Filmfestspiele in Cannes
Goldene Palme für Ken Loach

Regisseur Ken Loach erhielt am Sonntagabend bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme für sein Sozialdrama "I, Daniel Blake". 2006 hatte der heute 79-Jährige die Auszeichnung für "The Wind that Shakes the Barley" erhalten. Bild: dpa

Die deutsche Regisseurin Maren Ade war die große Favoritin - wird dann aber völlig übergangen. Beim Festival in Cannes triumphiert stattdessen ein gesellschaftskritisches Drama aus Großbritannien.

Cannes. Sie war die große Favoritin und ging am Ende doch völlig überraschend ganz leer aus: Die deutsche Regisseurin Maren Ade konnte die Jury beim Filmfest Cannes nicht überzeugen. Stattdessen gewann der Brite Ken Loach mit dem Sozialdrama "I, Daniel Blake" die Goldene Palme, den Hauptpreis des Festivals.

Wie in seinem Film prangerte Loach auch in der Dankesrede die sozialen Ungerechtigkeiten in Europa an. "Das Kino kann uns die Welt näherbringen, in der wir leben - und die Welt in der wir leben, ist derzeit an einem gefährlichen Punkt", sagte Loach am Sonntagabend bei der Preisverleihung. "Wir sind im Würgegriff der Sparmaßnahmen, die angetrieben werden von Ideen, die wir Neoliberalismus nennen - die uns an den Rand einer neuen Katastrophe bringen." Das habe viele Menschen in Griechenland, Spanien und Portugal in Not gebracht "und einigen wenigen grotesken Reichtum". Die Gefahr sei, dass rechte Parteien davon profitieren könnten.

Der Brite hatte in dem starken Wettbewerb dieses Jahr zum Kreis der Favoriten gehört. Er erzählt sehr eindringlich von dem aussichtslosen Kampf des älteren Handwerkers Daniel Blake gegen die Behörden. Als der wegen einer Krankheit arbeitsunfähig wird, wird sein Antrag auf Ersatzleistungen nicht genehmigt - und Daniel Blake muss um seine Existenz und seine Würde fürchten.

Der zweite große Gewinner ist der jüngste Regisseur des diesjährigen Wettbewerbs: Der Kanadier Xavier Dolan gewann für sein Drama "Juste la fin du monde " den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Ehrung des Festivals. Der 27-Jährige zeigt darin eine völlig zerstrittene Familie.

Zwei Auszeichnungen gingen an das Drama "Forushande" des Iraners Asghar Farhadi: für das beste Drehbuch und für den Hauptdarsteller Shahab Hosseini. Farhadi erzählt von einem Ehepaar, das nach einem gewalttätigen Angriff selbst den Täter sucht. Dass die 39-jährige Ade mit ihrer Tragikomödie "Toni Erdmann" bei den Preisen vollständig übergangen wurde, löste bei vielen Kritikern Unverständnis aus.
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