Feuerwehr-Oldtimer beim Feuerwehrfest auf dem Schwandorfer Volksfestplatz
"Oma" war schon in Amerika

Die Feuerwehr aus Jork bei Hamburg brachte die "Oma" auf dem Tieflader mit. Mit den Schwandorfern feierten (vorne von links) Henning von Husen, Klaus Müller, Detlef Feindt, Sebastian Ninaber, Jürgen Haar, Jürgen Froböse, Günter Freudenthal, Lutz Stepat, Andreas Freudenthal sowie (vorne, von links) Ortsbrandmeister Stefan Six und Johann Kühlke. Bild: hfz
 
Die Feuerwehr aus Jork bei Hamburg brachte die "Oma" auf dem Tieflader mit. Mit den Schwandorfern feierten (vorne von links) Henning von Husen, Klaus Müller, Detlef Feindt, Sebastian Ninaber, Jürgen Haar, Jürgen Froböse, Günter Freudenthal, Lutz Stepat, Andreas Freudenthal sowie (vorne, von links) Ortsbrandmeister Stefan Six und Johann Kühlke. Bild: hfz

"Leila" lässt ihren nagelneuen, grünen Lack kess glänzen, "Oma" hält sich in sattem Rot im Hintergrund. Die beiden Feuerwehr-Oldtimer kommen aus dem gleichen Stall, zum Feuerwehrfest stehen sie nebeneinander auf dem Volksfestplatz. Doch ihre Garagen liegen rund 680 Kilometer auseinander.

Die beiden "Magirus"-Lkw stammen aus den späten 1930er Jahren, laufen auf identischem Fahrgestell. "Oma" ist als "Kraftspritze" aufgebaut, für neun Mann Besatzung. "Da wird's kuschlig", sagt Johann Kühlke. Der langgediente Feuerwehrmann aus Jork ("Ich bin 1963 nach der Sturmflut eingetreten) lehnt mit seinem Kameraden Günter Freudenthal an der "Oma". Die beiden kennen das Fahrzeug in- und auswendig, genauso wie Henning von Husen. Letzterer ist ein Experte, was Lkw der Baureihe "LK" anbetrifft und hat den Schwandorfern sehr beim Aufbau ihrer schmucken "Leila" geholfen. "Der kennt jede Schraube an dem Auto", sagt der Vorsitzende der Schwandorfer Wehr, Andreas Hohler.

Auf dem Tieflader

Die Schwandorfer Drehleiter war von ihrem Eigentümer in Jork bei einer Ausstellung präsentiert worden. Über einen Artikel in der Feuerwehrzeitung stießen die Schwandorfer wieder auf ihre "Leila", die 1938 in der Stadt in Dienst gestellt wurde, kauften sie schließlich. Die Freundschaft mit den Kameraden aus Jork ergab sich als Zugabe. Zum 150-jährigen Bestehen machten sich elf Kameraden auf den weiten Weg nach Schwandorf: Die Gemeinde Jork liegt in Niedersachsen, an der Elbe im Dreieck zwischen Stade, Buxtehude und der Hansestadt Hamburg. Die "Oma" reiste auf dem Tieflader mit. Die lange Fahrt mit 40 bis 50 Stundenkilometern wollte sich dann doch niemand antun. Noch dazu, wo sich im Mannschaftsraum nicht einmal die Fenster runterkurbeln lassen. "Die haben damals schon gespart", sagt Freudenthal.

Überfahrt mit dem Schiff

Für die "Oma" war der Trip nach Schwandorf aber nicht die längste Reise, wie die Kameraden um Ortsbrandmeister (entspricht dem Kommandanten) Stefan Six erzählen. "Das war so eine fixe Idee", beginnt Johannes Kühlke: Mit der "Oma" nach New York zur berühmten Deutsch-Amerikanischen Steuben-Parade. Das war 2010. Wie kommt "Oma" aufs Schiff? Nun, zunächst überlegten die Jorker, das Auto in einen Container zu verpacken. "Dann hätte der Fahrer drin bleiben müssen. Der konnte nämlich nicht mehr aussteigen", sagt Freudenthal. Kontakte zu einem Unternehmen am Hamburger Hafen ermöglichten schließlich den Transport in einem Autofrachter.

Wo ist die Rechnung?

Ein Problem gab's noch am Zoll in den Staaten: Dort sollte eine Original-Rechnung vorgelegt worden. Die Fracht-Agentin der Jorker managte auch das: "Die USA und England haben ab 1943 Hamburg in Schutt und Asche gelegt. Das ist alles verbrannt". Freudenthal und Kühlke grinsen heute noch, wenn sie an das Gesicht des amerikanischen Beamten angesichts soviel Schlagfertigkeit denken. Jedenfalls rollte die "Oma" 2010 mit bei der Parade auf der "Fifth Avenue". Das Fest ist nach einem preußischen General benannt, der sich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Verdienste erwarb.

Zu Hochzeiten

Aber "Oma" ist auch sonst auf Achse, nicht nur bei Oldtimertreffen und Feuerwehrfesten. Im Mannschaftsraum sind kleine Erinnerungsschilder montiert: Wenn Kameraden der Feuerwehr Jork heiraten oder ein Hochzeitsjubiläum feiern, werden sie mit der "Kraftspritze" kutschiert. Die Nachkriegszeit überlebte das Fahrzeug versteckt in einer Obstplantage, erzählen die beiden. Bis 1968 war die "KS 15" in Jork im Dienst.

"Super Kameraden"

Den Besuch in Schwandorf haben die elf Mann aus dem hohen Norden genossen, am Montag machten sie sich mit "Oma" auf dem Hänger auf den Heimweg. Der Besuch hat die Schwandorfer sehr gefreut, das war auch am Applaus für die Jorker im Festzelt zu spüren. "Das sind ganz super Kameraden," sagt Andreas Hohler.
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