"Filmkunst weltweit revolutioniert"

Ballhaus und US-Schauspieler Jack Nicholson scherzen 2004 bei der Premiere ihres Films "Somethings Gotta Give" ("Was das Herz begehrt") in Berlin. Bilder: dpa (3)

Er gilt als einer der besten Kameramänner der Welt: Michael Ballhaus, der heute in Berlin 80 wird, hat in Hollywood eine beispiellose Karriere hinter sich.

Michelle Pfeiffer räkelt sich im roten Glitzerkleid auf einem schwarzen Flügel - und die Kamera fährt in einer einzigen, unendlich langsamen Bewegung ganz um sie herum. Mit dieser Einstellung hat der deutsche Kameramann Michael Ballhaus 1989 Filmgeschichte geschrieben.

25 Jahre lang arbeitete der gebürtige Berliner in Hollywood mit den wichtigsten Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro zusammen, allein sieben Filme entstanden mit seinem Lieblingspartner Martin Scorsese. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Am Mittwoch (5. August) feiert er seinen 80. Geburtstag. Ein Interview mag Ballhaus aus gesundheitlichen Gründen nicht geben. Schon bei der Vorstellung seiner Lebenserinnerungen "Bilder im Kopf" im vergangenen Jahr in Berlin hatte er berichtet, wie ihm der Grüne Star zunehmend das Augenlicht raubt. "Es sind die Farben, die bleiben, die Gesichter, das Leuchten weißer Lichter in einer dunkelblauen Nacht", notiert er.

Anschleichende Krankheit

Dennoch hat sich der Mann, für den zeitlebens die Augen das wichtigste Werkzeug waren, von der sich seit Jahrzehnten anschleichenden Krankheit nicht seinen Humor und seine Leidenschaft nehmen lassen. "Der Beruf war mein Traumberuf, meine Passion", sagt er. "Dass ich dafür auch noch Geld bekam, fand ich manchmal erstaunlich."

Eine beispiellose Beziehung verband Ballhaus mit US-Starregisseur Scorsese. Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film "After Hours" (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk "Departed" (2006) mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitet. Sein Blick liebe die Schauspieler, sagte er einmal. "Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht."

Scorseses Bandenepos "Gangs of New York" trug Ballhaus 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein - nach James L. Brooks' Komödie "Nachrichtenfieber" (1987) und Steven Kloves' Nachtclubfilm "Die fabelhaften Baker Boys" (1989). Die 360-Grad-Kamerafahrt - wie dort um Michelle Pfeiffer herum - wurde als "Ballhaus-Kreisel" zu seinem Markenzeichen.

"Das magische Licht"

Entdeckt hat er seine Leidenschaft schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für "Lola Montez" zuschauen dürfen. Ihn faszinierte besonders die "bewegte, schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht", - das, was später seine eigene Arbeit so besonders machen wird.

Nach einem Start beim Fernsehen in Baden-Baden lernt er bald den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avanciert er in den 70er Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films. Fünfzehn Filme machen die beiden zusammen, darunter Meisterwerke wie "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972) und "Die Ehe der Maria Braun" (1979). Nach vielen Reibereien kommt es bei der Romanverfilmung "Berlin Alexanderplatz" 1980 zum Bruch - Ballhaus und seine Frau Helga halten es mit dem "Koks-Monster", wie er schreibt, nicht mehr aus.

Stiftung gegründet

Seine Frau, Mutter der beiden Söhne, bleibt auch nach dem späteren Umzug in die USA die wichtigste Begleiterin. Als sie 2006 nach fast 50 Jahren Ehe völlig unerwartet innerhalb von fünf Stunden an Krebs stirbt, kehrt Ballhaus ins heimatliche Berlin zurück. Seine Frau lässt er hier begraben.

2011 heiratet er die um 25 Jahre jüngere Regisseurin Sherry Hormann, für deren Film "3096 Tage" er ein letztes Mal hinter die Kamera tritt. "Sie war der Chef, ich tat, was sie mir sagte." Das klaustrophobische Drama, die Leidensgeschichte der acht Jahre in einem Kellerverlies gehaltenen Natascha Kampusch in Österreich, stieß auf ein recht geteiltes Echo.

In seinen Jahren in Deutschland kümmerte sich Ballhaus nochmals intensiv um die Nachwuchsförderung. Er übernahm Lehraufträge an Filmhochschulen vor allem in Berlin und München, gründete eine Stiftung und lobte einen Preis für vielversprechende Kameraleute aus.

Und auch wenn er seinen Geburtstag nicht groß feiert, werden viele Menschen an ihn denken. Hollywood-Regisseur Mike Nichols, mit dem er einst "Die Waffen der Frauen" drehte, sagte einmal: "Mit Michael zu arbeiten ist, als wäre man im Himmel - nur dass man dafür vorher nicht sterben muss."
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