - das Huhn - und dem geliehenen "-ismus" von zum Beispiel Expressionismus. Erfunden hat diesen Begriff ein Lateinlehrer, der übrigens gebürtiger Weidener ist.

Sie stellen am Samstag, 14. November, um 19 Uhr in der Nikolaus-Otto-Straße 4 in Weiden aus, was verbindet Sie mit dieser Stadt?

Heigl: Vor dem Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf habe ich 2001 ein Jahr lang den Mappenkurs in Neustadt an der Waldnaab, die ehemalige Fischerschule, besucht und in dieser Zeit auch in der Nähe von Weiden bei Verwandten gewohnt.

Außerdem ist der Auftraggeber für die ersten fünf Hühnerbilder ebenfalls ein Weidener Bürger. So gesehen habe ich in Weiden damals das Malen begonnen, und Weidener Bürger sind (Gott sei Dank!) "schuld", dass ich nach zehn Jahren wieder hauptberuflich mit dem Malen begonnen habe und der "Gallinismus" erfunden wurde.
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Die Ausstellung findet von Montag, 16. November, bis Samstag, 5. Dezember, in der Nikolaus-Otto-Straße 4 in Weiden statt. Öffnungszeiten sind werktags von 8 bis 21 Uhr und am Samstag von 9 bis 12 Uhr. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Samstag, 14. November, um 19 Uhr.
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