Filmproduzent Ingo Fliess aus Sulzbach-Rosenberg gastiert in der OTH in Amberg
"Bürgerkrieg" in der Oberpfalz

Der aus Sulzbach-Rosenberg stammende Produzent Ingo Fliess gastiert am 11. Juni in der OTH in Amberg beim Studiengang Medienwissenschaften. Er plant einen Film über "Wackersdorf".

Amberg.Am Donnerstag, 11. Juni, besucht Ingo Fliess, aus der Oberpfalz stammender und in München ansässiger Filmproduzent, Studierende des Fachs Medienproduktion und Medientechnik an der "Ostbayerische Technische Hochschule" (OTH) in Amberg. Er wird dabei nicht nur seinen mit dem Deutschen Schauspielerpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Film "Ein Geschenk der Götter" zeigen, sondern im Anschluss über seine Tätigkeit als Filmproduzent und die von ihm gegründete Produktionsfirma "if...productions" sprechen.

Was macht ein Filmproduzent eigentlich? Ist der eher fürs Künstlerische, fürs Kaufmännische oder fürs Technische verantwortlich?

Ingo Fliess: Das Befriedigende an dem Beruf des Produzenten ist tatsächlich, dass viele Dinge zusammenkommen und dass man von allem ein bisschen verstehen muss. Das Technische ist vielleicht noch das Geringste - dafür hat man normalerweise ein Team von Experten. Ansonsten seh' ich schon meine wichtigste Herausforderung darin, das Künstlerische mit dem Kaufmännischen in Einklang zu bringen und so innerhalb eines konkreten ökonomischen Rahmens das zu ermöglichen, was sich Autoren und Regisseure vorstellen.

Ist ein Beruf wie Ihrer, der von der Komplexität der Praxis geprägt ist, überhaupt in ein theoretisches Curriculum eines Studiengangs zu packen?

Fliess: Das meiste lernt man, wie ein guter Freund von mir mal gesagt hat, "mit roten Ohren" und sucht nach Lösungen auf Fragen, für die man bislang noch keine Antworten brauchte. Neben der Erfahrung ist aber auch viel Rüstzeug nötig, Juristisches etwa oder Dramaturgisches. Am allerwichtigsten finde ich allerdings etwas, was ich als 'Haltung' bezeichnen würde.

Dass man sich nämlich selber klarmacht: Was will ich erreichen? Alles, was ich bislang produziert habe, das habe ich darauf hin abgeklopft, ob der Stoff relevant und in der Lage ist, die Gesellschaft, in der ich lebe, zu beschreiben. Mich interessieren eskapistische Stoffe am allerwenigsten, sondern es sind tatsächlich die Sachen, die mit unserer Wirklichkeit und unserem Leben zu tun haben.

In Amberg stellen Sie Ihren aktuellen Film "Geschenk der Götter" vor.

Fliess: Das Witzige an dieser Erfolgsstory ist, dass ich mir zunächst Absagen am laufenden Band einhandelte. Man muss dann hartnäckig bleiben - und sich gleichzeitig dessen bewusst sein, dass nur ein ganz schmaler Grat verläuft zwischen dieser Sturheit und einer falschen Unbelehrbarkeit.

Gibt es nicht auch Themen aus der Oberpfalz, die sich filmisch erzählen ließen?

Fliess: Grundsätzlich gibt es gar keine Beschränkungen. "Jeder Augenblick kann der Anfang einer Geschichte sein", hat Edgar Reitz mal gesagt, "man muss ihn nur ernst genug nehmen." Seit zwei Jahren arbeiten wir tatsächlich am Drehbuch für einen Spielfilm über Wackersdorf. Wir, das sind Regisseur Oliver Haffner und Co-Autor Gernot Krää, die da an einem Drehbuch über die Jahre 1982 bis 1986 sitzen, als geplant war, in der Oberpfalz eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage zu errichten und sich bürgerkriegsähnliche Zustände entwickelten.

Das ist ein Herzensprojekt von mir, aber wir sind jetzt auf der Zielgeraden, so dass wir 2016 mit dem Drehen beginnen können. Ein fertiges Drehbuch, das werde ich auch den Studenten und allen Zuhörern sagen, ist die halbe Miete. Oder sogar ein bisschen mehr.

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OTH Amberg, Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik (EMI), HS 214, Donnerstag, 11. Juni, 11.45 bis 14 Uhr, Ansprechpartner: Professor Dipl.-Ing. Maximilian Kock
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